
Viele mittelständische Unternehmen stehen vor derselben Frage: Wie lässt sich das bisherige Geschäft sichern, wenn Technologien, Märkte und politische Rahmenbedingungen immer schneller wechseln? Bei einer Veranstaltung in Besigheim wurde deutlich, dass bloßes Abwarten für die Wirtschaft keine Lösung sein kann.
Von der Redaktion – 09.41 Uhr
Besigheim. Rund 160 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Kommunen haben sich in der Alten Kelter über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts ausgetauscht. Wie das Landratsamt Ludwigsburg mitteilt, stand die vierte Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Wirtschaft im Gespräch“ unter dem Zeichen von künstlicher Intelligenz, geopolitischen Unsicherheiten und dem Strukturwandel.
Eingeladen hatten der Landkreis Ludwigsburg, die Kreissparkasse Ludwigsburg und die Stadt Besigheim. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie mittelständische Unternehmen trotz schwieriger Rahmenbedingungen wachsen und neue Geschäftsfelder erschließen können.
Allgaier setzt auf Zusammenarbeit
Landrat Dietmar Allgaier betonte, dass technologische Entwicklungen allein nicht über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts entschieden.
„Die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts entscheidet sich nicht allein durch technologische Entwicklungen, sondern vor allem durch die Menschen, die sie gestalten“, sagte Allgaier. Unternehmen, Wissenschaft und Politik müssten deshalb enger zusammenarbeiten und voneinander lernen.
Konkreter wurde Professorin Katharina Hölzle vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Sie sieht unter anderem in intelligenter Produktion und biobasierten Materialien neue Chancen für den deutschen Mittelstand.
Unternehmen müssten neue Technologien nicht nur einkaufen, sondern auch die notwendigen Fähigkeiten im eigenen Haus entwickeln. Gerade mittelständische Betriebe hätten durch ihre Kundennähe und ihre technische Erfahrung gute Voraussetzungen, neue Märkte zu erschließen.
Unternehmen übertragen vorhandenes Wissen auf neue Märkte
Wie dieser Wandel in der Praxis aussehen kann, zeigten MANN+HUMMEL und die Konzelmann GmbH.
MANN+HUMMEL weitet seine Erfahrung in der Filtration nach Angaben des Landratsamts auf neue Anwendungsfelder aus. Die Konzelmann GmbH entwickelte ein Sicherheitsbauteil für Batteriesysteme und schaffte damit den Einstieg in den Bereich Elektromobilität. Dafür erhielt das Familienunternehmen den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg.
In der Podiumsdiskussion wurde zugleich deutlich, dass neue Technik allein nicht reicht. Unternehmen benötigen qualifizierte Beschäftigte, eine Kultur, in der neue Ideen zugelassen werden, und Führungskräfte, die Veränderungen nicht nur ankündigen, sondern begleiten.
Mehr Teilnehmer als bei früheren Veranstaltungen
Nach Angaben des Landratsamts verzeichnete die Veranstaltungsreihe mit rund 160 Gästen erneut einen Besucherzuwachs. Beim anschließenden Austausch konnten Unternehmen, Wissenschaft und öffentliche Stellen Kontakte knüpfen und die Diskussionen vertiefen.
Die zentrale Botschaft des Abends blieb dabei klar: Der Mittelstand kann seine Zukunft nicht allein durch Kostensenkungen sichern. Gefragt sind neue Produkte, zusätzliche Kompetenzen und die Bereitschaft, bisherige Geschäftsmodelle zu hinterfragen.


