
Ludwigsburgs Haushaltslage spitzt sich dramatisch zu: Statt der eingeplanten 105 Millionen Euro erwartet die Stadt nur noch 85 Millionen Euro Gewerbesteuer. Die Folge ist eine Haushaltssperre in Millionenhöhe, Investitionen werden gestoppt, Stellen nicht besetzt und das Regierungspräsidium hat den Etat noch nicht genehmigt.
Von Ayhan Güneş – 07.56 Uhr
Ludwigsburg. Die finanzielle Lage der Stadt Ludwigsburg verschärft sich weiter. Nachdem bereits im Herbst ein Defizit von über 20 Millionen Euro für 2026 prognostiziert wurde, bricht nun eine zentrale Einnahmequelle weg: die Gewerbesteuer. Statt der eingeplanten 105 Millionen Euro rechnet die Stadt aktuell nur noch mit 85 Millionen Euro – ein Minus von mindestens 20 Millionen Euro.
Stadtkämmerer Harald Kistler spricht von einer klaren Fehlannahme: „Nach der derzeitigen Entwicklung sind die veranschlagten Einnahmen von 105 Millionen Euro völlig unrealistisch.“
Die Folge: Die Stadtverwaltung schlägt dem Gemeinderat für die Sitzung am 25. Februar eine Haushaltssperre vor – mit einem Volumen von 26 Millionen Euro im Ergebnishaushalt 2026 sowie weiteren 43 Millionen Euro bei den Investitionen bis 2029. Diese Mittel dürfen vorerst nicht ausgegeben werden.
Bereits im Oktober hatte die Stadt im Rahmen des Konsolidierungsprogramms WIN LB Stellen gestrichen, einen Risikoabschlag eingeplant und Einsparungen von rund 11,7 Millionen Euro präsentiert. Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht hatte damals gewarnt: „Aber es reicht noch nicht.“
Nun zeigt sich, wie zutreffend diese Einschätzung war.
Haushalt unter Aufsicht – Investitionen auf dem Prüfstand
Der Haushalt 2026 ist bislang vom Regierungspräsidium noch nicht genehmigt. Aktuell gilt deshalb die sogenannte vorläufige Haushaltsführung. Ausgaben dürfen nur für gesetzlich verpflichtende und unaufschiebbare Maßnahmen getätigt werden.
Mit der geplanten Haushaltssperre würden zusätzlich 13 Millionen Euro im Personalbudget, 12 Millionen Euro in den Fachbereichsbudgets sowie eine Million Euro bei Transferleistungen eingefroren. Im Personalbereich bedeutet das: freie Stellen werden vorerst nicht wiederbesetzt, neue Stellen zurückgestellt, Beförderungen gestoppt, befristete Verträge laufen grundsätzlich aus.
Auch bei Investitionen wird eingefroren: 7,8 Millionen Euro allein im Jahr 2026, weitere 35 Millionen Euro in der Finanzplanung bis 2029. Gleichzeitig macht das Regierungspräsidium deutlich, dass das Investitionsniveau insgesamt zu hoch sei – eine Reduzierung sei Voraussetzung für die Genehmigung.
Ad-Hoc-Kommission soll Lösungen vorbereiten
Eine neu eingesetzte Ad-Hoc-Kommission aus Fraktionsvorsitzenden und deren Stellvertretungen soll gemeinsam mit der Verwaltung einen Nachtragshaushalt vorbereiten. Dieser soll vor der Sommerpause beschlossen werden.
Bis dahin wartet die Stadt auf zwei entscheidende Faktoren: die Mai-Steuerschätzung sowie Klarheit über die angekündigten 50 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes.
OB Knecht betont die Verantwortung aller Beteiligten: „Um unsere Handlungsfähigkeit zu sichern und die Zukunft unserer Stadt verantwortungsvoll zu gestalten, sind nun Achtsamkeit, Umsicht und gemeinsames Handeln gefragt.“
Gleichzeitig wird der Ton deutlicher. Mit Blick auf Bund und Land sagt Knecht: „Es ist aber höchste Zeit, dass in Bund und Land endlich die Einsicht einkehrt, die Kommunen finanziell besser auszustatten. Vor allem dann, wenn die Kommunen weiterhin auf einem Großteil der Kosten für die Kinderbetreuung sitzen bleiben. Dann ist es wie ein Kampf gegen Windmühlen“, kritisiert der OB. „Denn hier vor Ort entscheidet sich, ob das Vertrauen in Freiheit, Recht und gesellschaftlichen Zusammenhalt erhalten bleibt.“
Strukturelles Problem – keine kurzfristige Delle
Was sich hier abzeichnet, ist mehr als eine kurzfristige Schwankung. Die Kombination aus steigenden Personalkosten, unsicheren Einnahmen, hohen Investitionen und struktureller Unterfinanzierung bringt die Stadt in eine Lage, die zunehmend brisant wird.
Bereits im Herbst sprach Knecht davon, „Abstriche machen und Verzicht üben“ zu müssen. Mit der nun geplanten Haushaltssperre wird aus dieser Ankündigung konkrete Realität.
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