
Der Überraschungseffekt ist weg, die Mannschaft nahezu neu und zum Auftakt wartet gleich der FC Bayern. Vor seiner zweiten Saison in der DFB-Nachwuchsliga steht die U19 des SGV Heilbronn-Freiberg vor einer anderen Bewährungsprobe als noch in ihrem ersten Jahr. Trainer Ihsan Başaran spricht über 28 Neuzugänge, bessere Bedingungen und ein klares Ziel.
Von Ayhan Güneş, 17.22 Uhr
Freiberg am Neckar. Im Fußball hält sich eine Erfahrung hartnäckig: Das zweite Jahr ist oft schwieriger als das erste. Die Gegner kennen die Mannschaft inzwischen, auf den Bonus des unbekannten Außenseiters kann der SGV Heilbronn-Freiberg nicht mehr setzen.
In seiner ersten Saison in der DFB-Nachwuchsliga hatte der damalige SGV Freiberg für Aufsehen gesorgt. Trotz begrenzter infrastruktureller Möglichkeiten hielt die U19 gegen etablierte Nachwuchsleistungszentren mit, setzte selbst Akzente und sicherte sich den Verbleib in der Liga.
Nun beginnt die zweite Saison. Und sportlich fängt vieles wieder bei null an.
Am Samstag um 14 Uhr startet der SGV im Wasenstadion in die neue Spielzeit. Der erste Gegner könnte prominenter kaum sein: der FC Bayern München.
Trainer Ihsan Başaran macht im Gespräch mit Ludwigsburg24 deutlich, dass die vergangene Saison für die kommenden Wochen nur bedingt als Maßstab taugt. Zu groß ist der personelle Umbruch.
28 Spieler sind neu zum Kader gestoßen. Drei kommen aus der eigenen U17, vier aus der U18. Insgesamt umfasst das Aufgebot derzeit 36 Spieler. Gleichzeitig mussten zahlreiche Akteure der vergangenen Mannschaft die U19 altersbedingt verlassen.
Trainer Başaran: „Im Grunde beginnt das Spiel wieder von vorne“
Auch im vergangenen Jahr habe es Zeit gebraucht, bis aus vielen Einzelspielern eine Mannschaft geworden sei, die gegen namhafte Nachwuchsleistungszentren bestehen konnte.
„Die Mannschaft der vergangenen Saison ist erst mit der Zeit zu etwas Besonderem geworden. Auch dieses Team wird diese Zeit brauchen.“
Potenzial sieht Başaran reichlich. Spieler mit Erfahrung aus Nachwuchsleistungszentren treffen auf Talente aus dem eigenen Nachwuchs. Entscheidend wird sein, wie schnell sich die vielen Neuen finden.
28 Neue und wenig Zeit
Viel Anlaufzeit bleibt nicht. Der nahezu komplett neu zusammengestellte Kader muss sich unter Wettkampfbedingungen einspielen und gleichzeitig an das Niveau der Nachwuchsliga gewöhnen.
Anders als noch in der vergangenen Saison weiß die Konkurrenz inzwischen, was sie in Freiberg erwartet. Der SGV hat gezeigt, dass er auch etablierten Nachwuchsleistungszentren Probleme bereiten kann.
FC Bayern kommt mit Wettkampfpraxis nach Freiberg
Ausgerechnet zum Saisonstart kommt der FC Bayern nach Freiberg.
Während der SGV sein erstes Saisonspiel bestreitet, haben die Münchner bereits Wettkampfpraxis gesammelt. Bayern gewann zum Auftakt gegen Unterhaching. Başaran sah dabei eine Mannschaft, deren Abläufe schon weit entwickelt seien und die aus seiner Sicht unter Bedingungen trainiere und spiele, die stark an den Profibereich heranreichen.
Gemeinsam mit dem VfB Stuttgart zählt er die Bayern zu den stärksten Mannschaften der Gruppe.
„Gegen den FC Bayern zu spielen, ist für jeden jungen Fußballer und auch Trainer etwas Besonderes“, sagt Başaran.
Wie wertvoll Spiele gegen Top-Nachwuchsleistungszentren sein können, habe bereits die Vorbereitungsniederlage gegen den VfL Wolfsburg gezeigt. Başaran beeindruckten dort vor allem die klaren Abläufe der jungen Wölfe. Seine Spieler sollen sehen, wie Mannschaften auf diesem Niveau arbeiten und wie konsequent Fehler bestraft werden.
Am Samstag geht es trotzdem um Punkte.
„Wer wären wir, wenn wir nicht an uns glauben würden?“, sagt Başaran. Und fügt hinzu: „Wir gehen in das Spiel, um drei Punkte zu holen.“
Respekt vor großen Namen ja. Ehrfurcht nein.
Die Entwicklung seiner Mannschaft verliert Başaran dabei nicht aus dem Blick.
„Die Mannschaft muss sich entwickeln, das ist für uns das Wichtigste“, sagt er.
Ein einzelnes Ergebnis soll deshalb nicht darüber entscheiden, wie weit das neue Team tatsächlich ist. Gerade gegen Gegner wie Bayern sollen die Spieler lernen, Entscheidungen schneller zu treffen und mit dem höheren Tempo umzugehen.
Drei Spiele innerhalb weniger Tage
Zeit zum Durchatmen bleibt nach dem Bayern-Spiel kaum. Innerhalb weniger Tage folgen die Begegnungen gegen den TSV 1860 München und Jahn Regensburg. Grund für den engen Spielplan ist die anschließende Länderspielpause.
Für Başaran und das Trainerteam wird damit früh die Belastungssteuerung wichtig. Der Kader mit 36 Spielern bietet Möglichkeiten. Gleichzeitig muss sich möglichst schnell eine Formation herausbilden, die auf dem Platz funktioniert.
Endlich Heimspiele im Wasenstadion
Während sportlich vieles neu beginnt, haben sich die Bedingungen rund um die Mannschaft verbessert.
In der vergangenen Saison musste die U19 ihre Heimspiele noch in Benningen austragen. Weil die erste Mannschaft ihre Spiele in dieser Saison im Heilbronner Frankenstadion bestreitet, darf die U19 nun im Wasenstadion in Freiberg spielen. Hinzu kommen ein eigener Trainingsrasen und Unterstützung aus dem Umfeld der ersten Mannschaft.
Auch das Trainerteam wurde verstärkt. Neben Noah Welter gehört inzwischen Ramon Gehrmann zum Stab. Der frühere Cheftrainer der Stuttgarter Kickers und der ersten Mannschaft des SGV Freiberg bringt zusätzliche Erfahrung mit.
Başaran schätzt an Gehrmann neben der fachlichen Qualität vor allem dessen Erfahrung und seine Art im Umgang mit der Mannschaft. Davon erhofft er sich auch neue Impulse für die spielerische Entwicklung.
Klassenerhalt bleibt das Ziel
Trotz besserer Bedingungen und der Erfahrungen aus dem ersten Jahr bleibt Başaran beim Saisonziel zurückhaltend.
„Der Klassenerhalt ist ganz klar unser Ziel. Je früher wir ihn erreichen, desto besser.“
Im vergangenen Jahr hat Freiberg gezeigt, dass der Verein auf diesem Niveau bestehen kann. Nun muss sich mit 28 neuen Spielern erst wieder eine Mannschaft finden.
Viel Zeit dafür gibt es nicht.
Am Samstag kommt der FC Bayern.


