409.000 Pflegekräfte in Kliniken: Rekordstand – doch Kritik an steigenden Kosten wächst

So viele Pflegekräfte wie nie arbeiten in deutschen Kliniken – doch der Zuwachs hat seinen Preis. Während die Branche von Attraktivität spricht, warnen Krankenkassen vor explodierenden Kosten. Der Pflegerat widerspricht deutlich.

Von Hendrik Paul – 07.27 Uhr 

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Berlin. Die Zahl der Pflegekräfte in deutschen Krankenhäusern ist weiter gestiegen und sorgt zugleich für eine zunehmende Debatte über Kosten und Effizienz im Gesundheitssystem. Im Jahr 2024 arbeiteten rund 409.000 Pflegekräfte in Vollzeitäquivalenten in Kliniken. Das geht aus Zahlen des Fachkräftemonitorings der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) hervor, über die das Nachrichtenportal „Politico“ berichtet.

Aus Sicht der Krankenhausgesellschaft ist die Entwicklung ein positives Signal. „Das Interesse an der Arbeit im Krankenhauswesen und an entsprechenden Ausbildungswegen ist hoch und zeigt die anhaltende Attraktivität des Gesundheitssektors“, sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, Henriette Neumeyer. Zugleich verwies sie auf Herausforderungen bei der Umsetzung von Personalvorgaben: „Eine bedarfsgerechte Personalbemessung wird grundsätzlich als wichtig anerkannt, stößt jedoch noch nicht überall auf Akzeptanz, da sie vielfach als zu starr und bürokratisch wahrgenommen wird und ihre Vorteile in den Krankenhäusern bislang nicht ausreichend zur Geltung kommen.“

Parallel steigen jedoch die Kosten deutlich. Laut Bundesgesundheitsministerium legten die Pflegepersonalkosten im Jahr 2025 um rund zwölf Prozent zu, die Gesamtkosten für Krankenhausbehandlungen stiegen um 9,6 Prozent.

Kritik kommt von den gesetzlichen Krankenkassen. „Jetzt reicht es. Wir erleben derzeit im Krankenhaussektor eine gefährliche Entkoppelung von ökonomischer Realität und politischer Rhetorik“, sagte Johannes Wolff, Abteilungsleiter Krankenhäuser beim GKV-Spitzenverband. „Während das Wirtschaftswachstum stagniert, driften die Gesundheitsausgaben ungebremst nach oben. Der zentrale Treiber dieser Entwicklung ist das (Pflege)personal, das sich zum Ausgabentreiber entwickelt hat.“ Es gebe einen historischen Höchststand an Beschäftigten. „Doch dieser massive Personalaufbau führt paradoxerweise nicht zu einer effizienteren Versorgung.“ Man finanziere „immer mehr Personal für immer weniger Patienten“.

Der Deutsche Pflegerat weist diese Kritik entschieden zurück und verweist auf strukturelle Versäumnisse der Vergangenheit. „Der Personalaufbau ist kein Beleg für Entwarnung, sondern für einen lange ignorierten Mangel“, sagte Präsidentin Christine Vogler. In den frühen 2000er Jahren seien mehr als 50.000 Stellen abgebaut worden, was nun „mühsam korrigiert“ werde.