
Der Landkreis Ludwigsburg steht finanziell weiter unter Druck. Trotz millionenschwerer Sparmaßnahmen fordert Landrat Dietmar Allgaier zum bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“ eine grundlegende Neuordnung der kommunalen Finanzierung. Besonders Pflichtaufgaben und Klinikverluste belasten den Kreishaushalt.
Von der Redaktion – 20.48 Uhr
Ludwigsburg. Die Finanzkrise der Kommunen ist im Landkreis Ludwigsburg längst kein abstraktes Thema mehr. Sie entscheidet darüber, was vor Ort noch möglich ist: bei Schulen, Straßen, Kliniken, Nahverkehr, Jugend, Kultur und sozialer Infrastruktur. Zum bundesweiten Aktionstag „Kommunen am Limit“ am 22. Juni beteiligt sich deshalb auch der Landkreis Ludwigsburg.
Landrat Dietmar Allgaier sieht die Kommunen an einem Punkt, an dem reine Sparrunden nicht mehr ausreichen. „Die Kommunen sind am Limit – und vielerorts bereits darüber hinaus. Was wir erleben, ist keine vorübergehende Haushaltskrise, sondern eine strukturelle Unterfinanzierung, die unsere Handlungsfähigkeit zunehmend einschränkt“, sagt Allgaier.
Seine zentrale Forderung an Bund und Land lautet: „Wer bestellt, muss auch bezahlen.“
43,5 Millionen Euro gespart, neue Lücke für 2027
Der Landkreis verweist auf bereits umgesetzte Sparmaßnahmen. Mit dem Projekt (Re-)Set 2026 wurden nach Angaben der Kreisverwaltung für den Haushalt 2026 rund 43,5 Millionen Euro erzielt. Investitionen wurden priorisiert, Vorhaben verschoben und Verwaltungsabläufe überprüft.
Doch die nächste Lücke ist bereits absehbar. Für den Haushalt 2027 sollen weitere Einsparungen und Effizienzsteigerungen von rund 24 Millionen Euro erreicht werden. Ziel ist es, die Kreisumlage stabil bei 33 Prozentpunkten zu halten.
Kliniken werden zur zusätzlichen Belastung
Besonders schwer trifft den Landkreis auch die Lage der Krankenhäuser. Als Mitgesellschafter der RKH Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim musste der Kreis zuletzt rund 48 Millionen Euro zum Ausgleich von Klinikverlusten aufbringen.
Allgaier warnt, zusätzliche Defizite ließen sich nicht dauerhaft ausgleichen, ohne an anderer Stelle spürbare Einschnitte vorzunehmen. Nach Angaben des Landratsamts schreiben inzwischen rund 73 Prozent der Krankenhäuser in Baden-Württemberg rote Zahlen.
Der Landkreis fordert deshalb eine auskömmliche Finanzierung aller übertragenen Pflichtaufgaben, weniger Bürokratie und eine konsequente Anwendung des Grundsatzes: Wer zusätzliche Aufgaben oder höhere Standards beschließt, muss sie auch vollständig bezahlen.
Für Allgaier geht es dabei nicht nur um Haushaltszahlen. „Handlungsfähige Kommunen sind das Fundament eines funktionierenden Staates. Deshalb ist jetzt entschlossenes Handeln auf Bundes- und Landesebene erforderlich.“

