
Rund 58.500 Menschen im Kreis Ludwigsburg arbeiten in Teilzeit – vier von fünf davon sind Frauen. Die Gewerkschaft NGG Stuttgart warnt vor politischen Vorstößen, die Beschäftigte stärker in Vollzeit drängen wollen. Ohne bessere Kinderbetreuung und Pflegeinfrastruktur gehe das an der Lebensrealität vieler Familien vorbei, so die Kritik.
Von Ayhan Günes – 11.59 Uhr
Ludwigsburg. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Stuttgart fordert die CDU im Landkreis Ludwigsburg auf, sich beim bevorstehenden Parteitag Ende Februar klar gegen eine Reform der Teilzeitbeschäftigung zu positionieren, die Menschen zu mehr Vollzeitarbeit drängen würde.
Hintergrund ist ein Antrag des Wirtschaftsflügels der CDU, wonach Teilzeitbeschäftigte, die staatliche Leistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, künftig stärker zu Vollzeit verpflichtet werden sollen. Die NGG hält das für sozialpolitisch falsch.
„Einen Teilzeitjob zu machen ist keine Lust-und-Laune-Entscheidung. Denn wer nicht Vollzeit arbeitet, hat heute schon weniger Geld auf dem Konto und später weniger Rente“, sagte Magdalena Krüger, Geschäftsführerin der NGG Stuttgart. Teilzeitarbeit sei oft die einzige Möglichkeit, Familie, Kinderbetreuung oder Pflege mit dem Beruf zu vereinbaren.
Laut NGG, die sich auf Daten der Arbeitsagentur stützt, arbeiten im Landkreis Ludwigsburg rund 58.500 Menschen in Teilzeit, davon 80 Prozent Frauen. Der Anteil von Frauen in Vollzeitbeschäftigung liegt dagegen bei nur 31 Prozent.
Krüger warnt, dass Druck auf Teilzeitkräfte ohne Ausbau der Infrastruktur ins Leere laufe: „Solange es nicht mehr Kitaplätze gibt, wird es nicht funktionieren, mehr Menschen in Vollzeit zu bringen.“ Auch in der Pflege fehle es an Unterstützung, um Angehörige entlasten zu können.
Zwar erkenne man an, dass die CDU mittlerweile zumindest auf die Betreuungs- und Pflegeproblematik eingehe, doch bleibe der Ansatz laut NGG „sozial unausgewogen“.
Die NGG Stuttgart warnt Arbeitgeber im Kreis Ludwigsburg davor, ihre Beschäftigten – und hier vor allem auch Frauen – „in Teilzeit zu drängen“: „Gerade die Rückkehr von Teilzeit auf Vollzeit ist für Beschäftigte oft schwierig. Hierbei kann die Möglichkeit einer sogenannten Brückenteilzeit weiterhelfen. Es darf nämlich nicht darum gehen, dem Betrieb mit einem ‚Teilzeit-Kompromiss‘ entgegenzukommen, wenn man lieber Vollzeit arbeiten möchte“, sagt NGG-Geschäftsführerin Krüger.



