
Die Zahl hat eine besondere Signalwirkung: Erstmals seit längerer Zeit sind in Deutschland wieder mehr als drei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Der saisonale Anstieg im Sommer erklärt einen Teil der Entwicklung. Die Bundesagentur für Arbeit sieht jedoch auch jenseits dieses Effekts keine Entspannung.
Von Lea Brandt -10.38 Uhr
Nürnberg/Stuttgart. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juli deutschlandweit um 71.000 auf 3,007 Millionen gestiegen. Das teilte die Bundesagentur für Arbeit am Freitag mit. Gegenüber Juli 2025 waren 28.000 Menschen mehr ohne Beschäftigung. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 6,2 auf 6,4 Prozent.
Auch nach Herausrechnung der üblichen jahreszeitlichen Schwankungen nahm die Arbeitslosigkeit zu. Saisonbereinigt waren 6.000 Menschen mehr arbeitslos als im Juni.
Baden-Württemberg überschreitet Marke von 300.000
Auch im Südwesten ging die Zahl nach oben. Im Juli waren in Baden-Württemberg 300.348 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 1,4 Prozent mehr als im Juni und 2,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote blieb dennoch bei 4,6 Prozent.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei den unter 25-Jährigen. Ihre Zahl stieg gegenüber Juni um 8,9 Prozent auf 27.017. Die Jugendarbeitslosenquote erhöhte sich auf 3,9 Prozent.
Ein Teil dieses Anstiegs ist saisonüblich: Im Sommer enden viele Ausbildungen, schulische Bildungsgänge und befristete Beschäftigungen. Nicht alle jungen Menschen finden unmittelbar eine Anschlussstelle.
Die Regionaldirektion weist jedoch darauf hin, dass die Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr bereits das vierte Jahr in Folge gestiegen ist.
Weniger Ausbildungsstellen gemeldet
Auch der Ausbildungsmarkt liefert Warnsignale. Deutschlandweit meldeten sich seit Oktober 2025 rund 418.000 Bewerberinnen und Bewerber bei Arbeitsagenturen und Jobcentern. 147.000 von ihnen hatten bis Juli weder eine Ausbildungsstelle noch eine andere Alternative gefunden.
Gleichzeitig waren noch 162.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Insgesamt wurden 437.000 Stellen gemeldet, 35.000 weniger als ein Jahr zuvor.
In Baden-Württemberg ging das Angebot an betrieblichen Ausbildungsstellen um rund zehn Prozent zurück. Besonders deutlich fiel das Minus im Handel mit mehr als 25 Prozent aus. In der Industrie wurden über zehn Prozent weniger Ausbildungsplätze gemeldet.
Martina Musati, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion, bezeichnete diese Entwicklung als Warnsignal. Betriebe müssten ihre Ausbildungsbereitschaft aufrechterhalten, damit sich der Fachkräftemangel der kommenden Jahre nicht weiter verschärfe.
Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt schwach
Im Juli waren bundesweit 653.000 offene Arbeitsstellen bei der Bundesagentur gemeldet. Trotz dieses Bestands bewertet die Behörde die Nachfrage nach Arbeitskräften weiterhin als vergleichsweise schwach.


