
Die Luft in Ludwigsburg wird stellenweise wieder dicker: Mit 39 Mikrogramm NO₂ pro Kubikmeter weist die Schlossstraße landesweit den höchsten Wert auf – und liegt nur knapp unter dem geltenden Grenzwert. Ursache sind austauscharme Wetterlagen und ein anhaltend hohes Verkehrsaufkommen. Das Land will nun gegensteuern und sieht in Ludwigsburg eine Modellstadt für digitale Lösungen, intelligente Verkehrslenkung und klimafreundliche Mobilität. Ab 2030 gelten zudem europaweit deutlich strengere Grenzwerte.
Ludwigsburg – Die Luftmesswerte im ersten Halbjahr 2025 sind in vielen Städten Baden-Württembergs spürbar gestiegen. Auch Ludwigsburg ist betroffen: Mit 39 Mikrogramm NO₂ je Kubikmeter Luft in der Schlossstraße liegt der Wert nur knapp unter dem geltenden Grenzwert von 40 µg/m³. Ursache waren mehrere austauscharme Wetterlagen im Februar und März, wie das Verkehrsministerium am Samstag bekannt gab.
Verkehrsminister Winfried Hermann warnte eindringlich: „Die höheren Werte sind eine schlechte Nachricht für Menschen mit Asthma, hohem Blutdruck oder anderen Vorerkrankungen. Vor allem Kinder und ältere Menschen bekommen das zu spüren. Die Messwerte stärken unsere vorsorgende Politik: Nur mit wirksamen Maßnahmen wie die schnellere Elektrifizierung des Verkehrs können wir vermeiden, dass die Grenzwerte wieder gerissen werden.“
Rückschritt auf hohem Niveau
An verkehrsnahen Messstellen wie in Stuttgart, Pforzheim und Ludwigsburg lagen die NO₂-Werte laut Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) deutlich höher als in den Vorjahren. Dr. Ulrich Maurer, Präsident der LUBW, dazu: „An Messstellen mit hohem Verkehrsaufkommen in Stuttgart, Pforzheim und Ludwigsburg sind die gemessenen Werte für Stickstoffdioxid im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Sie liegen nun nur knapp unter dem aktuellen Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das zeigt: Trotz der Fortschritte bei der Luftreinhaltung in den vergangenen Jahren kann es wieder zu Verschlechterungen kommen – in diesem Fall verursacht durch eine lange windarme und trockene Wetterperiode. Vor dem Hintergrund des Klimawandels müssen wir diese Entwicklung aufmerksam verfolgen.“
Die höchsten Messwerte in Baden-Württemberg:
• Ludwigsburg Schlossstraße: 39 µg/m³
• Stuttgart Am Neckartor: 36 µg/m³
• Pforzheim Luisenstraße: 35 µg/m³
Blick auf Ludwigsburg: Modellstadt für neue Lösungen
Trotz der gestiegenen Belastung sieht das Land Ludwigsburg nicht nur als Problemzone, sondern auch als Vorreiter für Lösungen.
„Die Stadt Ludwigsburg geht mit dem ‚Modellprojekt Luftreinhaltung B 27‘ voran, um beispielsweise mehr Platz für umweltfreundlichen Verkehr zu schaffen und eine Steuerung des Autoverkehrs an der Bundesstraße B 27 zu modellieren“. Erste Maßnahmen sollen laut Ministerium sollen 2026 versuchsweise umgesetzt werden, etwa durch intelligente Verkehrslenkung und neue Radwege.
Gleichzeitig wird auf digitale Lösungen gesetzt. Schon jetzt nimmt der Autoverkehr auf der B 27 ab – minus 18 Prozent seit 2020. In Stuttgart am Neckartor betrug der Rückgang seit 2013 sogar 25 Prozent, so die Zahlen des Landes.
EU verschärft Grenzwerte – Maßnahmen rücken näher
Ab 2030 gelten EU-weit strengere Luftgrenzwerte: Der Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid sinkt von 40 auf 20 µg/m³, auch bei Feinstaub PM10 und PM2,5 werden die Grenzwerte halbiert. Bereits ab 2027 müssen Städte bei einer Überschreitung im Jahr 2026 konkrete Luftreinhaltefahrpläne vorlegen.
Verkehrsminister Hermann machte klar: „Damit wir die Luftschadstoffgrenzwerte dann auch wirklich einhalten können, wollen wir mit den Kommunen die nachhaltige Mobilität jetzt vorantreiben: den sauberen ÖPNV stärken, die Elektromobilität ausbauen und den Radverkehr verbessern.“
red


