
Bietigheim-Bissingen – Rund 250 Beschäftigte der Großbäckerei Lieken treten am Montag (28. Juli) in den 24-Stunden-Warnstreik. Dazu hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Region Stuttgart, im Rahmen der laufenden Tarifrunde aufgerufen. Es ist die zweite Streikwelle innerhalb weniger Wochen – und die deutlichste bisher.
„Brotstreik“ nennen es die Organisatoren – ein Begriff, der sitzt. Denn der Protest richtet sich gegen ein aus Sicht der Gewerkschaft unzureichendes Angebot der Arbeitgeber in der Brot- und Backwarenindustrie Baden-Württembergs und Hessens. Beim dritten Verhandlungstermin hatten die Unternehmen zuletzt 2,8 Prozent mehr Lohn ab September 2025 und weitere 2,3 Prozent ab Oktober 2026 angeboten – verteilt auf zwei Jahre.
„Nicht mit uns! Wir lassen uns nicht mit Krümeln abspeisen“, sagt NGG-Geschäftsführerin Magdalena Krüger. Der Ton ist kämpferisch. „Angesichts des hohen Preisniveaus, des Fachkräftemangels und des gestiegenen Arbeitsdrucks brauchen die Kolleginnen und Kollegen ein deutlich spürbares Plus im Geldbeutel.“ Die Forderung der NGG: 6,5 Prozent mehr Lohn, 100 Euro mehr für Azubis – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem soll die tarifliche Übernahmeregelung nach erfolgreicher Ausbildung erhalten bleiben.
Druck im Ofen – nicht nur auf dem Band
Lieken gehört zu den größten Herstellern von Brot und Backwaren in Deutschland. Der Standort in Bietigheim-Bissingen produziert täglich Tonnen an Backwaren für den Einzelhandel. Doch unter der Oberfläche brodelt es – auch, weil die Arbeit als körperlich fordernd gilt und der Personaldruck stetig steigt.
„Der Streik ist ein Warnsignal“, betont Krüger. Die Arbeitgeberseite solle sich bei den nächsten Gesprächen am 29. Juli „ernsthaft bewegen“. Sonst sei nicht ausgeschlossen, dass es zu weiteren Arbeitsniederlegungen komme – mit potenziellen Auswirkungen auf die Produktion.
Ein Konflikt mit Signalwirkung
Die Tarifverträge für Baden-Württemberg und Hessen wurden bereits zum 28. Februar 2025 gekündigt. Zum Tarifgebiet gehören neben Lieken in Bietigheim auch der Standort in Crailsheim sowie Werke in Hessen.
Mit dem nun angekündigten Streik wächst der Druck – nicht nur auf die Arbeitgeber, sondern auch auf die Politik. Denn der Streit bei Lieken steht exemplarisch für die Frage, wie wertvoll Arbeit im Lebensmittelbereich heute noch ist – und wer am Ende davon satt wird.

