Der Sport braucht eine Öffnungsperspektive – Ein Gastbeitrag von Jochen Eisele

Von Gastautor Jochen Eisele – Erster Vorsitzender des MTV Ludwigsburg

Seit über einem Jahr kann der MTV Ludwigsburg nicht mehr sein reguläres Sportangebot mit wöchentlich rund 10.000 Teilnehmern anbieten. Nicht einfacher macht es dabei der ständige Wechsel zwischen komplettem Lockdown, teilweisem Lockdown und die Auslegung der unterschiedlichen Verordnungen.

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Positiv ist, dass sich durch die staatlichen Hilfen der finanzielle Schaden bis jetzt in Grenzen hält und dies, obwohl die Stadt Ludwigsburg bei den Vereinen die Zuschüsse gekürzt hat. Negativ ist jedoch der große strukturelle Schaden, den die Sportvereine erleiden. Bis Januar 2022 wird der MTV Ludwigsburg als Großverein ca. 1.500 Mitglieder verlieren. Dazu beenden momentan viele Trainer/innen und Helfer/innen, die den Verein seit vielen Jahren unterstützten,  ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Es bleibt abzuwarten, ob wir diese Menschen nach Beendigung der Pandemie wieder für unseren Sportverein zurückgewinnen können.

Seit November 2020 sind die Sportstätten nun wieder, mit einer dreiwöchigen Unterbrechung im März 2021, geschlossen. Um seine 6.500 Mitglieder trotzdem zu bewegen, bietet der MTV Ludwigsburg momentan über 80 Online-Videos aus den Bereichen Fitness und Gesundheit sowie wöchentlich rund 25 Stunden Online-Livetraining für Jung und Alt sowie verschiedene Fitnesslevel an. Bewusst haben wir uns dazu entschieden, dieses Angebot nicht nur für die Mitglieder, sondern für alle sportbegeisterten Ludwigsburger kostenfrei anzubieten. Denn Sport ist für alle Menschen extrem wichtig!

Trotzdem erreichen wir nicht alle Mitglieder und Bürger, vor allem Kinder und Senioren sind bei solchen Angeboten teilweise ausgeschlossen.

Die Schließung des Sports hat sich jetzt schon zu einem gesundheitlichen Risiko entwickelt. Kinderärzte klagen über einen starken Anstieg von psychischen Erkrankungen und zunehmend adipösen Kindern. Seniorenverbände berichten zudem über eine Vereinsamung der Menschen. Die Physiopraxen stellen einen starken Anstieg von Wirbelsäulenprobleme von Erwachsenen fest, die zwischen Homeoffice-Arbeitsplatz und Wohnzimmer-Couch pendeln.

Ein wichtiger Aspekt, der zur Zeit von der Politik nicht beachtet wird, ist, dass der organisierte Sport die Gesundheit der Menschen aufbaut, erhält und stärkt. Eine Stärke, die jeder Bürger bei einem Infekt dringend benötigt.

Damit der MTV Ludwigsburg schnellstmöglich diese wichtige Aufgabe weiter ausüben darf, haben und werden wir alles Erdenkliche unternehmen.

Schon in der ersten Phase im März 2020 erstellte der MTV für alle Bereiche Hygienekonzepte: die Teilnehmeranzahl wurde reduziert, alle Hallen mit Hygieneartikel und Lüftungsanlagen ausgestattet und für jedes Training gab es Teilnehmerlisten für eine eventuelle Nachverfolgung. Trotz über 1000 Teilnehmern täglich hatte der MTV von Juni bis Oktober keinen einzigen positiven Fall, der auf den Sport zurückzuführen war.

Aktuell planen wir mit der Luca-App die Nachverfolgung weiter zu vereinfachen, um die Gesundheitsämter zu entlasten. Zudem sind wir mit der Stadt und dem Landratsamt in Gesprächen, ob ein Testzentrum beim MTV eingerichtet werden kann.

Es ist nun an der Zeit, die reflexhafte Schließung kompletter Bereiche wie dem Sport zu überdenken. Mit unserem erweiterten Öffnungskonzept für den Sport wollen wir dazu beitragen, dass die Menschen möglichst bald wieder in einem kontrollierten Umfeld sicheren Sport ausüben können.

„4 Gründe gegen Fahrverbote in Ludwigsburg“ – Gastbeitrag von Oliver Martin

Ein Gastbeitrag von Oliver Martin

Im Zusammenhang mit wiederkehrenden Grenzwertüberschreitungen in Städten und Klagen vor Gerichten kommen immer wieder Fahrverbote, auch für Ludwigsburg, ins Gespräch.

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Warum ich Fahrverbote generell für keine gute Lösung halte?

Fahrverbote sind die vermeintlich einfache Lösung, weil sie weder Kreativität noch besonderes Engagement der Handelnden verlangen.
Aber Fahrverbote haben nur eine geringe Akzeptanz in der Bevölkerung. Fehlendes Verständnis für Maßnahmen führt regelmäßig dazu, sein eigenes Verhalten nicht zu überdenken und schon gar nicht zu verändern.
Denken Sie nur an die Akzeptanz von Verboten die Firmen Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber aussprechen oder Eltern gegenüber Ihren Kindern.
Aufklären, Verständnis gewinnen, die Menschen mitnehmen – das muss der Anspruch guter Erziehung und guter Politik gleichermaßen sein. Damit erreicht man Ziele nachhaltig und gewinnt die Bereitschaft der Menschen umzudenken und mitzumachen.

Ganz konkret sehe ich die folgenden Gegebenheiten, die sich nicht ignorieren lassen:

1. Wir Menschen haben ein Mobilitätsbedürfnis

Auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkauf, oder privat in der Freizeit.
Wir Menschen wollen mobil sein. Dafür wählen wir das für uns passende Mobilitätsangebot aus.
Da jede(r) von uns andere persönliche Voraussetzungen mitbringt und unterschiedliche Anforderungen an die eigene Mobilität hat, gibt es nicht „die eine“ Mobilitätslösung für alle.
Jemand der auf das Auto angewiesen ist oder dieses aus bequemlichkeitsgründen bevorzugt, wird sich für eine Autofahrt entscheiden. Liegt auf der geplanten Fahrtstrecke ein Fahrverbot, wird nicht etwa weniger gefahren oder ein anderes Verkehrsmittel genutzt, sondern eher ein Umweg in Kauf genommen, um das Gebiet des Fahrverbotes zu umfahren. Im Ergebnis verschlechtern wir hierdurch die Ökobilanz der Fahrt und verlagern den Verkehr weg von Durchgangsstraßen hin zu Nebenstrecken oder gar in Wohngebiete.

2. Fahrverbote lassen sich nicht kontrollieren

Es gibt nach wie vor kein schlüssiges Konzept, wie ein ausgesprochenes Fahrverbot auch tatsächlich überwacht werden könnte. Was nutzt also ein Fahrverbot, wenn keine geeignete und verhältnismäßige Kontrollmöglichkeit gegeben ist. Eine lückenlose, womöglich automatisierter Verkehrsüberwachung erachte ich als völlig unangemessen. Datenschutz und Persönlichkeitsrechte wären hierdurch viel zu stark eingeschränkt.

3. Fahrverbote sind unsozial

Nicht die Fahrerinnen und Fahrer neuer, meist großer und teurer Autos sind von Fahrverboten betroffen, sondern gerade diejenigen, die auf günstigere, ältere Fahrzeuge zurückgreifen müssen.
Wollen wir damit eine Zwei-Klassen-Mobilitätsgesellschaft schaffen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft insgesamt weiter schwächen? – Ich möchte das nicht!

4. Fahrverbote behindern moderne Verkehrskonzepte

Ist ein Fahrverbot erst einmal wirksam und werden die geforderten Grenzwerte dauerhaft unterschritten, so sinkt der Ansporn, sich konkret mit intelligenten Verkehrskonzepten zu beschäftigen.
Der Ausbau der ÖPNV kommt ins Stocken und Anstrengungen für moderne, zukunftsweisende Verkehrsleitsysteme werden erst gar nicht unternommen.
Schon heute könnten wir durch intelligentere Ampelschaltungen einen deutlich besseren Verkehrsfluss mit entsprechend weniger „Stop and Go“ und weniger Abgasen erreichen. Gleiches gilt für Baustellen an Hauptstraßen die über viele Monate zu Staus und damit zu einer unnötig erhöhten Umweltbelastung führen. Eine deutliche Verkürzung der Baumaßnahmen im Schichtbetrieb birgt hier ein enormes Potential.
Hier müssen wir ansetzen, wenn wir Nachhaltigkeit erreichen und Akzeptanz in der Bevölkerung gewinnen wollen.

Ich setze mich dafür ein, nicht die vermeintlich „einfache Lösung Fahrverbot“ zu wählen, sondern sich umgehend daran zu machen durch ein Bündel von intelligenten Maßnahmen eine kontinuierliche Verbesserung der Verkehrskonzepte zu erreichen. Das ist eine Aufgabe, die nie enden wird, weil sie sich immer wieder aufs Neue an die Menschen und an Ihre sich verändernden Mobilitätsanforderungen anpassen müssen wird.
Wir sollten trotzdem die Energie und den Mut aufbringen, noch heute damit zu starten.