
Mehr Sicherheit, bessere Sauberkeit und schnellere Reparaturen: Mit einem bundesweiten Sofortprogramm will die Deutsche Bahn das Image ihrer Bahnhöfe verbessern. Ab 2026 profitieren auch Standorte in Baden-Württemberg – die verkehrspolitische Sprecherin im Land begrüßt die Maßnahmen, verweist jedoch darauf, dass es vielerorts bereits vorgelegt hat.
Von Ayhan Güneş – 07.42 Uhr
Ludwigsburg/Berlin. Deutschlands Bahn – und vor allem ihre Bahnhöfe – stehen seit Jahren in der Kritik und genießen nicht den besten Ruf. Jetzt startet die Deutsche Bahn eine Charmeoffensive: Mit einem neuen Sofortprogramm für mehr Sicherheit und Sauberkeit will der Konzern seine Stationen sicht- und spürbar verbessern. Die bundesweite Aktion, die 2026 beginnt, richtet sich vor allem an stark frequentierte und besonders belastete Bahnhöfe. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder und Bahnvorständin Evelyn Palla gaben am Dienstag in Berlin den offiziellen Startschuss.
Das Ziel: Reisende sollen sich an Bahnhöfen wieder wohler fühlen – durch mehr Sicherheitskräfte, zusätzliche Reinigungen, schnellere Reparaturen und gezielte Modernisierungen.
Mehr Sicherheit durch Personal und Technik
Im Rahmen der Initiative investiert die Bahn in zusätzliches Sicherheitspersonal und modernere Überwachungssysteme. Deutschlandweit sind derzeit rund 11.000 Kameras an Bahnhöfen im Einsatz – diese Zahl soll deutlich steigen. Besonders stark betroffen sind Ballungsräume, darunter auch der Hauptbahnhof Mannheim, der als einer der ersten Standorte in Baden-Württemberg von den Maßnahmen profitiert.
Auch Baden-Württemberg profitiert
Neben Mannheim werden auch die Bahnhöfe Reutlingen und Schwäbisch Gmünd in das Sofortprogramm aufgenommen. Dort sollen mehr Streifenpersonal, eine engere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und eine intensivere Stationsreinigung für spürbare Verbesserungen sorgen.
1.400 Bahnhöfe beim Frühjahrsputz
Ein weiterer Bestandteil des Programms ist eine großangelegte Reinigungsoffensive. 2026 erhalten doppelt so viele Bahnhöfe wie im Vorjahr einen sogenannten Frühjahrsputz – insgesamt 1.400 Stationen bundesweit, viele davon im ländlichen Raum. In Baden-Württemberg werden unter anderem Reutlingen und Schwäbisch Gmünd besonders intensiv gereinigt.
Dabei werden Bahnsteige, Treppen, Aufzugsschächte und Wartebereiche grundgereinigt, Kaugummis und Graffiti entfernt und Glasflächen auf Hochglanz gebracht. Die Bahn arbeitet dabei eng mit Städten, Gemeinden und Bahnhofsbetreibern zusammen.
Signal für den Südwesten
Für Baden-Württemberg ist das Programm ein wichtiges Signal. Das Land verfügt über rund 700 Bahnhöfe und Haltepunkte im Schienenpersonennah- und -fernverkehr – viele davon mit erheblichem Sanierungs- und Reinigungsbedarf. Der Südwesten gilt als einer der zentralen Verkehrskorridore Deutschlands, zugleich aber auch als Region mit überdurchschnittlicher Pendlerdichte und wachsendem Modernisierungsdruck.
Reaktion aus dem Landtag
Die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Silke Gericke, begrüßt auf Nachfrage von Ludwigsburg24 das Programm, verweist jedoch auf die bereits bestehenden Maßnahmen des Landes:
„Der jetzt angekündigte Vorstoß der Deutschen Bahn kommt spät, ist aber zu begrüßen. Die Probleme an Bahnhöfen sind seit Jahren bekannt, auch in Baden-Württemberg. Die Landesregierung hat deutlich früher reagiert und bereits Maßnahmen etabliert, um Sicherheit und Ordnung zu stärken: mehr Polizeipräsenz, gemeinsame Kontrollen mit der Bundespolizei, Videoüberwachung, Präventionsarbeit, Waffen- und Messerverbotszonen sowie technische Notrufsysteme. Damit wurde früh anerkannt, dass Bahnhöfe Orte sind, an denen staatliche Präsenz sichtbar sein muss.
Das Sofortprogramm der Bahn greift diese Realität nun auf, allerdings mit Verzögerung und aus betrieblicher Perspektive. Mehr Reinigung, schnelleres Beheben von Schäden, zusätzliches Personal und bessere Überwachung sind richtige Schritte. Sie machen aber zugleich deutlich, dass der Handlungsbedarf längst da war und vom Land bereits adressiert wurde. Die Bahn zieht jetzt nach.“
Hintergrund
Das Sofortprogramm der Deutschen Bahn ist Teil der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“, die der Bund gemeinsam mit der Bahn im Herbst 2025 vorgestellt hat. Neben baulichen Maßnahmen an Gleisen und Strecken soll nun vor allem das Erlebnis im Bahnhof verbessert werden – ein Bereich, der in den vergangenen Jahren vielfach in der Kritik stand.



