„Die Politik hat an Vertrauen verloren“ – Im Gespräch mit Landrat Dietmar Allgaier

Als Dietmar Allgaier vor zwei Jahren als neuer Chef im Landratsamt antrat, war er voller Elan und sprühte vor Ideen für das neue Amt. Damals ahnte er jedoch noch nicht, dass ein unbekannter Virus nicht nur sein eigenes berufliches Wirken, sondern unser aller Leben massiv beeinflussen würde. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie zieht der 56-jährige Kornwestheimer Bilanz und wagt einen vorsichtigen Ausblick in die Zukunft.

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Ein Interview von Ayhan Güneş und Patricia Leßnerkraus

LUDWIGSBURG24: Herr Allgaier, inzwischen sind zwei Jahre seit Ihrem Amtsantritt vergangen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Dietmar Allgaier: Mir ist es so vorgekommen, als wäre die Zeit im Nu verflogen. Das liegt daran, dass im März 2020 plötzlich alles im Krisenmodus versank und das gewohnte politische Alltagsleben gar nicht mehr stattgefunden hat. Heute frage ich mich tatsächlich, wo die Zeit geblieben ist.

Sie haben die Amtsgeschäfte im Januar 2020 mit großer Lust und Freude aufgenommen. Was ist davon übriggeblieben?

Natürlich habe ich noch immer sehr viel Freude an dem Amt, zumal der Landkreis zukünftig nicht nur strategisch vor großen, durchaus positiven Herausforderungen steht. Aber ich gebe zu, dass meine ursprünglichen Vorstellungen von meiner Arbeit ganz andere waren. Die Position des Landrats lebt doch schließlich auch davon rauszugehen zu den Menschen, alle Städte und Gemeinden des Landkreises zu besuchen und kennenzulernen, ebenso alle wichtigen Institutionen aufzusuchen, bei Veranstaltungen präsent zu sein. Das alles hat sich wegen Corona gar nicht entwickeln können.

Sie sagten einmal, dass das Amt des Landrats auch deshalb gut zu Ihnen passt, weil Sie ein sehr kontaktfreudiger Mensch sind. Wie gleichen Sie diese durch Corona fehlenden sozialen Kontakte aus?

Natürlich fehlen mir die Kontakte zu den Menschen, aber da geht es mir nicht anders als vielen in unserer Gesellschaft. Das Aufeinandertreffen, die Gespräche, der Austausch bei einem gemütlichen Gläschen Wein, all das fehlt total. Aber ich möchte zugleich nicht verhehlen, dass ich gerade aufgrund dieses Mankos die Strukturen und Prozesse im Landratsamt viel schneller erfassen konnte. Dadurch, dass wir ab März 2020 quasi in den Krisenmodus verfallen sind und fast ausschließlich Krisenmanagement erforderlich war, habe ich natürlich die Mitarbeiter*innen im Haus an unterschiedlichsten Stellen viel schneller kennengelernt als das zu normalen Zeiten der Fall gewesen wäre.

Familiär war das auch nicht einfach. Meine Schwiegereltern und auch meine Mutter sind achtzig und älter. Bis zu den Impfungen war jeder persönliche Kontakt sehr schwierig, weshalb wir uns dann alle gemeinsam sonntagabends virtuell zusammengefunden haben, aber das ersetzt ja den richtigen Kontakt nicht.

Haben Sie während Corona etwas Positives für sich entdecken können?

Ja, das habe ich tatsächlich. Zu den Aufgaben eines Landrats, Oberbürgermeisters oder Bürgermeisters gehören viele Abend- sowie Wochenendtermine, die plötzlich alle entfallen waren. Gut, anfangs war ich wegen des Krisenmanagements viel und lange im Landratsamt, auch am Wochenende, da unser Gesundheitsamt sowie unser Bevölkerungs- und Katastrophenschutz sieben Tage die Woche ununterbrochen im Einsatz waren. Trotzdem blieb mir in den letzten zwei Jahren viel mehr Zeit mit meiner Familie, die wir intensiv und mit Spaziergängen oder Fahrradtouren verbracht haben.

Ihre ältere Tochter war 2020 als Au-pair in Amerika. Wie ging es Ihnen damit als Vater?

In mir war schon die große Sorge, dass ich nicht einfach zu ihr fliegen kann, um sie zu unterstützen oder zu helfen, falls irgendetwas sein sollte. Wir haben uns aber regelmäßig digital ausgetauscht. Sie blieb während der gesamten Pandemie dort und zum Glück ging alles gut. Inzwischen ist sie wieder zurück in Deutschland und studiert in Frankfurt.

Was haben Sie – außer den sozialen Kontakten – während der Pandemie am meisten schmerzlich vermisst?

Ich möchte dies gerne mit einer Gegenfrage beantworten, die mich beschäftigt: Werden wir wieder zurück zur alten Normalität kommen oder werden wir in eine neue Normalität gehen nach dem Ende der Pandemie?

Was wäre für Sie die neue Normalität?

Die Menschen haben sich während Corona ihre privaten Nischen gesucht und auch besetzt. Früher ist man gemeinsam zu Sport-Events, hat Kulturveranstaltungen oder Vereinsfeste besucht, ist ins Kino gegangen. Wir stellen jetzt fest, dass die Menschen noch immer ängstlich und zurückhaltend sind selbst bei den Möglichkeiten, die jetzt schon wieder gegeben sind. Viele haben sich ihr Leben neu ausgerichtet mit ihrem Zuhause, Garten, Terrasse oder Balkon und mit der Familie. Der Besuch einer Sportveranstaltung oder der Film im Kino wird kompensiert mit beispielsweise einem Sky-Abo. Der komplette Digitalbereich hat sich von heute auf morgen immens weiterentwickelt, deswegen glaube ich, dass vieles von all dem nach der Pandemie bleibt. Dazu gehören ebenso die Bereiche Homeoffice, Digital Learning, Video-Konferenzen, Zoom-Calls. Wobei ich immer noch ein Verfechter des persönlichen Austauschs bin bei bestimmten Thematiken. Aber manches kann man tatsächlich digital klären, was eine enorme Zeitersparnis in den Arbeitsabläufen bringt, ganz abgesehen von den Umweltbelastungen, die Autofahrten und Flüge für Vorort-Termine mit sich bringen.

Glauben Sie, dass die durch Corona entstandenen Umstrukturierungen in der Arbeitswelt ebenfalls zur neuen Normalität gehören werden?

Davon ist auszugehen und Homeoffice ist nur ein Teil davon. Viele Unternehmen haben bereits völlig neue Arbeitskonzepte entwickelt – von Desk-Sharing über Mehrfachbelegung von Arbeitsplätzen bis hin zur insgesamten Veränderung der Work-Life-Balance.

Werden Sie auch an den hier stattgefundenen Veränderungen festhalten?

Grundsätzlich ja, aber wir werden alles mit Maß übernehmen. Wenn es sich um Erstkontakte oder gar Vorstellungsgespräche handelt, werden wir mit Sicherheit wieder zum persönlichen Kontakt zurückkehren. Ich finde, sie sind nicht ersetzbar in digitaler Form. Man braucht dafür eine gewisse Atmosphäre und muss den Menschen kennenlernen. Auch schwierige Verhandlungen, wie beispielsweise in jüngster Zeit zum Thema Müll, führen sich einfach leichter, wenn man die betreffenden Gesprächspartner am Tisch hat und sich gegenseitig in die Augen schauen kann.

Hat sich durch Corona Ihr persönliches Wertesystem verschoben?

Mein persönliches Werteempfinden hat sich nicht wesentlich verschoben. Ich stelle eher mit einer gewissen Sorge fest, dass sich das Werteverständnis in unserer Gesellschaft insgesamt verschoben hat.

Inwiefern?

Ich sehe mit Sorgen die Entwicklung der Kleinsten durch die Pandemie, wenn man bedenkt, dass seit fast zwei Jahren Kinder entweder gar nicht oder nur digital beschult wurden und Kindergartengruppen geschlossen wurden mussten. Das alles nimmt schon Einfluss auf die Entwicklung. Ich fürchte auch, dass die Pandemie Vertrauen vor allem in die Politik verwirkt und mit zu einer gesellschaftlichen Spaltung geführt hat.

Bekommen Sie den Frust der Menschen zu spüren, die sich von der Politik nicht mehr mitgenommen fühlen oder gar nicht mehr erreicht werden?

Während Corona gab es auch viele kritische und auch unflätige Briefe, aber zum Glück waren sie nicht persönlich beleidigend. Es kamen aber ebenso viele sachliche Briefe von Menschen, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Wir haben versucht, diese Briefe immer zeitnah zu beantworten. Aber ich stimme zu, dass man die Menschen nicht mehr erreicht und stelle gleichzeitig mit Sorge fest, dass sie teils gar nicht mehr erreicht werden wollen. Bei den Themen, die sie persönlich berühren oder betreffen, klappt das noch, aber alle anderen Themen laufen ins Leere. Die Abonnements der Printmedien sind stark rückläufig, Kommunikation findet fast nur noch in den Sozialen Medien statt, wo oftmals die Grenze des gegenseitigen Respekts sehr niedrig ist. Eine Tastatur zu bedienen ist halt sehr viel leichter als dem Gegenüber etwas ins Gesicht zu sagen. Wir haben leider die Fürsorge, die wir früher füreinander hatten, verloren und das soziale Miteinander leidet.

Haben Sie Verständnis für Kolleg*innen in ähnlichen Positionen, die aufgrund des Hasses und der Wut aus der Bevölkerung von ihren Ämtern zurückgetreten sind?

Ich habe durchaus Verständnis für diese Kolleginnen und Kollegen, denn so etwas zehrt an einem, vor allem wenn auch der private Bereich und somit die Familie davon betroffen ist. Wir leben in einer Demokratie mit freier Meinungsäußerung, aber es gibt natürlich Grenzen. Der Staat muss da handeln, wo diese rote Linie überschritten wird. Das erwarte ich vom Staat und dafür brauchen wir keine verfassungsrechtliche Veränderung. Die verbalen Angriffe gingen jedoch nicht nur gegen politische Mandatsträger. Klinikpersonal wie Ärzte, Schwestern, Pfleger waren ebenso betroffen wie die Polizei oder Verantwortliche im Sport. Deshalb sollten wir daran arbeiten, das soziale Miteinander wieder stärker zu fördern und versuchen, die Menschen nach der Pandemie und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Spaltung wieder zusammen zu bringen.

Beschreiben Sie doch bitte in ein paar Sätzen den aktuellen Zustand des Landkreises Ludwigsburg.

Aus meiner Sicht ist der Landkreis in einer stabilen Verfassung. Die wirtschaftlichen Einbrüche bei unseren Unternehmen, aber auch im Allgemeinen und in den öffentlichen Haushalten sind nicht so stark eingetroffen wie ursprünglich von uns befürchtet, gleichwohl es selbstverständlich Bereiche gibt, die unter der Pandemie sehr stark gelitten haben. Mir liegt die Inflation weit mehr im Magen. Wir wissen noch nicht wie uns die langfristigen Folgen dieser Pandemie monetär treffen und wohin wir die nächsten zwei, drei Jahre steuern. Wir sind hier alles in allem gut durch die Pandemie gekommen, leider haben wir jedoch den Tod von 600 Menschen zu beklagen, was sehr, sehr traurig ist. Zum Glück hatten wir im Landkreis keine extremen Auswüchse der Inzidenzen nach oben zu beklagen und auch keine Überbelegung der Betten im Intensivbereich. Eine negative Begleiterscheinung war allerdings, dass wir teils Berufsbereiche bis zur Belastbarkeitsgrenze führen mussten, so dass ich jetzt fürchten muss, ob wir in diesen Jobs künftig noch ausreichend Personal haben.

Was denken Sie: Haben wir den schwierigsten Teil der Pandemie jetzt hinter uns?

Ja, ich glaube schon, dass wir den schwierigsten Teil jetzt hinter uns haben, gesetzt den Fall, es kommt nicht wieder eine neue Variante. Ich halte es deshalb für richtig, der Gesellschaft jetzt wieder eine Öffnungsperspektive zu entwickeln bzw. einzuleiten. Ich appelliere dennoch an die Menschen, sich auf jeden Fall impfen und auch boostern zu lassen, da es meistens die Ungeimpften sind, die auf der Intensivstation landen. Impfstoff ist ausreichend vorhanden und jeder kann auch ohne Termin einfach kommen.

Sind Sie für eine Impflicht?

Anfangs hatte ich mich tatsächlich für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen, weil ich davon überzeugt bin, dass die Impfung uns schützt. Ich halte sie nicht für eine Entscheidung eines jeden Einzelnen, sondern für eine Frage der Gesellschaft insgesamt, des Zusammenhalts und der Fürsorge denjenigen gegenüber, denen man begegnet. Doch hätte die Politik die Impfpflicht im Dezember 2021 entscheiden müssen. Jetzt ist sie den Menschen nicht mehr vermittelbar.

Sie haben eben die Politik angesprochen, die die Menschen nicht mehr erreicht. Welchen konkreten Vorwurf machen Sie den Politikern?

Meinem Gefühl nach ist das Vertrauen in die Kommunalpolitiker noch immer gegeben, weil man vor Ort eine direkte Form der Kommunikation mit den Bürgern führt. Doch in Berlin lief einiges schief. Die Bundespolitik war rückblickend betrachtet am überzeugendsten und klarsten zu Beginn der Pandemie, weil damals Entscheidungen stattgefunden haben. Später dann, als die Pandemie Gegenstand politischer, wissenschaftlicher und medizinischer Diskussion war, da entstand die Verunsicherung bei den Menschen, weil die Klarheit weg war. Ich bin immer für einen Diskussionsprozess, aber in einer Krise bedarf es Entscheidungen und nicht endloser Diskussionen.

Wen meinen Sie konkret, die Regierung in Berlin, die Länderchefs?

Wir haben ein föderales System, was grundsätzlich ein großes Gut in unserer Verfassung ist. Aber tatsächlich geht meine Kritik schon in Richtung Länderchefs, denn am Ende ist es so, dass zwischen Bund und Ländern in einer solchen Situation Klarheit für die Menschen bestehen muss. Wenn am Dienstag die Bund-Länder-Konferenz etwas verabschiedet und donnerstags zum Beispiel der bayerische Ministerpräsident erklärt, dass er seinen eigenen Weg geht, dann ist das nicht vertrauensbildend. Auch bei uns in Baden-Württemberg gibt es einige Kritikpunkte wie beispielsweise die schlechte Abstimmung zwischen Sozialministerium und den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Fragen der Aufgabenzuordnung, der Aufgabenteilung und der Übernahme von Verantwortung, das ist aus meiner Sicht nicht gut gelaufen.

Ein anderes Thema, das die Gemüter gerade erhitzt, betrifft die aktuelle Problematik der Müllabholung. Sind die Menschen zurecht wütend?

Ja, die Bürger sind zurecht enttäuscht, doch kennen sie leider die Verantwortlichkeit nicht. Weder die AVL noch der Landkreis organisieren den Müll, die AVL unterhält lediglich die Werkstoffhöfe und wickelt das Administrative ab. Für die Abholung und die Beseitigung des Mülls werden schon seit sehr vielen Jahren durch eine europaweite Ausschreibung Entsorgungsunternehmen beauftragt. Den Auftrag erhält der wirtschaftlichste Anbieter, der alle Kriterien erfüllt. Bei uns hat den das hochprofessionelle Unternehmen ALBA bekommen, es ist europaweit unterwegs und in Deutschland der Marktführer. Bereits vergangenen August hatte die AVL dem Unternehmen alle erforderlichen Daten und Informationen zur Verfügung gestellt. ALBA wusste also rechtzeitig, welche Touren an welchen Tagen gefahren werden müssen. Dass es dennoch beim Wechsel zu so einem erfahrenen Entsorger dermaßen große Probleme geben würde, konnte niemand erahnen. Das ist die eine Seite.

Und die andere Seite?

Das rein privatrechtlich organisierte Duale System ist hochkomplex, viele Menschen wissen darüber wenig Bescheid. Dieses System hat mit den Abfallgebühren nichts zu tun – weder die gelbe Tonne, noch der Glasmüll. Wir gehören zu einem von sehr wenigen Landkreisen in Deutschland, in denen der Glasmüll noch von Zuhause abgeholt wird. In allen anderen müssen die Bürger ihren Glasmüll zu Glascontainern bringen. Das wollten die Dualen Systeme auch bei uns erreichen. Das wäre durchaus umweltgerechter, weil an den Sammelplätzen der Glasmüll direkt nach Glasfarbe getrennt wird. Im Sinne unserer Bürger*innen konnten wir aber erreichen, dass wir auch die kommenden Jahre das Glas-Abholsystem beibehalten. Und dann ging es um die Entscheidung des Gefäßes – entweder die 120 Literbox für bestimmte Haushalte, was eine fünfte Tonne bedeutet hätte, oder aber die Box mit der Möglichkeit des Tausches. Wir haben uns dann bewusst für die Box entschieden, weil wir ein sehr dicht besiedelter Landkreis sind mit vielen Zwei- bis Dreifamilienhäusern in engen Straßen, so dass die Boxen ausreichen und keine fünfte Tonne benötigt wird. Abgemacht war außerdem, dass diejenigen, denen die Box dann doch nicht reicht, gegen eine Tonne tauschen dürfen. Daran wollte sich das Duale System nicht mehr erinnern und deshalb ist daraus ein Streit entstanden.

Wie wird das Müllproblem jetzt gelöst?

Wir haben gegen ALBA bereits eine hohe, sechsstellige Vertragsstrafe verhängt für das angerichtete Chaos. Alba hat sich aber sehr bemüht, die Probleme in den Griff zu kriegen. Sie sind zusätzliche Schichten gefahren, sie sind den ganzen Januar über samstags bis 21.00 Uhr gefahren, selbst am 6. Januar, und sie haben zusätzlich noch Fahrzeuge aus dem ganzen Bundesgebiet eingesetzt. Seither hat es sich deutlich verbessert und wird sich zeitnah gut einpendeln. Dem Dualen System haben wir jetzt einen Kompromiss vorgeschlagen, dem wohl alle Beteiligten zustimmen werden, um einen Prozess zu vermeiden.

Um die ganze Stimmung zu beruhigen, werden wir die Müll-Gebührenbescheide auch erst mit zweimonatiger Verspätung verschicken. Das gehört für mich zu dem Thema Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Fingerspitzengefühl in die Politik. Niemand muss Angst haben, dass er zu viel zahlen muss. Es wird nur für die Leerungen bezahlt, die tatsächlich stattgefunden haben. Das können wir garantieren, da jede Tonne, die ausgeleert wird, durch einen Chip registriert wird. Dadurch ist jede Leerung nachprüfbar und der Gebührenbescheid korrekt. Wir werden aber jedem Gebührenbescheid ein Merkblatt beifügen, dass den Bürgern die Müllgebühren transparent macht und nochmal erklärt, dass für Glas und gelbe Tonne keinerlei Gebühren anfallen, sondern diese bereits an der Kasse im Super- oder Getränkemarkt durch den Kaufpreis erledigt sind.

Welche Themen werden von Ihnen in Angriff genommen, wenn die Pandemie vorbei ist oder sich zumindest beruhigt hat?

Ich möchte den Landkreis strategisch neu ausrichten. Dazu gehört, wie wir mit dem Wohnungsmangel hier umgehen. Das betrifft den bezahlbaren Wohnraum sowie die Überlegung, wie wir junge Familien in die Region bekommen, die wir auch als Fachkräfte für unsere Arbeitswelt benötigen. Für sie müssen wir die nötigen Infrastrukturen schaffen wie u.a. Kindergarten, Schule, gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Bedürfnisse der Wirtschaftsunternehmen spielen da natürlich auch mit rein, gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass wir unsere Landschaftsschutzgebiete erhalten. Diese spannende Frage müssen wir in den nächsten Jahren lösen.

Dann möchte ich das Thema Stadtbahn weiter vorantreiben, was momentan ganz gut aussieht.

Eine große Herausforderung wird die Finanzierung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Wir stecken heute schon über 50 Mio. Euro jährlich in den ÖPNV hinein. Und das muss ja irgendwie finanziert werden. Das Land möchte mehr 365 Euro-Tickets für Schüler und Jugendliche, die Taktungen sollen enger werden, die Mobilitätsgarantie soll gewährleistet sein. Das wird eine große Aufgabe.

Und eine weitere große Herausforderung wird die Veränderung der Kliniken-Landschaft, die unter unserer Trägerschaft ist. Wir müssen die bauliche Infrastruktur deutlich optimieren, wir müssen mit dem Pflegekräftemangel umgehen, wir müssen auf die neuen Herausforderungen in der Medizin reagieren und wir werden künftig viel mehr ambulante Behandlungen haben statt stationärer Aufnahmen. Wir brauchen eine Zentralversorgung, aber auch mehr spezielle medizinische Angebote, weil die Menschen sich je nach Erkrankung immer mehr an fachlichen medizinischen Leistungen orientieren.

Beim Thema Umwelt- und Klimaschutz sind wir schon seit 2015 auf einem guten Weg und mit vielen Projekten am Start wie zum Beispiel Energiesparmodelle an Schulen, Klima-Scouts für Azubis, mehr E-Ladesäulen in den Parkgaragen.

Worauf freuen Sie sich privat als nächsten Schritt?

Da steht ganz groß ein Familienurlaub mit Frau und Töchtern auf dem Plan. Wahrscheinlich geht es im August nach Italien oder auf eine griechische Insel. Darauf freue ich mich sehr.

Herr Allgaier, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Schlägerei nach Straßenfest und was sonst noch in der Region los war

Kirchheim am Neckar: Körperverletzungen nach Ende des Straßenfestes

Am Sonntagmorgen gegen 04:30 Uhr kam es in Kirchheim nach Ende des Straßenfestes zu handgreiflichen Auseinandersetzungen an mehreren Örtlichkeiten im Stadtgebiet. Zwei Männer im Alter von 24 und 21 Jahren gerieten bei einem Imbiss in der Schillerstraße in einen Streit mit mehreren noch unbekannten Personen, in dessen Verlauf es zunächst zu Rangeleien und Beleidigungen gekommen sein soll. Die beiden Männer entfernten sich in Richtung einer Bank in der Schillerstraße, wohin ihnen etwa fünf der unbekannten Personen aus dem Imbiss folgten. Hier kam es offenbar zu wechselseitigen Körperverletzungen, bevor die beiden 24 und 21 Jahre alten Männer flüchteten. Einige Zeit später sollen 15 bis 20 unbekannte Personen erneut auf die beiden Männer eingeschlagen haben, die in Richtung Sportplatz Kirchheim flüchten konnten und dort über Notruf die Polizei alarmierten. Angeblich soll dem 24-Jährigen und dem 21-Jährigen von den Unbekannten vorgeworfen worden sein, zuvor einen Vater und seinen Sohn geschlagen zu haben. Tatsächlich konnten im Zuge der ersten Ermittlungen ein 47-jähriger Vater und sein 20-jähriger Sohn identifiziert werden. Beide mussten aufgrund nicht unerheblicher Verletzungen vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht werden. Wie es genau zu den Verletzungen kam, ist noch nicht bekannt. Insgesamt waren in Kirchheim Streifenwagenbesatzungen der Polizeireviere Bietigheim-Bissingen, Kornwestheim und Marbach am Neckar zur Beruhigung der Lage und Aufnahme des Sachverhalts im Einsatz. Die genauen Hintergründe der Tat, die Zuordnung der angetroffenen Personen sowie die Identität möglicher weiterer Beteiligter sind Gegenstand der Ermittlungen beim Polizeiposten Kirchheim am Neckar. Zeugenhinweise werden unter Tel. 07143 891060 entgegengenommen.

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BAB 81/Pleidelsheim: 18 Jahre alter Motorradfahrer bei Unfall schwer verletzt

Schwere Verletzungen erlitt ein 18 Jahre alter Motorradfahrer, der am Montag gegen 12.45 Uhr zwischen den Anschlussstellen Pleidelsheim und Mundelsheim in einen Unfall verwickelt war. Vor dem 18-Jährigen, der den linken Fahrstreifen nutzte, befand sich ein 28 Jahre alter BMW-Lenker, der verkehrsbedingt abrupt abbremsen musste. Der Motorradfahrer versuchte ebenfalls zu bremsen und wich dann rechts aus, wobei er das Heck des BMW noch streifte. Das Motorrad kippte hierauf auf die Fahrbahn und schlitterte bis auf den rechten Fahrstreifen. Der 18-Jährige prallte zunächst gegen den BMW und stürzte dann auf die Straße. Er musste durch den Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht werden. Während der Unfallaufnahme mussten zeitweise alle drei Spuren gesperrt werden, so dass ein Rückstau von bis zu fünf Kilometern entstand. Das Motorrad der Marke KTM war nicht mehr fahrbereit und wurde abgeschleppt. Es entstand ein Sachschaden von insgesamt etwa 5.000 Euro. Die Freiwillige Feuerwehr Pleidelsheim befand sich mit zwei Fahrzeugen und 16 Wehrleuten im Einsatz.

Vaihingen an der Enz: alkoholisierter 43-Jähriger in Unfall verwickelt

Nach einem Unfall, der sich am Montag gegen 12.20 Uhr im Kreuzungsbereich der Straße „Im Mühlkanal“, der Enzgasse und der Auricher Straße in Vaihingen an der Enz ereignete, mussten Polizeibeamte den Führerschein eines 43-Jährigen beschlagnahmen. Der VW Golf-Fahrer befuhr die Straße „Im Mühlkanal“ in Fahrtrichtung der Enzgasse. Ein 64-Jähriger, der ebenfalls einen VW Golf lenkte und eine 96 Jahre alte Beifahrerin an Bord hatte, befuhr die Enzgasse und wollte der abknickenden Vorfahrtstraße nach links in die Auricher Straße folgen. Vermutlich da der 43-Jährige dem 64-Jährige die Vorfahrt nahm, kam es in der Folge zu einem Zusammenprall der beiden Fahrzeuge. Der VW des 43-Jährigen kollidierte mit der Beifahrerseite des zweiten VW, der anschließend gegen eine Steinbank eines angrenzenden Grundstücks stieß. Die Beifahrertür ließ sich aufgrund der starken Deformierung nicht mehr öffnen, so dass die Freiwillige Feuerwehr Vaihingen an der Enz die leicht verletzte 96-Jährige aus dem PKW befreien musste. Während der Unfallaufnahme verhielt sich der 43-Jährige auffällig. Er führte einen Atemalkoholtest durch, der positiv verlief. Mutmaßlich dürfte der Mann mit mehr als zwei Promille sein Fahrzeug gelenkt haben. Er musste sich einer Blutentnahme unterziehen und sein Führerschein wurde beschlagnahmt. Beide VW waren nicht mehr fahrbereit und mussten abgeschleppt werden. Die Feuerwehr befand sich mit elf Einsatzkräften und zwei Fahrzeugen im Einsatz. Der Sachschaden wurde auf 16.000 Euro geschätzt.

 

Asperg: 44-Jähriger in Unfallflucht verwickelt – Führerschein beschlagnahmt

Am Dienstag gegen 00.30 Uhr ereignete sich in der Osterholzstraße in Asperg eine Unfallflucht, bei der ein Sachschaden von etwa 11.600 Euro entstand. Ein 44 Jahre alter Hyundai-Lenker war in Richtung der Eglosheimer Straße unterwegs und kam vermutlich, da er sich alkoholisiert hinter das Steuer seines Fahrzeugs gesetzt hatte, nach rechts von der Fahrbahn ab. Er prallte in der Folge gegen einen am Straßenrand abgestellten Anhänger und einen davor stehenden VW. Anstatt sich um den Unfall zu kümmern, setzte der 44-Jährige anschließend jedoch seine Fahrt fort. Eine Streifenwagenbesatzung kam zunächst zufällig an der Unfallstelle vorbei und entdeckte Trümmerteile auf der Fahrbahn. Die Beamten konnten dann die Verfolgung des beschädigten Hyundai aufnehmen und den Fahrer einer Kontrolle unterziehen. Ein Atemalkoholtest ergab einen Wert von etwa zwei Promille, was die Beschlagnahme des Führerscheins und eine Blutentnahme zur Folge hatte.

 

Gerlingen: Diebe auf Baustelle unterwegs – Kupferrohr gestohlen

Kupferrohr im Wert von über 40.000 Euro stahlen noch unbekannte Täter, die zwischen Sonntag 22.00 Uhr und Montag 18.00 Uhr auf einer Baustelle nahe des Engelbergtunnels und einer Kleingartenanlage, die westlich von Gerlingen liegt, ihr Unwesen trieben. Die Diebe „bedienten“ sich auf einem der Gartengrundstücke und ließen dort vorgefundene Metallstangen mitgehen. Anschließend verschafften sie sich Zutritt auf das umzäunte Baustellengelände. Dort befanden sich mehrere Kupferrohrtrommeln. Mindestens vier Trommeln, mit einem jeweiligen Gewicht von rund 1,4 Tonnen, entwendeten die Diebe. Um mit ihrem Diebesgut einen angrenzenden Bach überwinden zu können, dürften die Täter die Metallstangen genutzt haben. Die Trommeln müssen dann mittels entsprechender Fahrzeuge abtransportiert worden sein. Die Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, Tel. 0800 1100225, bittet Zeugen, die Verdächtiges beobachtet haben, sich zu melden.

 

Bietigheim-Bissingen: Einbruch in Geschäftsgebäude

Unbekannte Täter gelangten zwischen Samstag 13:00 Uhr und Montag 08:20 Uhr über ein eingeschlagenes Oberlicht in ein Geschäftsgebäude in der Ulrichstraße in Bietigheim-Bissingen. Aus den Geschäftsräumen entwendeten sie Schmuck im Wert von etwa 10.000 Euro. Sachdienliche Hinweise nimmt das Polizeirevier Bietigheim-Bissingen unter Tel. 07142 405-0 entgegen.

 

Kirchheim am Neckar: Unfall mit hohem Sachschaden auf der B27

Eine 65-jährige Pkw-Lenkerin war am Sonntagabend gegen 22:30 Uhr mit ihrem Ford auf der B27 / Besigheimer Straße in Kirchheim stadtauswärts in Fahrtrichtung Besigheim unterwegs. Eine 28-jährige VW-Lenkerin fuhr aus Gemmrigheim kommend auf der Max-Eyth-Straße, wollte nach links auf die Besigheimer Straße abbiegen und übersah dabei mutmaßlich die vorfahrtsberechtigte Ford-Fahrerin, so dass es zur Kollision der beiden Fahrzeuge kam. Dabei wurde die 65-Jährige leicht verletzt und musste vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht werden. Ihre 28-jährige Unfallgegnerin blieb unverletzt. Beide Fahrzeuge wurden stark beschädigt und mussten in der Folge abgeschleppt werden. Der entstandene Sachschaden beläuft sich auf rund 30.000 Euro an dem VW und etwa 5.000 Euro an dem Ford.

 

Bietigheim-Bissingen: Pedelecs am Bahnhof Ellental gestohlen

Unbekannte Täter hatten es am Samstag zwischen 18:30 Uhr und Mitternacht auf zwei Pedelecs der Marke „Bulls“ abgesehen, die in Bietigheim am Fahrradständer der Haltestelle Ellental abgestellt waren. Die Täter durchtrennten das Kettenschloss, mit dem beide Fahrräder abgeschlossen waren, und entwendeten die Pedelecs im Gesamtwert von rund 9.000 Euro.

Quelle: Polizeipräsidium Ludwigsburg