
König Charles hat im US-Kongress an die gemeinsamen Werte Großbritanniens und der USA erinnert. Seine Rede war höflich im Ton, aber klar in der Botschaft: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Vielfalt und die Unterstützung der Ukraine sind keine Selbstverständlichkeiten.
Von Ayhan Güneş – 09.04 Uhr
König Charles III. hat am Dienstag vor dem US-Kongress in Washington die besondere Verbindung zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten beschworen und zugleich an Werte erinnert, die in unruhigen Zeiten neu verteidigt werden müssen. In seiner Rede sprach der britische Monarch über Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Vielfalt, die Unterstützung der Ukraine und den Schutz der Natur. Es war keine laute politische Rede, aber eine mit deutlicher Botschaft: Der Westen steht nur dann stark da, wenn er seine eigenen Grundlagen ernst nimmt.
„Was auch immer unsere Unterschiede sein mögen, welche Meinungsverschiedenheiten wir auch haben mögen: Wir stehen vereint in unserem Engagement, die Demokratie zu schützen, unser gesamtes Volk vor Unheil zu bewahren und den Mut derer zu würdigen, die täglich im Dienst unserer Länder ihr Leben riskieren“, sagte Charles vor Abgeordneten und Senatoren.
Der König schlug damit einen Ton an, der höflich war, aber nicht beliebig. Er erinnerte an die Demokratiegeschichte beider Länder, an Gewaltenteilung, Freiheit und die Kraft vielfältiger Gesellschaften. Die Gründerväter der Vereinigten Staaten nannte er „mutige und einfallsreiche Rebellen mit einer Mission“. Vor 250 Jahren hätten sie die Unabhängigkeit erklärt, „oder, wie wir im Vereinigten Königreich sagen, erst neulich“.
In dieser historischen Rückschau lag auch eine politische Einordnung. Aus einstigen Gegnern sind enge Verbündete geworden. Aus dem Bruch mit der Krone wurde eine Partnerschaft, in der ein britischer König heute vor dem US-Kongress über Freiheit spricht. Charles beschrieb die USA als ein „lebendiges Mosaik“ und betonte, dass gerade freie und vielfältige Gesellschaften ihre Stärke aus dieser Offenheit ziehen.
Besonders deutlich wurde der Monarch beim Thema Rechtsstaat. „Rechtsstaatlichkeit, die Gewissheit stabiler und zugänglicher Rechtsvorschriften, eine unabhängige Justiz, die Streitigkeiten schlichtet und unparteiische Rechtsprechung gewährleistet: Diese Merkmale schufen die Voraussetzungen für ein jahrhundertelanges, beispielloses Wirtschaftswachstum in unseren beiden Ländern“, sagte Charles.
Das ist der Kern seiner Rede: Freiheit braucht Regeln, aber Regeln des Rechts, nicht der Willkür. Demokratie braucht Streit, aber einen Streit, der Institutionen achtet. Eine unabhängige Justiz, freie Parlamente und der Schutz von Minderheiten sind keine Nebensachen. Sie sind das Fundament, auf dem politisches Vertrauen und wirtschaftliche Stärke entstehen.
Auch außenpolitisch setzte Charles ein klares Zeichen. Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg warb er für weitere Unterstützung der Ukraine. Es sei „unerschütterliche Entschlossenheit erforderlich, um die Ukraine und ihr mutiges Volk zu verteidigen“. Diese Entschlossenheit sei notwendig, „um einen wahrhaft gerechten und dauerhaften Frieden zu sichern“.
Damit machte der König deutlich: Frieden ist mehr als das Schweigen der Waffen. Ein Frieden, der auf Unterwerfung beruht, wäre kein gerechter Frieden. Die Unterstützung der Ukraine bleibt deshalb auch eine Frage der Glaubwürdigkeit westlicher Demokratien.
Zum Schluss richtete Charles den Blick auf die Natur. Sie sei „unser kostbarstes und unersetzliches Gut“. Die natürlichen Systeme bildeten die Grundlage für Wohlstand und nationale Sicherheit. Wer sie ignoriere, tue dies „auf eigene Gefahr“.
Charles hielt keine Parteirede. Er suchte keine Konfrontation. Aber er erinnerte Amerika und damit auch den Westen an das, was Demokratien zusammenhält: Freiheit, Recht, Vielfalt und Verantwortung. Gerade weil die Rede leise war, wirkte sie politisch. Denn Demokratien geraten nicht nur durch äußere Feinde in Gefahr. Sie geraten auch dann in Gefahr, wenn sie vergessen, warum sie gegründet wurden.

