
Ludwigsburg. Organspende bleibt ein Thema, das viele Menschen berührt und zugleich verunsichert. Beim Aktionstag auf dem Ludwigsburger Marktplatz am 06. Juni konnten sich Besucherinnen und Besucher über Organspendeausweis, Organspende-Register und die derzeit diskutierte Widerspruchslösung informieren.
Besonders gefragt waren praktische Fragen: Muss eine Organspende in der Patientenverfügung ausdrücklich genannt werden? Gibt es eine Altersgrenze? Und wie kann der eigene Wille sicher dokumentiert werden?
Bürgermeister Sebastian Mannl betonte die Bedeutung einer bewussten Entscheidung: „Organspende kann Leben retten. Deshalb ist es wichtig, dass Menschen sich informieren, eine persönliche Entscheidung treffen und diese dokumentieren. Der Aktionstag hat gezeigt, wie groß das Interesse an diesem Thema ist.“
Persönliche Geschichten im Mittelpunkt
Eindrücklich wurde der Aktionstag vor allem durch Menschen, die selbst auf ein Spenderorgan warten oder durch eine Transplantation ein neues Leben erhalten haben. Kader Unursal, die nach neun Jahren Dialyse vor zwei Jahren eine Spenderniere erhielt, sagte: „Der größte Unterschied: Während der Dialyse habe ich jeden Tag versucht zu überleben und seit der Transplantation ist es wirklich ein Leben.“
Auch mehrere Lebertransplantierte unterstützten die Aktion und standen für Gespräche bereit. Dr. Uschi Traub wies darauf hin, dass es keine feste Altersgrenze für Organspenden gebe: „Die älteste Spenderin in Deutschland war 98 Jahre alt und ihre Leber konnte ein Leben retten. Der Zustand der Organe und Gewebe wie Hornhaut oder Gehörknöchelchen wird zum Zeitpunkt des Hirntodes festgestellt.“
Bei einer Abstimmung am Informationsstand sprachen sich 61 Marktbesucherinnen und Marktbesucher für die Widerspruchslösung aus, vier bevorzugten die aktuelle Entscheidungslösung.
Stephan (61), der seit viereinhalb Jahren auf eine Spenderniere wartet, brachte seine Sicht so auf den Punkt: „Man kann keinen zwingen zu spenden, aber ich finde, es ist eine Verpflichtung, sich zu entscheiden.“

