
Ein Dachstuhlbrand in Kleiningersheim hat sich nach Ermittlerangaben zu einem mutmaßlichen Gewaltverbrechen entwickelt. Ein 61-Jähriger soll einen Brandsatz vom Balkon geworfen, zwei Menschen leicht verletzt und anschließend das Wohnhaus in Brand gesetzt haben. Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ermitteln wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung.
Von Lea Brandt – 12.35 Uhr
Ingersheim-Kleiningersheim. Nach dem Dachstuhlbrand in der Hauptstraße in Kleiningersheim ermitteln Staatsanwaltschaft Heilbronn und Kriminalpolizei Ludwigsburg wegen des Verdachts des versuchten Mordes und der schweren Brandstiftung. Ein 61 Jahre alter Mann wurde von einem Spezialeinsatzkommando vorläufig festgenommen.
Nach Angaben der Ermittler hatte ein Zeuge am Mittwoch gegen 11.45 Uhr eine verdächtige Beobachtung gemeldet. Ein Mann soll einen Brandsatz vom Balkon eines Wohnhauses geworfen haben. Beim Aufschlag wurden eine 42 Jahre alte Frau und ihr Begleiter, die sich unterhalb des Balkons aufhielten, leicht verletzt.
Kurz darauf stellten Einsatzkräfte vor Ort fest, dass Knallkörper aus dem Gebäude geworfen wurden. Wenig später stand der Dachstuhl des Hauses in Flammen. Zudem kam es mutmaßlich zu einer Verpuffung, durch die sich Dachziegel lösten und auf die Straße fielen.
Die Feuerwehr rückte mit zahlreichen Kräften an. Zur Brandbekämpfung musste das komplette Dach geöffnet werden. Gegen 12.45 Uhr waren die Flammen unter Kontrolle. Rund um den Brandort wurde ein Gefahrenbereich eingerichtet. Menschen, die ihre Wohnungen verlassen mussten, wurden in einem nahegelegenen Vereinsheim untergebracht und betreut.
Weil zunächst unklar war, ob sich der Mann noch im Gebäude befand und ob explosive Stoffe im Haus sein könnten, wurden ein Spezialeinsatzkommando sowie ein Entschärfer-Team des Landeskriminalamts Baden-Württemberg hinzugezogen. Gegen 16.20 Uhr nahmen SEK-Kräfte den 61-Jährigen vorläufig fest. Er hatte sich vermutlich während des gesamten Einsatzes im Gebäude aufgehalten und verließ das Haus nach Ansprache der Einsatzkräfte.
Der Mann steht im Verdacht, die 42-Jährige, bei der es sich um eine Verwandte handelt, und deren Begleiter mit dem Brandsatz angegriffen zu haben. Anschließend soll er den Dachstuhl des Gebäudes in Brand gesetzt haben. Als möglicher Hintergrund gelten familiäre Streitigkeiten um die Besitzverhältnisse des Wohnhauses.
Der Tatverdächtige erlitt selbst Brandverletzungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn hat beim Amtsgericht Heilbronn den Erlass eines Haftbefehls beantragt. Die Vorführung und Vernehmung sollen im Krankenhaus stattfinden.
Das betroffene Wohnhaus ist weiterhin nicht betretbar und wird voraussichtlich unbewohnbar bleiben. Fachkräfte sollen die Statik prüfen. Auch angrenzende Gebäude wurden durch Hitze und Rauch beschädigt. Der genaue Schaden steht noch nicht fest, dürfte aber mindestens im hohen sechsstelligen Bereich liegen.
Insgesamt waren mehr als 150 Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte im Einsatz.
Verwendete Quelle: Polizeipräsidium Ludwigsburg / Staatsanwaltschaft Heilbronn

