
Von Ayhan Güneş – 23.18 Uhr
Ludwigsburg. Für viele Menschen in Ludwigsburg ist das Forum am Schlosspark weit mehr als nur ein Gebäude. Hier wurden Konzerte erlebt, Abibälle gefeiert, wichtige Kongresse besucht, Theaterabende verbracht und besondere Momente der Stadtgesellschaft geteilt. Genau deshalb war die Entscheidung des Gemeinderats am Mittwochabend mehr als eine Abstimmung über Technik, Brandschutz und Millionenbeträge.
Mit deutlicher Mehrheit gab der Gemeinderat 1,3 Millionen Euro für weitere Planungsschritte der Generalsanierung frei. Damit ist das Albtraum-Szenario vorerst abgewendet: die sofortige Schließung des Forums.
Denn die Stadtverwaltung hatte zuletzt keinen Zweifel daran gelassen, dass ohne diesen Beschluss der Betrieb nicht mehr hätte aufrechterhalten werden können. Das Gebäude befindet sich seit längerem in einem sogenannten Duldungsbetrieb. Brandschutz, Haustechnik und technische Infrastruktur gelten in vielen Bereichen als massiv veraltet. Ludwigsburg24 hatte berichtet.
„Unverzichtbar“ für die Stadt
„Aus unserer Sicht ist das Forum unverzichtbar“, sagte Oberbürgermeister Matthias Knecht während der Sitzung. Das Haus hebe Ludwigsburg „auf ein anderes Level der öffentlichen Wahrnehmung und des gesellschaftlichen Miteinanders“. Ein Stopp der Planungen wäre ein „verheerendes Signal“ gewesen.
Doch trotz der Zustimmung wurde auch deutlich: Die politische Debatte ist längst nicht beendet.
Denn die eigentliche Herausforderung steht der Stadt erst noch bevor. Zwar konnten die ursprünglich diskutierten Sanierungskosten auf etwa 134 Millionen Euro reduziert werden. Für viele Stadträte bleibt in der aktuellen Haushaltslage jedoch auch diese Summe kaum vorstellbar.
Die Einschätzungen im Gemeinderat reichten von „nicht finanzierbar“ bis „utopisch“.
Zwischen Imageschaden und Haushaltskrise
Die Abstimmung zeigte vor allem eines: Das Forum ist längst zur Symbolfrage geworden.
Auf der einen Seite stehen massive Haushaltsprobleme, eine aktuelle Haushaltssperre, Sparzwänge und die Sorge vor einer finanziellen Überforderung der Stadt. Auf der anderen Seite wächst die Angst vor einem kulturellen und städtebaulichen Bedeutungsverlust mitten im Herzen Ludwigsburgs.
Immer wieder fiel am Mittwochabend auch das Wort „Imageschaden“. Mehrere Stadträte warnten davor, welche Wirkung eine jahrelange Schließung oder ein Stillstand des Forums nach außen hätte.
Erst vor wenigen Tagen hatte sich zudem DEHOGA-Kreisvorstand Marcos Angas öffentlich eingeschaltet. Hoteliers und Gastronomen warnten in einem offenen Brief an den Oberbürgermeister vor den Folgen einer möglichen Schließung für Innenstadt, Tourismus und Gastronomie. Ludwigsburg24 hatte berichtet.
Die Diskussion hat damit längst die Ebene eines reinen Bauprojekts verlassen. Es geht zunehmend um die Frage, wie sich Ludwigsburg künftig als Kultur-, Veranstaltungs- und Innenstadtstadt positionieren will.
Fördergelder werden entscheidend
Vorerst bleibt das Forum geöffnet. Nach aktueller Planung soll der Betrieb noch bis Ende Juli 2027 laufen. Anschließend könnten die Sanierungsarbeiten beginnen. Die Wiedereröffnung ist zum 100-jährigen Jubiläum der Ludwigsburger Schlossfestspiele im Jahr 2032 vorgesehen.
Ob es tatsächlich dazu kommt, hängt allerdings maßgeblich von möglichen Fördergeldern ab.
Die Stadtverwaltung um OB Knecht will nun verstärkt Unterstützung von Land und Bund einwerben. Nach Angaben der Stadt wurde die neue Landesregierung bereits um ein Sonderförderprogramm für Kulturstätten gebeten. Parallel hofft Ludwigsburg auf zusätzliche Einzelfallförderungen.
Klar ist nach diesem Abend vor allem eines: Die Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Forums ist noch nicht gefallen. Doch der Gemeinderat hat der Stadtspitze zunächst etwas Zeit verschafft und dem Forum vorerst eine Zukunft.

