Gewalt gegen Frauen nimmt massiv zu – Stadt Ludwigsburg reagiert mit Prävention und zweitem Frauenhaus

Partnerschaftsgewalt nimmt in Stadt und Kreis Ludwigsburg dramatisch zu: Laut Innenministerium stieg die Zahl der Fälle bei weiblichen Opfern zwischen 2023 und 2024 um über 30 Prozent. Oberbürgermeister Knecht fordert mehr Vorbeugung und Unterstützung für Betroffene – und sieht auch Bund und Länder in der Pflicht. Ein zweites Frauenhaus soll nun mit Landesmitteln realisiert werden.

Ludwigsburg – Die Zahl der Opfer von Partnerschaftsgewalt in Ludwigsburg steigt dramatisch. Laut einer aktuellen Pressemitteilung der Stadt Ludwigsburg, die sich auf eine Antwort des Innenministeriums Baden-Württemberg auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Silke Gericke bezieht, nahm die registrierte Partnerschaftsgewalt in der Stadt zwischen 2023 und 2024 um 32,86 Prozent, im Landkreis sogar um 38,4 Prozent zu. Die Täter sind in der überwiegenden Mehrheit Männer – das belegen die nun veröffentlichten Daten mit drastischer Deutlichkeit.

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Der Anteil weiblicher Opfer mit einem männlichen Tatverdächtigen lag 2023 im Landkreis bei 98,3 Prozent, in der Stadt Ludwigsburg bei 97,1 Prozent. Auch bei innerfamiliärer Gewalt zeigt sich ein ähnliches Muster: Von den betroffenen Frauen und Männern in Stadt und Landkreis wurden jeweils rund drei Viertel der Fälle durch Männer verübt.

OB Knecht: „Diese Aufgabe betrifft uns alle“

Für Ludwigsburgs Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht ist klar: Die Zahlen sind ein Auftrag zum Handeln. „Gewalt gegen Frauen ist keine Privatsache. Sie ist eine tiefgreifende gesellschaftliche Herausforderung, der wir uns als Stadt stellen – mit Vorbeugung, Schutzangeboten und einer klaren Haltung. Diese Aufgabe betrifft nicht nur einzelne Stellen oder Behörden, sondern uns alle. Ludwigsburg steht für Verantwortungsbewusstsein und ein klares Ja zur Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt“.

Mit dem Verein Frauen für Frauen arbeitet die Stadt bereits seit Jahren eng zusammen, unterstützt Beratungsangebote und Notunterkünfte. Ein Meilenstein in diesem Engagement ist die geplante Eröffnung eines zweiten Frauenhauses in Ludwigsburg-Hoheneck, dessen Sanierung durch eine Förderzusage des Landes in Höhe von 2,8 Millionen Euro nun gesichert ist.

Knecht fordert zugleich mehr Unterstützung vom Bund: „Eine Investition, um all jene zu schützen, die am meisten von häuslicher Gewalt betroffen sind – nämlich Mädchen und Frauen – ist eine Investition in die Stabilität unserer Demokratie.“

Gleichstellungsbeauftragte: „Betroffenheit reicht nicht“

Auch Dr. Kristina Wolff, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ludwigsburg, sieht in den aktuellen Zahlen einen klaren Handlungsauftrag. Sie betont: „Wer die Ursachen für geschlechtsspezifische Gewalt gegen Mädchen und Frauen mit ‚Gewalt im Allgemeinen‘ gleichsetzt, kann sie auch nicht wirksam bekämpfen. Gewalt gegen Frauen ist Ausdruck historisch gewachsener ungleicher Machtverhältnisse.

Für wirksame Vorbeugung brauche es nicht nur Haltung, sondern auch Ressourcen und verbindliche Strukturen: „Betroffenheit reicht nicht. Transparenz, insbesondere auch zu den Daten, die die Täterschaft betreffen, bleibt auch künftig unerlässlich.“

Ludwigsburg will Vorreiter bleiben

Mit dem jährlich am 10. März begangenen Gedenktag für Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt hat Ludwigsburg bereits bundesweit Maßstäbe gesetzt. Auch in der Umsetzung der Istanbul-Konvention sieht sich die Stadt als aktive Treiberin – mit konkreten Projekten und strategischer Verankerung.

Die aktuellen Zahlen machen deutlich: Die Gewalt nimmt zu – vor allem gegenüber Frauen. Und sie zeigt sich nicht irgendwo, sondern direkt vor Ort – in Wohnungen, Beziehungen, Familien. Der politische Wille in Ludwigsburg ist da, das Problem bleibt aber akut. Die Stadt setzt auf ein Zusammenspiel von kommunalem Engagement, Landesmitteln und klarer Haltung – auch über Einzelfälle hinaus.

red