Gewerbesteuer auf Rekordniveau: Wo Ludwigsburg und Stuttgart stehen

Die Haushaltslöcher der Städte und Gemeinden werden immer größer. Gleichzeitig drehen mehr Kommunen an der Gewerbesteuer. Der bundesweite Durchschnitt erreicht einen neuen Höchstwert. Ludwigsburg bleibt mit 400 Punkten deutlich darunter, nachdem die Stadtverwaltung im Frühjahr ihren Vorschlag für eine rückwirkende Erhöhung zurückgezogen hatte. Stuttgart hat dagegen nach 25 Jahren erstmals wieder am Hebesatz gedreht.

Von der Redaktion (ag) – 09.55 Uhr

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Ludwigsburg. Der durchschnittliche Gewerbesteuer-Hebesatz in Deutschland ist auf einen neuen Höchststand gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), über die die „Welt am Sonntag“ berichtet.

Von den 706 untersuchten Städten und Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern haben in diesem Jahr 88 ihren Hebesatz erhöht, nur fünf haben ihn gesenkt. Im Vorjahr hatten 64 Kommunen erhöht und vier gesenkt. Der bundesweite Durchschnitt stieg um zwei auf 441 Punkte.

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Hintergrund ist die angespannte Finanzlage vieler Kommunen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verbuchten die Städte und Gemeinden in Deutschland 2025 ein Rekorddefizit von 31,9 Milliarden Euro. Die Gewerbesteuer ist ihre wichtigste eigene Einnahmequelle, und den Hebesatz können sie selbst festlegen.

Der Hebesatz entscheidet mit darüber, wie hoch die Gewerbesteuer eines Betriebs ausfällt: Der vom Finanzamt festgesetzte Gewerbesteuermessbetrag wird mit dem Hebesatz der jeweiligen Kommune multipliziert.

Ludwigsburg bleibt unter dem Bundesschnitt

In Ludwigsburg liegt der Hebesatz derzeit bei 400 Punkten und damit 41 Punkte unter dem von der DIHK ermittelten Bundesdurchschnitt. Ende 2024 hatte der Gemeinderat mit 22 zu 18 Stimmen beschlossen, ihn zum 1. Januar 2025 von 385 auf 400 Punkte anzuheben.

Im Frühjahr 2026 wollte die Stadtverwaltung angesichts der angespannten Haushaltslage noch einmal nachlegen. Vorgeschlagen war eine rückwirkende Erhöhung zum 1. Januar von 400 auf 420 Punkte. Axel Kunkel, Präsident der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg, sprach damals von einem „Schlag ins Genick“ für die heimische Wirtschaft. Anfang Mai zog die Verwaltung den Vorschlag jedoch zurück. Damit blieb es bei 400 Punkten.

Stuttgart erhöht nach 25 Jahren

Anders in der Landeshauptstadt: Stuttgart hat seinen Gewerbesteuer-Hebesatz zum Jahresbeginn 2026 von 420 auf 430 Punkte angehoben.

Der Satz war zuvor 25 Jahre lang unverändert geblieben. Im Jahr 2000 hatte Stuttgart ihn von 435 auf 420 Punkte gesenkt. Mit dem Doppelhaushalt 2026/2027 beschloss der Gemeinderat nun die Anhebung auf 430 Punkte. Damit liegt auch Stuttgart noch unter dem aktuellen DIHK-Bundesdurchschnitt von 441 Punkten.

Die IHK Region Stuttgart hatte die Steuererhöhungen scharf kritisiert.

DIHK warnt vor „stiller Standortbremse“

„Damit entwickelt sich die Gewerbesteuer zur stillen Standortbremse“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov der „Welt am Sonntag“. Deutschland zähle ohnehin zu den Hochsteuerländern. Weitere Erhöhungen verschärften aus Sicht der DIHK den Wettbewerbsnachteil und nähmen Unternehmen Geld für Investitionen.

Auf jede Kommune, die ihren Hebesatz gesenkt hat, kommen in diesem Jahr fast 18, die ihn erhöht haben.

Melnikov fordert zugleich eine bessere Finanzausstattung der Kommunen. Bund und Länder müssten Städte und Gemeinden dauerhaft so ausstatten, dass übertragene Aufgaben auch finanziert seien.

Höchste Hebesätze in Nordrhein-Westfalen

Die zehn Kommunen mit den höchsten Hebesätzen der DIHK-Auswertung liegen allesamt in Nordrhein-Westfalen. An der Spitze stehen Oberhausen und Mülheim an der Ruhr mit jeweils 580 Punkten. Die niedrigsten Werte unter den untersuchten Kommunen haben Monheim am Rhein und Leverkusen mit jeweils 250 Punkten.

Im Vergleich der Bundesländer stieg der Durchschnitt in Sachsen-Anhalt mit fünf Punkten am stärksten. Es folgen Hessen mit vier und Baden-Württemberg mit drei Punkten.


Verwendete Quellen: DIHK / dts Nachrichtenagentur / Statistisches Bundesamt / Stadt Ludwigsburg / Stadt Stuttgart / IHK Region Stuttgart / Ratsinformationssystem Ludwigsburg / Ludwigsburg24 / Eigene Recherche