
Die Stadt Kornwestheim steht vor einer der schwersten finanziellen Krisen der vergangenen Jahre. Die Gewerbesteuereinnahmen brechen im Jahr 2026 deutlich ein: Statt der geplanten 34 Millionen Euro rechnet die Stadt nur noch mit rund 25 Millionen Euro. Oberbürgermeister Nico Lauxmann kündigte bereits erste Sparmaßnahmen und eine mögliche Haushaltssperre an.
Von Ayhan Güneş – 13.09 Uhr
Kornwestheim – Der finanzielle Schock kommt abrupt und mit voller Wucht: Die Stadt Kornwestheim muss im Haushaltsjahr 2026 mit rund neun Millionen Euro weniger Gewerbesteuer rechnen als geplant. Statt der angesetzten 34 Millionen Euro erwartet die Stadt nun lediglich rund 25 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von 25 Prozent.
Im ordentlichen Ergebnis zeichnet sich damit ein Fehlbetrag von rund 30 Millionen Euro ab.
Haushaltssperre angekündigt
Nach Angaben der Stadt wurde unmittelbar nach Bekanntwerden der Zahlen reagiert. Der Doppelhaushalt 2026/2027 befindet sich derzeit noch zur Genehmigung beim Regierungspräsidium Stuttgart, die Verwaltung arbeitet aktuell in einer Interimswirtschaft.
Sobald die Genehmigung vorliegt, will Oberbürgermeister Nico Lauxmann dem Gemeinderat eine Haushaltssperre vorschlagen. Nicht zwingend erforderliche Ausgaben sollen dann untersagt werden. Ausgenommen wären gesetzlich vorgeschriebene Aufgaben, Personalkosten sowie bereits eingegangene Verpflichtungen.
Parallel wird ein Nachtragshaushalt erarbeitet, um die veränderte Einnahmesituation formal abzubilden. Alle Investitionen und geplanten Projekte sollen auf ihre Dringlichkeit und Finanzierbarkeit überprüft werden. Neue Ausgaben bedürften künftig einer besonderen Begründung.
„Eine der schwersten Krisen der jüngeren Vergangenheit“
Oberbürgermeister Nico Lauxmann spricht von einer historischen Dimension:
„Der dramatische Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen verschärft die finanzielle Lage unserer Stadt enorm. Wir befinden uns dadurch in einer der finanziell schwersten Krisen, die die Stadt in der jüngeren Vergangenheit getroffen haben. Wir reagieren entschlossen und verantwortungsvoll, um die Handlungsfähigkeit der Stadt zu sichern – wohlwissentlich, dass die Auswirkungen sichtbar und spürbar sein werden.“
Besonders betont Lauxmann, dass Kornwestheim bislang solide gewirtschaftet habe. Die Stadt verfüge über eine Nullverschuldung und habe Rücklagen gebildet, um aus eigener Kraft investieren zu können.
„Was mich maßlos ärgert: Kommunen wie die Stadt Kornwestheim, die über die Jahre hinweg gut und vernünftig gewirtschaftet haben (…) kommen nun aufgrund der zahlreichen von Land und Bund übertragenen Aufgaben an die Grenze des Leistbaren.“
Er fordert schnelle Entscheidungen von Land und Bund, um die Finanzierung kommunaler Aufgaben dauerhaft zu sichern.
Haushaltsausschuss tagt kommende Woche
In den kommenden Tagen soll eine Einsparungsliste erarbeitet werden. Der Haushaltsausschuss des Gemeinderats wird bereits in der nächsten Woche zusammenkommen, um die Maßnahmen vorzubereiten.
Der bereits beschlossene Haushaltskonsolidierungsprozess soll ebenfalls fortgesetzt werden. Ziel ist es, langfristige Einsparpotenziale zu identifizieren.
„Kornwestheim hat in der Vergangenheit schon viele schwierige Situationen gemeistert und dies, weil Verwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft zusammengehalten haben. Dieser Zusammenhalt ist in einer so ernsten Situation nun erneut dringend notwendig“, so Lauxmann.

