Gewerkschaft warnt vor Ausbeutung und fordert faire Bedingungen für Erntehelfer im Kreis Ludwigsburg

Ludwigsburg. Sie pflücken Erdbeeren im Morgengrauen, stehen bei sengender Hitze im Feld oder knien stundenlang zwischen Spargelreihen: Die Erntehelfer im Landkreis Ludwigsburg leisten harte Arbeit. Doch ihre Arbeits- und Lebensbedingungen bleiben oft prekär. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Nordwürttemberg appelliert nun eindringlich an die Landwirte in der Region, den Saisonkräften faire Löhne und menschenwürdige Unterkünfte zu garantieren.

„Saisonarbeiter haben mindestens den gesetzlichen Mindestlohn verdient. Ausnahmen darf es dabei auch in Zukunft nicht geben“, betont Jürgen Ziegler, stellvertretender Bezirksvorsitzender der IG BAU Nordwürttemberg. Die Erntearbeit sei körperlich fordernd – gebückt, auf den Knien, bei Wind und Wetter. Wer solche Leistungen erbringe, dürfe nicht mit einem Taschengeld abgespeist werden, so Ziegler.

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Wohncontainer, Abzüge und kaum Lohn

Viele der Saisonkräfte kommen aus Osteuropa, zunehmend auch aus Zentralasien. Die IG BAU berichtet von hohen Mietkosten für oft heruntergekommene Unterkünfte, zusätzlichen Abzügen für Verpflegung und Transport – und einem Lohn, von dem am Monatsende kaum etwas übrig bleibt. „Die Arbeit auf dem Feld darf nicht zur Ausbeutung werden“, warnt Ziegler. „Erntehelfer sind keine Feldarbeiter zweiter Klasse.“

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Kein Spielraum beim Mindestlohn

Der gesetzliche Mindestlohn liegt derzeit bei 12,82 Euro pro Stunde – und gilt uneingeschränkt auch für die Landwirtschaft. Die Forderung des Deutschen Bauernverbandes, lediglich 80 Prozent davon zu zahlen, sei vom Bundesagrarministerium klar zurückgewiesen worden. „Das war eine respektlose Idee, die nun endlich vom Tisch ist“, erklärt Ziegler. Lohndumping schade nicht nur den Saisonarbeitern, sondern drücke auch das Gehaltsniveau in den Betrieben insgesamt – und verschärfe den ohnehin bestehenden Fachkräftemangel.

Niederlande als Vorbild

Ziegler verweist auf die Nachbarn: In den Niederlanden erhalten landwirtschaftliche Arbeitskräfte bereits 14,40 Euro pro Stunde – und beliefern dennoch erfolgreich den deutschen Markt mit Obst und Gemüse. Zum Vergleich: In Deutschland steigt der Mindestlohn erst ab 2026 auf 13,90 Euro.

Hilfe für Betroffene

Im Juli 2024 arbeiteten laut Arbeitsagentur rund 210 Saisonkräfte auf den Feldern im Kreis Ludwigsburg – viele davon kurzfristig beschäftigt. Wer Missstände beobachtet oder selbst betroffen ist, kann sich an das Beratungsnetzwerk „Faire Mobilität“ des DGB wenden (www.faire-mobilitaet.de, Tel. 030-219653721, mehrsprachig).

red