Golf R Variant – R wie Rennstrecke

R-Fans aufgepasst: Der Golf R Variant ist ein Hochleistungs-Kombi für den Alltag und ab sofort in Deutschland und Europa zu einem Preis ab 51.585 Euro brutto bestellbar. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat im Rahmen der internationalen Pressevorstellung das Performance-Modell auf der Rennstrecke Bilster Berg getestet.

Der neue Golf R Variant ist der stärkste und dynamischste Golf Variant, den Volkswagen bislang auf den Markt gebracht hat. Bei VW in Wolfsburg-Warmenau produziert, hat der Renner 235 kW/320 PS unter der Haube.

Er bleibt der Tradition seiner Vorgänger treu: als variabler Allrounder, Freizeit- und Familienkombi aber auch als sportlicher Begleiter mit einer beeindruckenden Dynamik – dank Allradantrieb 4Motion inklusive R-Performance Torque Vectoring mit radselektiver Momenten-Steuerung an der Hinterachse.

Peter Jost, Leiter Vertrieb und Marketing für die VW R-Linie: „Der Golf R Kurzheck ist im Volumen das wichtigere Modell, der Golf R Variant ist quasi eine Nische in der Nische.“ Doch näher hinzuschauen lohnt sich für alle, die mehr Platz benötigen und nicht auf das Rennfeeling verzichten möchten. Die Philosophie bei VW lautet, dass alles aus einer Hand gefertigt wird. Das ist nicht bei allen Herstellern (OEMs) üblich. Beispielsweise sind der Lenkungsregler, der Fahrdynamikregler und der Dämpferregler Eigenproduktionen im Volkswagen-Konzern.

Atemberaubende Agilität bei voller Alltagstauglichkeit – das soll der neue Golf R Variant bieten. Und ja – das tut er. Der Sportkombi gefällt durch sein sportliches Interieur- und Exterieur-Design. VW hat eine Kombination aus dem kompakten Golf R und einem geräumigen Variant produziert. Seine Sportlichkeit testen wir auf der Rennstrecke Bilster Berg und sind nach fünf gefahrenen Runden im Adrenalinrausch angekommen.

Neu ist der Allradantrieb 4Motion inklusive R-Performance Torque Vectoring mit radselektiver Momenten-Steuerung an der Hinterachse. Dabei wird die Antriebskraft über ein neues Hinterachsgetriebe nicht nur bedarfsgerecht zwischen der Vorder- und Hinterachse verteilt, sondern ebenso zwischen den Hinterrädern.

Insbesondere in Kurven steigert der innovative Antrieb die Agilität des Sportlers. Gleichzeitig wird die Sicherheit erhöht, da in der Kurve mehr Antriebskraft zum hinteren kurvenäußeren Rad gelenkt wird. Das verleiht dem Fahrzeug hohe Traktion bei neutralem Fahrverhalten.

Das Allradsystem wird über den Fahrdynamikmanager mit weiteren Fahrwerkssystemen wie den elektronischen Differenzialsperren (XDS) und der optional erhältlichen adaptiven Fahrwerksregelung DCC, die verschiedene Abstimmungen bietet, vernetzt. Das Ergebnis: ein höchst präzises und neutrales Fahrerlebnis, optimale Traktion sowie herausragende Agilität. Kurzum: maximaler Fahrspaß. Kein Wunder: Final abgestimmt wurde der neue Golf R Variant auf der Nürburgring-Nordschleife.

Im optionalen R-Performance-Paket verfügt der Performance-Kombi über zwei zusätzliche Fahrprofile: Im Modus „Special“ werden alle wesentlichen Antriebsparameter auf die Nordschleife und ähnlich anspruchsvolle Rennstrecken ausgelegt. Das Fahrprofil „Drift“ öffnet abseits öffentlicher Strecken ein neues Fenster der Fahrdynamik und steigert erheblich den Fahrspaß und die Sicherheit beim Querfahren.

Angetrieben wird der Golf R Variant vom 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbomotor der Baureihe EA888, der in seiner vierten Ausbaustufe eine Leistung von 235 kW/320 PS bietet und eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in nur 4,9 Sekunden ermöglicht. Die serienmäßige Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h kann mit dem optionalen R-Performance-Paket auf 270 km/h gesteigert werden.

Auch mit dem R-spezifischen Sportfahrwerk sowie der sportlichen Auslegung kommt die Alltagstauglichkeit des Golf R Variant nicht zu kurz. So ist beispielsweise das Fahrprofil „Comfort“ als einer von insgesamt vier serienmäßigen Fahrmodi mit den Parametern Motor, Getriebe, Dämpfer, Lenkung und R-Performance Torque Vectoring auf bestmöglichen Komfort ausgelegt.

Zudem punktet der dynamische Kombi mit seinem Raumangebot. Der – im Vergleich zur Kurzheckversion des Golf – 58 Millimeter längere Radstand des Golf R Variant kommt dem Innenraum zugute. Besonders die Passagiere im Fond profitieren von den größeren Abmessungen. Der Kofferraum bietet bei dachhoher Beladung und umgeklappter zweiter Sitzreihe einen Stauraum von maximal 1.642 Litern.

Die optional erhältliche, elektrisch ausklappbare Anhängerkupplung rundet den Golf R Variant als Hochleistungs-Kombi für den Alltag ab. Als Mitbewerber in diesem Segment nennt VW den Ford Focus ST Turnier, Mercedes-AMG CLA 35, Mercedes-AMG CLA 45 und Cupra Leon ST.

Jutta Bernhard / mid

Mister 800 Volt aus Korea – Neuvorstellung Kia EV6

Kia bringt mit dem EV6 jetzt seinen ersten auf einer Plattform nur für Elektroautos basierenden Stromer an den Start. Bis 2030 sollen Elektro- und Hybridfahrzeuge 40 Prozent des gesamten Marktes der Koreaner ausmachen. Den ersten Schritt hin zu diesem ehrgeizigen Ziel macht jetzt der EV6, für den Kia eine Reichweite von bis zu 528 Kilometern und eine famose Ladezeit von 18 Minuten angibt, um von zehn auf 80 Prozent zu kommen. Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat den schicken E-Crossover mit sportlichem Antrieb und pfiffigen Extras in Andalusien getestet.

Ein Elektroauto mit 229 PS und einem maximalen Drehmoment von 350 Newtonmeter mit gerade mal 35 Prozent Ladestand durch einen Handlingkurs zu jagen, scheint gewagt. Der erste Weg führt also zu einem High-Power-Charger von Ionity. Für eine Pause an der nahen Raststätte reicht der Stopp, es sollte aber nicht mehr als ein Espresso sein. Mit einer maximalen Ladeleistung von 240 kW sind die Akkus binnen 17 Minuten von 28 auf beruhigende 85 Prozent aufgeladen.

Der Innenraum zeigt sich mit seinen beiden Zwölf-Zoll-Displays modern, aber nicht zu futuristisch. © Kia

Der knapp 4,70 Meter lange EV6 lässt sich an, eigentlich Elektroautos der Oberklasse vorbehaltenen, 800- sowie auch an 400 Volt-Ladestationen anschließen. Die Antriebsvarianten sind entweder heckgetrieben (270 und 229 PS) oder mit Allradantrieb (235 und 325 PS). Die Einstiegsmotorisierung ist mit einer 58-kW-Batterie kombiniert, alle anderen Antriebsvarianten kommen mit einem 77,4-kWh-Akku. Für das nächste Jahr kündigt Kia ein Spitzenmodell mit 585 PS an, was den Mittelklassestromer zu einem Supersportwagen mutieren lassen dürfte.

Das schicke Heck dominiert ein LED-Leuchtenband, das sich wie eine Sichel um den Kofferraum legt. © Kia

Doch für den Alltag reicht eigentlich schon die 229 PS starke heckgetriebene Variante des EV6 aus. Zum Bremstest auf dem abgesperrten Handlingkurs tritt der knapp zwei Tonnen schwere asiatische Stromer leichtfüßig und agil an. In 7,3 Sekunden gelingt der Spurt von 0 auf 100 km/h; zuverlässig unterbrochen von kräftig zupackenden Bremsen. Die Tempolimitierung von 185 km/h liegt für ein Elektroauto dieser Klasse im oberen Bereich.

Anders als das eher kantige und nüchterne Schwestermodell Hyundai Ioniq5, das auf der gleichen Plattform steht, aber einen etwas längeren Radstand hat, zeigt sich der Kia EV6 in einer auffallend emotional und elegant gezeichneten Hülle. Der neue Konzern-Chefdesigner Luc Donckerwolke, der früher für den Volkswagen-Konzern arbeitete, ließ sie in Anlehnung an den legendären Lancia Stratos zeichnen und modellieren. Das seinerzeit von Bertone gestylte Sport- und Rallyeauto gilt auch heute noch als eine der Design-Ikonen der 1970er Jahre.

Anders als viele Mitbewerber setzen die Koreaner bei ihrem ersten reinen Elektroauto nicht auf ein SUV-Konzept, sondern auf eine mit 1,55 Metern Höhe relativ flache Karosserie, die mit einem auch optisch niedrigen Schwerpunkt an einen Shooting Brake erinnert. Der Innenraum bietet bei einem Radstand von 2,90 Metern reichlich Platz für Passagiere und Gepäck. Der Kofferraum fasst 520 bis 1300 Liter, es gibt jede Menge Ablagen und zusätzlich noch einen kleinen Frunk (zusammengesetzt aus trunk und front), also einen kleinen Kofferraum unter der Fronthaube.

Dort findet sich auch neben dem Aufladekabel auch ein Adapter, über den man den Stromer entweder mit einem anderen Stromer, mit einer Kaffeemaschine oder einem Laptop verbinden kann. Der Kia EV6 kann nämlich durch seine intelligente Rekuperation, deren Elektronik in Abhängigkeit von Abstand, Tempo, Topografie und Streckenbeschilderung die maximale Effizienz regelt, im Akku gespeicherte Energie auch wieder abgeben. Sehr löblich. Auch das Thema Nachhaltigkeit nimmt Kia ernst. Pro Fahrzeug hat man 100 PET-Flaschen recycelt, um daraus die Sitzbezüge hinten zu fertigen.

Passend zum grünen Gewissen ertönt jetzt aus den 15 Lautsprechern der Premium-Audio-Anlage aus dem Hause Meridian Vogelgezwitscher. Alternativ sorgen ein Kaminfeuer, Meeresrauschen oder das Gemurmel in einem Straßencafe für eine gehörige Portion Ausgeglichenheit während der Fahrt über die Serpentinen hinauf nach Ronda. Der straff abgestimmte EV6 beeindruckt mit kraftvollem, gleichmäßigem Schub aus dem Heck und durcheilt die Kurven sportlich. Die leichtgängige Lenkung könnte etwas mehr Rückmeldung vertragen und das Navigationssystem etwas sorgfältiger arbeiten.

Den Kia EV6 gibt es zum Preis von ab 44. 900 Euro. Zieht man die Förderprämie ab, kostet er 35.420 Euro.

Technische Daten Kia EV6 RWD

Länge / Breite / Höhe: 4,68 / 1,79 / 1,88 Meter

Antrieb: Elektromotor, 168 kW / 229 PS, 350 Nm max. Drehmoment

Batteriekapazität / Reichweite nach WLTP: 77,4 kWH/ 528 km

Ladeleistung AC: bis 10,5 DC: bis 240 kW

Beschleunigung: 7,3 von 0 auf 100 km/h

Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h (abgeregelt)

Energieverbrauch: 17, 2 kW auf 100 km (WLTP)

Preis: ab 44.900 Euro

Solveig Grewe / mid