
Von Ayhan Güneş – 07.48 Uhr
Freiberg/Heilbronn – Jetzt ist aus einer Absicht ein politischer Beschluss geworden. Der Heilbronner Gemeinderat hat am 26. März entschieden, das Frankenstadion für eine künftige Profi-Fußball-Nutzung auszubauen und dem SGV Freiberg ab der Saison 2026/27 als Trainings- und Heimspielstätte per Mietvertrag zur Verfügung zu stellen. Das gilt nicht nur für den Fall eines Aufstiegs in die 3. Liga, sondern ausdrücklich auch dann, wenn der aktuelle Regionalliga-Tabellenführer in der vierten Liga bleibt.
Damit ist klar: Heilbronn meint es ernst. Und der SGV Freiberg bekommt genau die Bühne, die ihm in Freiberg bislang fehlt.
4,3 Millionen Euro für Flutlicht, Rasenheizung und mehr Plätze
Damit das Frankenstadion drittligatauglich wird, sind mehrere zentrale Umbauten vorgesehen. Der Gemeinderat hat dafür einen Kostenrahmen von 4,3 Millionen Euro beschlossen. Geplant sind der Bau einer leistungsfähigen Flutlichtanlage, eine Rasenheizung sowie die Erweiterung der Tribünenkapazität von derzeit 1200 auf 2000 Sitzplätze. Das Projektmanagement übernimmt die Stadtsiedlungs-Tochter WTZ GmbH.
Der Beschluss ist damit weit mehr als eine symbolische Unterstützung für einen möglichen Aufsteiger. Heilbronn investiert konkret in eine neue Rolle als Fußballstandort mit überregionalem Anspruch.
Heilbronn setzt auf Strahlkraft – der SGV auf Zukunft
Die politische Botschaft hinter dem Beschluss ist eindeutig. Stadt und Gemeinderat sehen im Engagement des SGV Freiberg nach eigenen Angaben „gute Entwicklungschancen für den Heilbronner Fußball“. Zugleich, so die Stadt, erhöht Profi-Fußball mit namhaften Gegnern die Attraktivität Heilbronns als Sportstadt insgesamt.
Für den SGV ist die Entscheidung ein weiterer Meilenstein in einer Entwicklung, die schon länger erkennbar war. Das Wasenstadion in Freiberg gilt seit geraumer Zeit nicht als drittligatauglich, der Verein sucht seit Monaten nach einer tragfähigen Perspektive für den Profibereich. Jetzt ist diese Perspektive politisch abgesichert.
Mietvertrag gilt auch für die Regionalliga
Besonders bemerkenswert ist ein Detail, das für die strategische Tragweite des Beschlusses entscheidend ist: Der Mietvertrag soll auch dann gelten, wenn der SGV den Sprung in die 3. Liga nicht schafft. Das heißt im Klartext: Heilbronn wird nicht nur zur Ausweichlösung für einen Aufstiegsfall, sondern zur künftigen Heimspieladresse der ersten Mannschaft – ligaunabhängig.
Genau darin liegt der eigentliche Umbruch. Denn damit wird der Wechsel nach Heilbronn nicht nur infrastrukturell, sondern auch identitär zementiert.
Was wird aus den bisherigen Nutzern des Frankenstadions?
Die Stadt versucht zugleich, mögliche Konflikte mit den bisherigen Nutzern des Frankenstadions abzufedern. Schul- und Vereinssport sollen laut Beschluss auch künftig im bisherigen Umfang möglich bleiben. Für alle bisherigen Nutzer sollen „adäquate Lösungen“ sichergestellt werden.
Die Leichtathletikanlage bleibt der Leichtathletikabteilung der TSG Heilbronn erhalten. Vorgesehen ist eine Sanierung der Laufbahn bis spätestens 2027, Förderanträge wurden bereits gestellt.
Auch für den VfR Heilbronn soll der Trainings- und Spielbetrieb im Frankenstadion in enger Abstimmung mit dem künftigen Nutzer SGV Freiberg gesichert werden. Zusätzlich plant die Stadt neue Trainingsflächen im Bereich der Freizeitwiese am Stadion sowie die Ertüchtigung der Nebenplätze, um für Jugend- und Aktiventeams des VfR verlässliche Bedingungen zu schaffen.
Die Stadt kündigt ausdrücklich an, die Zusammenarbeit zwischen beiden Vereinen zu begleiten und zu moderieren.
Mehr als ein Stadionwechsel
Der Beschluss des Heilbronner Gemeinderats ist damit mehr als ein klassisches Infrastrukturprojekt. Er verändert die Landkarte des Fußballs in der Region. Der SGV Freiberg bekommt ein Stadion mit Profi-Perspektive. Heilbronn bekommt die Aussicht auf hochklassigen Fußball. Und gleichzeitig beginnt eine neue Phase voller offener Fragen.
Denn noch immer ist unklar, wie sich der Verein künftig zwischen Freiberg und Heilbronn definiert. Die Jugend soll nach bisherigen Angaben in Freiberg bleiben. Die erste Mannschaft zieht nach Heilbronn. Dazu kommt die noch offene Frage des künftigen Vereinsnamens. Die Stadt Heilbronn hatte dazu bereits erklärt, dass es sich um eine Absichtserklärung handelt und die konkrete Namensform Gegenstand weiterer Verhandlungen sein werde.
Mit dem Gemeinderatsbeschluss ist nun aber eines unmissverständlich: Der Umzug des SGV Freiberg nach Heilbronn ist keine lose Idee mehr. Er wird Realität.
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