„Hier bin ich zu Hause, aber im Herzen bin ich auch immer noch Spanier“ – Luciano Moral im Gespräch mit Ludwigsburg24

Mitten im Ditzinger Industriegebiet steht ein unauffälliges, weißes Häuschen, hinter dessen Haustür sich das kreative Reich des spanischen Malers Luciano Moral befindet. Hier lebt und arbeitet der fast 74-jährige Künstler aus Avila, seit er vor knapp sieben Jahren Stuttgart verlassen hat. In seinem Atelier entstehen Bilder, die die Gedanken- und Gefühlswelt des Malers sehr expressiv widerspiegeln. „Ich male ausschließlich Menschen. In meinen Bildern beschäftige ich mich mit deren Emotionen und Geschichten und mache dabei oftmals auf die Vielgesichtigkeit und Maskierung im Umgang miteinander aufmerksam“, beschreibt Moral seine Kunst, die von einer Begegnung im jungen Alter von 14 Jahren mit dem spanischen Künstlergenie Pablo Picasso inspiriert ist. Sein guter Freund Matthias Kleinert, einst Regierungssprecher von Lothar Späth, beschreibt den Stil von Moral wie folgt: „Es ist eine Mischung aus Symbolismus und Kubismus, ich würde seinen Stil aber eher als Moralismus bezeichnen.“ Moral gefiel das so gut, dass er diesem Begriff für seine Malerei treu geblieben ist.

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Dass er neben Talent auch noch ein großes Herz hat, beweist Moral schon seit mehr als zwanzig Jahren. Regelmäßig macht er Kunstprojekte mit benachteiligten Kindern in einer Ditzinger und einer Kornwestheimer Förderschule. Bewegt erzählt er im Interview, warum er mit den Jugendlichen arbeitet und welch wichtige Rolle die Kunst in deren Leben inzwischen spielt.

Ein Interview von Patricia Leßnerkraus

Patricia Leßnerkraus: Herr Moral, für viele Maler ist Malen eine brotlose Kunst. Können Sie von Ihrer Malerei leben?

Inzwischen kann ich von der Malerei leben, aber das eine oder andere Bild habe ich die letzten 50 Jahre auch schon verschenkt. Ich gebe zu: Was meine eigenen Bilder anbelangt, bin ich ein schlechter Händler. Für andere Menschen kann ich tolle Preise herausholen, für meine eigenen Sachen bin ich ein miserabler Verkäufer. Inzwischen habe ich eine reizende Agentin, die sich für mich um alles kümmert. Sie sagt immer: „Luciano, Du sollst malen, vom Geschäft hast Du keine Ahnung.“

Wie entstehen Ihre Bilder? Stehen Sie morgens auf und haben eine Idee im Kopf?

Ich habe in der Regel ein Thema, wie z.B. zuletzt „Die Umarmung“, woraus ich eine Serie gemacht habe. Dann fange ich einfach ein Bild an und habe überhaupt keine Ahnung, wie es am Ende aussehen wird. Es hängt immer davon ab, in welchem emotionalen Zustand ich mich befinde und den versuche ich auf der Leinwand zu verwirklichen. Wenn das Bild fertig ist, kann es manchmal sogar sein, dass ich von meinem Thema ganz weit weg bin.

Heißt das, dass man Ihnen gar keinen konkreten Auftrag geben kann?

Ich nehme schon Auftragsarbeiten an, egal ob für Bilder oder für Weinetiketten. Aber die Erwartungen des Auftraggebers dürfen nicht zu konkret sein. Am besten ist, der Kunde sagt: „Luciano, ich weiß, wie Du malst, ich brauche von Dir ein Bild für mein Wohnzimmer.“ Dann male ich, aber ich muss in meiner Gestaltung frei und unabhängig sein dürfen.

Ich male auch Porträts, am liebsten von Frauen. Aber ich male sie nicht so, wie sie tatsächlich aussehen, sondern so, wie ich sie sehe. Dafür sollte ich die betreffende Person allerdings ein bisschen kennen.

Angeblich sollen Sie von Ihrem Kunstprofessor erst gelobt worden sein, als sie wutentbrannt ein fieses Porträt über ihn gemalt haben.

Ja, das stimmt. Egal, welches Bild ich auch malte und ihm vorlegte, er war nie zufrieden. Er schaute drauf, sagte lapidar „schön“ und zerriss es dann vor meinen Augen. Ich war irgendwann so wütend darüber, dass ich ihn mit all meinen hochkochenden Gefühlen so richtig fies auf Papier verewigt habe. Ich habe das Bild dann bei ihm aufgehängt und gedacht, dass er mich vor Zorn umbringen wird. Aber er reagierte ganz anders, sagte: „Genau so musst Du malen, das wollte ich erreichen. Vergiss alles, was Du bisher gemacht hast. Du musst malen, was aus Deinem Bauch kommt. Ich will Dir nicht das Malen beibringen, sondern ich will Dir zeigen, wie Du Dich selbst findest, damit Du weißt, was Du malen willst.“ Das war für mich die Initialzündung gewesen. Seither kommen alle Werke aus der Tiefe meines Innersten. Ich bin in jedem Bild drin, in der Form, in der Farbe, im Thema.

Steckt ein Teil von Ihnen auch in dem Bild mit dem Harlekin?

Ja, darin steckt auch sehr viel Luciano. Als ich 14 Jahre alt war, bin ich von daheim weggelaufen, weil ich mich in eine Tänzerin eines ungarischen Zirkus verliebt hatte. Fünf Monate habe ich mich diesem Zirkus angeschlossen, habe mich dort nützlich gemacht und bin mit von Ort zu Ort gezogen. Der Harlekin symbolisiert genau diese Lebensphase von mir.

Auf vielen Ihrer Werke sieht man mehr oder weniger direkt eine Uhr und/oder einen Stuhl. Was haben diese Motive zu bedeuten?

Das sind in der Tat meine ganz typischen Symbole, die fast auf jedem Bild zu finden sind. Die Uhr ist das Leben, der Stuhl steht für Freundschaft oder Geduld. Aber mein Hauptmotiv sind und bleiben Menschen. Ich zeige in meinen Bildern ihre vielen unterschiedlichen Gesichter. Von daher hat meine Malerei durchaus auch etwas Entlarvendes.

Sind Sie kritisch den Menschen gegenüber?

Meine Haltung den Menschen gegenüber ist immer gut. Mir selbst gegenüber bin ich jedoch kritisch. Ich liebe mich selbst und bin durchaus stolz auf mich, aber eben auch kritisch. Mein Anspruch ist, immer das Beste aus mir rauszuholen.

Was bei Ihren Werken noch auffällt, ist die Wahl Ihrer Farben. Sie arbeiten immer in verschiedenen Weiß-Grau-Schwarz und Rottönen, bisweilen kombiniert mit variierenden Brauntönen. Andere Farben findet man so gut wie nie, warum?

Meine Symbolfarben sind Rot und Schwarz, die spanischen Farben, das Heimweh, das mir geblieben ist. Schwarz ist die Schwermut und Trauer, Rot symbolisiert das Temperament. So bin ich auch immer angezogen, komplett in Schwarz und dazu irgendein roter Akzent. Bei meinen Werken in Braun überwiegen Terracottatöne.

Wie haben Sie die Corona-Pandemie überstanden? Haben Sie während dieser Zeit überhaupt Bilder verkauft?

Mich hat Corona bislang verschont und ich bin auch zweifach geimpft. Das ist erstmal das Wichtigste. Als Künstler war Corona hart, denn mir wurden sieben oder acht Ausstellungen abgesagt, durch die ich meine Bilder hätte verkaufen können. Zum Glück verkaufe ich auch privat, z.B. wenn ich Gäste zu spanischen Tapas-Abenden ins Atelier einlade. Manche kommen und genießen nur den Abend, andere nehmen dann auch gleich noch ein Bild mit. Diese Einladungen waren natürlich während Corona kaum der Fall, aber gelegentlich habe ich trotzdem mal ein Bild verkauft. Sagen wir so: Ich konnte leben, musste weder mein Auto verkaufen noch hier ausziehen. Deshalb beklage ich mich nicht.

Als Privatmann kann ich der Pandemie sogar positive Seiten abgewinnen. Ich hatte sehr viel Zeit für mich und habe mich gefunden. Ich rauche jetzt fast zwei Jahre nicht mehr, höre viel und intensiv Musik, wofür ich vorher nie Zeit hatte. Jeden Tag mache ich Gymnastik und anderen Sport und ich nehme mir Zeit zum Essen, decke den Tisch ein mit Serviette und Weinglas, richte meinen Teller schön. Ich genieße mein Leben jetzt anders.

Hat Corona Sie als Künstler verändert?

Nein, als Künstler hat mich Corona überhaupt nicht verändert. Mein Stil und meine Lust zu malen sind geblieben. Die Pandemie hat mich nur als Mensch etwas verändert.

Ein Künstler bekommt seine Impulse in der Regel von dem, was er sieht, was er hört, was er erlebt. Wo kamen Ihre Impulse während des langen Lockdowns her?

Ich bin Künstler durch und durch, brauche meine Theater-, Oper- und Ballettbesuche. Das ging während Corona nicht, also habe ich vermehrt gelesen und aus den Büchern meine Impulse erhalten. Und natürlich durch die Menschen, mit denen ich befreundet bin. Mit ihnen mache ich Karaoke, wir spielen Spiele und führen gute Gespräche. Das Wichtigste dabei ist aber der Humor und das gemeinsame Lachen. So kommen die Impulse automatisch, die ich dann in mir trage. Außerdem träume ich viel, selbst wenn ich nur ganz kurz schlafe, und die Träume finden sich dann ebenfalls wieder in meinen Bildern. Deshalb habe ich stets genügend Leinwände bei mir im Atelier, damit ich immer sofort malen kann, wenn ich einem Impuls folgen muss.

Wie lange malen Sie, bis Sie ein Werk vollendet haben?

In der Regel schaffe ich ein Bild an einem Tag, aber dann muss ich schon durchmalen. Will ich ein Doppelbild oder eine Trilogie fertigen, muss ich die Bilder parallel malen wegen der Farben. Dadurch, dass ich die Farben aus Tusche, Tempera oder Acryl selbst mische, bekomme ich den Farbton ein paar Tage später sonst nicht mehr exakt hin.

Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie von der Malerei nicht hätten leben können?

Die Frage lässt sich leicht beantworten, denn dann wäre ich garantiert Gastronom geworden, so wie alle anderen Mitglieder meiner Familie. Mein Vater hatte noch zehn Geschwister, alle waren Gastronomen mit eigenem Restaurant. Meine Mutter hatte sechs Geschwister, von denen auch jeder ein eigenes Lokal hatte. Meine Eltern hatten ein Traditionslokal mit sechzehn Mitarbeitern. Aber keines ihrer Kinder wurde Gastronom.

Hätte Ihnen denn Gastronomie als Alternative gefallen?

Als ich jung war, hätte ich mir das nicht vorstellen können, obwohl die Leute mich immer mochten, wenn ich bei meinen Eltern im Service geholfen habe. Aber ich wollte frei und ungebunden sein und nicht wie meine Eltern morgens um 6.00 Uhr aufstehen und bis in den späten Abend arbeiten. Heute würde ich hier gerne ein Lokal aufmachen, aber auf meine Art. Klein, fein und ganz locker, mit spanischem Käse und Schinken, ab und zu eine Paella oder Tortilla, dazu leckeren Wein.

Aber Ihr Vater war doch bestimmt stolz auf Sie, als er von Ihren Erfolgen als Maler erfahren hat.

Nein, er hat ziemlich wenig von mir gewusst. Er war ein resoluter Geschäftsmann, ein kleiner Diktator. Ich war das einzige seiner Kinder, das ihm energisch entgegengetreten ist und gesagt hat: „Stopp, ich bin achtzehn, jetzt brems Dich mal bitte.“ Ich habe ein Stipendium bekommen und bin von daheim weggegangen. Ich habe zunächst in Avila, Barcelona und Madrid studiert, bevor ich nach Paris gegangen bin. Als Künstler hat er mich nie akzeptiert, denn für ihn bedeutete das Künstlerdasein, eine Bohème zu sein. Für ihn war Maler kein richtiger Beruf.

Sie arbeiten ehrenamtlich mit Jugendlichen zusammen. Um was geht es dabei konkret?

Ich arbeite insgesamt mit 50 benachteiligten Kindern und Jugendlichen im Alter von acht bis fünfzehn. Seit 20 Jahren in der Wilhelmschule in Ditzingen und zusätzlich seit rund 18 Jahren in der Eugen-Bolz-Schule in Kornwestheim, beides sind Förderschulen. Ich unterrichte aber nicht, weil ich kein Lehrer bin. Ursprünglich habe ich jeweils für den Nachmittag eine Kunst AG gegründet. Doch das Engagement kam so gut an, dass ich in Ditzingen inzwischen jeden Mittwoch von 9.00 Uhr bis 14.00 Uhr bin und mit allen Klassen an verschiedenen Projekten arbeite.

Um welche Projekte geht es dabei?

Ich habe mit den Schülern beispielsweise schon eigene Bilderbücher gestaltet mit ihrem Autorenfoto auf dem Buchrücken. Jetzt in der Vorweihnachtszeit basteln wir wieder schöne Weihnachtskarten, die wir dann an Freunde, Schüler oder Lehrer verkaufen. Von dem eingenommenen Geld gehe ich mit den Kindern hinterher Pizza essen. Darüber freuen sie sich immer sehr.

Was ist Ihre Intention für dieses Engagement?

Es handelt sich dabei meist um Kinder mit Migrationshintergrund, die zum Teil Schreckliches erlebt haben, die traumatisiert sind und auch vom Elternhaus nicht gefördert werden. Deshalb möchte ich ihnen das Gefühl geben, dass auch sie wertvoll sind, obwohl sie vielleicht nicht perfekt lesen, schreiben, rechnen oder malen können. Sie sollen durch die verschiedenen Projekte zudem die Möglichkeit haben, sich zu öffnen und ihre eigenen Emotionen, Gedanken und Ängste auszudrücken, ohne Worte benützen zu müssen. Aber ich bringe ihnen auch ein gewisses Grundwissen über Farben und ihr Zusammenwirken bei.

Warum sind Sie eigentlich 1970 nach Deutschland gekommen?

Ich war Student der 68er in Madrid, habe massiv gegen Staatschef Franco demonstriert. Gemeinsam mit anderen Studenten wurde ich festgenommen und als Strafe hat der Staat uns allen das Studium gestrichen. Daraufhin ging ich nach Paris und konnte als Gast der Kunstakademie, also ohne Immatrikulation, mein Studium beenden. In dieser Zeit habe ich meine erste Frau kennengelernt. Sie war Spanierin wie ich und war in der Nähe von Rottweil in Deutschland Sprachlehrerin für Gastarbeiterkinder. Ich selbst hatte dort ein Angebot als Karikaturist bekommen, welches ich annahm. Die Beziehung zerbrach leider bereits nach zwei Jahren, weil wir wahrscheinlich noch zu jung waren.

Sie sind trotzdem in Deutschland geblieben und nicht wieder nach Spanien zurück?

Ich wäre auf keinen Fall nach Spanien zurück, da Franco zu diesem Zeitpunkt noch lebte. Und solange er lebte, galt ich als Revolutionär, sowohl in Spanien als auch beim spanischen Konsulat in Deutschland. Aber ich bin natürlich auch der Liebe wegen in Rottweil geblieben, denn ich hatte eine Ärztin kennengelernt, die ich dann geheiratet habe. Sie ist die Mutter meiner ältesten Tochter.

Es scheint, Sie lieben die Frauen…

Frauen sind in meinem Leben das Allerwichtigste. Jeder erfolgreiche Mann hat eine Frau hinter sich, egal ob Ehefrau, Freundin, Mutter oder Schwester. Ich kann mir ein Leben ohne Frauen definitiv nicht vorstellen und komme mit allen Frauen gut aus. Frauen sind für mich als Künstler die Musen, ohne, dass ich sie malen muss.

Nach langen 50 Jahren in Deutschland haben Sie inzwischen sicherlich die deutsche Staatsangehörigkeit?

Nein, ich hätte sie beantragen können, vor allem, weil ich hier wirklich zu Hause bin. Meine Kinder leben in Deutschland, ebenso meine ganzen Freunde. Aber im Herzen bin ich doch immer auch noch Spanier.

Was ist denn typisch spanisch an Ihnen und was typisch deutsch?

Das Spanische an mir ist, dass ich ein sehr stolzer Mensch bin, nicht arrogant, aber stolz. Doch ich fühle mich zu achtzig Prozent als Deutscher. Ich träume auf Deutsch, denke auf Deutsch und bin ein sehr korrekter, sehr pünktlicher Mensch und erwarte dies umgekehrt von anderen Menschen. Die Pünktlichkeit habe ich zu hundert Prozent von den Deutschen übernommen, denn Spanier kommen typischerweise immer eine Stunde später.

„Die Politik hat an Vertrauen verloren“ – Im Gespräch mit Landrat Dietmar Allgaier

Als Dietmar Allgaier vor zwei Jahren als neuer Chef im Landratsamt antrat, war er voller Elan und sprühte vor Ideen für das neue Amt. Damals ahnte er jedoch noch nicht, dass ein unbekannter Virus nicht nur sein eigenes berufliches Wirken, sondern unser aller Leben massiv beeinflussen würde. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie zieht der 56-jährige Kornwestheimer Bilanz und wagt einen vorsichtigen Ausblick in die Zukunft.

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Ein Interview von Ayhan Güneş und Patricia Leßnerkraus

LUDWIGSBURG24: Herr Allgaier, inzwischen sind zwei Jahre seit Ihrem Amtsantritt vergangen. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Dietmar Allgaier: Mir ist es so vorgekommen, als wäre die Zeit im Nu verflogen. Das liegt daran, dass im März 2020 plötzlich alles im Krisenmodus versank und das gewohnte politische Alltagsleben gar nicht mehr stattgefunden hat. Heute frage ich mich tatsächlich, wo die Zeit geblieben ist.

Sie haben die Amtsgeschäfte im Januar 2020 mit großer Lust und Freude aufgenommen. Was ist davon übriggeblieben?

Natürlich habe ich noch immer sehr viel Freude an dem Amt, zumal der Landkreis zukünftig nicht nur strategisch vor großen, durchaus positiven Herausforderungen steht. Aber ich gebe zu, dass meine ursprünglichen Vorstellungen von meiner Arbeit ganz andere waren. Die Position des Landrats lebt doch schließlich auch davon rauszugehen zu den Menschen, alle Städte und Gemeinden des Landkreises zu besuchen und kennenzulernen, ebenso alle wichtigen Institutionen aufzusuchen, bei Veranstaltungen präsent zu sein. Das alles hat sich wegen Corona gar nicht entwickeln können.

Sie sagten einmal, dass das Amt des Landrats auch deshalb gut zu Ihnen passt, weil Sie ein sehr kontaktfreudiger Mensch sind. Wie gleichen Sie diese durch Corona fehlenden sozialen Kontakte aus?

Natürlich fehlen mir die Kontakte zu den Menschen, aber da geht es mir nicht anders als vielen in unserer Gesellschaft. Das Aufeinandertreffen, die Gespräche, der Austausch bei einem gemütlichen Gläschen Wein, all das fehlt total. Aber ich möchte zugleich nicht verhehlen, dass ich gerade aufgrund dieses Mankos die Strukturen und Prozesse im Landratsamt viel schneller erfassen konnte. Dadurch, dass wir ab März 2020 quasi in den Krisenmodus verfallen sind und fast ausschließlich Krisenmanagement erforderlich war, habe ich natürlich die Mitarbeiter*innen im Haus an unterschiedlichsten Stellen viel schneller kennengelernt als das zu normalen Zeiten der Fall gewesen wäre.

Familiär war das auch nicht einfach. Meine Schwiegereltern und auch meine Mutter sind achtzig und älter. Bis zu den Impfungen war jeder persönliche Kontakt sehr schwierig, weshalb wir uns dann alle gemeinsam sonntagabends virtuell zusammengefunden haben, aber das ersetzt ja den richtigen Kontakt nicht.

Haben Sie während Corona etwas Positives für sich entdecken können?

Ja, das habe ich tatsächlich. Zu den Aufgaben eines Landrats, Oberbürgermeisters oder Bürgermeisters gehören viele Abend- sowie Wochenendtermine, die plötzlich alle entfallen waren. Gut, anfangs war ich wegen des Krisenmanagements viel und lange im Landratsamt, auch am Wochenende, da unser Gesundheitsamt sowie unser Bevölkerungs- und Katastrophenschutz sieben Tage die Woche ununterbrochen im Einsatz waren. Trotzdem blieb mir in den letzten zwei Jahren viel mehr Zeit mit meiner Familie, die wir intensiv und mit Spaziergängen oder Fahrradtouren verbracht haben.

Ihre ältere Tochter war 2020 als Au-pair in Amerika. Wie ging es Ihnen damit als Vater?

In mir war schon die große Sorge, dass ich nicht einfach zu ihr fliegen kann, um sie zu unterstützen oder zu helfen, falls irgendetwas sein sollte. Wir haben uns aber regelmäßig digital ausgetauscht. Sie blieb während der gesamten Pandemie dort und zum Glück ging alles gut. Inzwischen ist sie wieder zurück in Deutschland und studiert in Frankfurt.

Was haben Sie – außer den sozialen Kontakten – während der Pandemie am meisten schmerzlich vermisst?

Ich möchte dies gerne mit einer Gegenfrage beantworten, die mich beschäftigt: Werden wir wieder zurück zur alten Normalität kommen oder werden wir in eine neue Normalität gehen nach dem Ende der Pandemie?

Was wäre für Sie die neue Normalität?

Die Menschen haben sich während Corona ihre privaten Nischen gesucht und auch besetzt. Früher ist man gemeinsam zu Sport-Events, hat Kulturveranstaltungen oder Vereinsfeste besucht, ist ins Kino gegangen. Wir stellen jetzt fest, dass die Menschen noch immer ängstlich und zurückhaltend sind selbst bei den Möglichkeiten, die jetzt schon wieder gegeben sind. Viele haben sich ihr Leben neu ausgerichtet mit ihrem Zuhause, Garten, Terrasse oder Balkon und mit der Familie. Der Besuch einer Sportveranstaltung oder der Film im Kino wird kompensiert mit beispielsweise einem Sky-Abo. Der komplette Digitalbereich hat sich von heute auf morgen immens weiterentwickelt, deswegen glaube ich, dass vieles von all dem nach der Pandemie bleibt. Dazu gehören ebenso die Bereiche Homeoffice, Digital Learning, Video-Konferenzen, Zoom-Calls. Wobei ich immer noch ein Verfechter des persönlichen Austauschs bin bei bestimmten Thematiken. Aber manches kann man tatsächlich digital klären, was eine enorme Zeitersparnis in den Arbeitsabläufen bringt, ganz abgesehen von den Umweltbelastungen, die Autofahrten und Flüge für Vorort-Termine mit sich bringen.

Glauben Sie, dass die durch Corona entstandenen Umstrukturierungen in der Arbeitswelt ebenfalls zur neuen Normalität gehören werden?

Davon ist auszugehen und Homeoffice ist nur ein Teil davon. Viele Unternehmen haben bereits völlig neue Arbeitskonzepte entwickelt – von Desk-Sharing über Mehrfachbelegung von Arbeitsplätzen bis hin zur insgesamten Veränderung der Work-Life-Balance.

Werden Sie auch an den hier stattgefundenen Veränderungen festhalten?

Grundsätzlich ja, aber wir werden alles mit Maß übernehmen. Wenn es sich um Erstkontakte oder gar Vorstellungsgespräche handelt, werden wir mit Sicherheit wieder zum persönlichen Kontakt zurückkehren. Ich finde, sie sind nicht ersetzbar in digitaler Form. Man braucht dafür eine gewisse Atmosphäre und muss den Menschen kennenlernen. Auch schwierige Verhandlungen, wie beispielsweise in jüngster Zeit zum Thema Müll, führen sich einfach leichter, wenn man die betreffenden Gesprächspartner am Tisch hat und sich gegenseitig in die Augen schauen kann.

Hat sich durch Corona Ihr persönliches Wertesystem verschoben?

Mein persönliches Werteempfinden hat sich nicht wesentlich verschoben. Ich stelle eher mit einer gewissen Sorge fest, dass sich das Werteverständnis in unserer Gesellschaft insgesamt verschoben hat.

Inwiefern?

Ich sehe mit Sorgen die Entwicklung der Kleinsten durch die Pandemie, wenn man bedenkt, dass seit fast zwei Jahren Kinder entweder gar nicht oder nur digital beschult wurden und Kindergartengruppen geschlossen wurden mussten. Das alles nimmt schon Einfluss auf die Entwicklung. Ich fürchte auch, dass die Pandemie Vertrauen vor allem in die Politik verwirkt und mit zu einer gesellschaftlichen Spaltung geführt hat.

Bekommen Sie den Frust der Menschen zu spüren, die sich von der Politik nicht mehr mitgenommen fühlen oder gar nicht mehr erreicht werden?

Während Corona gab es auch viele kritische und auch unflätige Briefe, aber zum Glück waren sie nicht persönlich beleidigend. Es kamen aber ebenso viele sachliche Briefe von Menschen, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Wir haben versucht, diese Briefe immer zeitnah zu beantworten. Aber ich stimme zu, dass man die Menschen nicht mehr erreicht und stelle gleichzeitig mit Sorge fest, dass sie teils gar nicht mehr erreicht werden wollen. Bei den Themen, die sie persönlich berühren oder betreffen, klappt das noch, aber alle anderen Themen laufen ins Leere. Die Abonnements der Printmedien sind stark rückläufig, Kommunikation findet fast nur noch in den Sozialen Medien statt, wo oftmals die Grenze des gegenseitigen Respekts sehr niedrig ist. Eine Tastatur zu bedienen ist halt sehr viel leichter als dem Gegenüber etwas ins Gesicht zu sagen. Wir haben leider die Fürsorge, die wir früher füreinander hatten, verloren und das soziale Miteinander leidet.

Haben Sie Verständnis für Kolleg*innen in ähnlichen Positionen, die aufgrund des Hasses und der Wut aus der Bevölkerung von ihren Ämtern zurückgetreten sind?

Ich habe durchaus Verständnis für diese Kolleginnen und Kollegen, denn so etwas zehrt an einem, vor allem wenn auch der private Bereich und somit die Familie davon betroffen ist. Wir leben in einer Demokratie mit freier Meinungsäußerung, aber es gibt natürlich Grenzen. Der Staat muss da handeln, wo diese rote Linie überschritten wird. Das erwarte ich vom Staat und dafür brauchen wir keine verfassungsrechtliche Veränderung. Die verbalen Angriffe gingen jedoch nicht nur gegen politische Mandatsträger. Klinikpersonal wie Ärzte, Schwestern, Pfleger waren ebenso betroffen wie die Polizei oder Verantwortliche im Sport. Deshalb sollten wir daran arbeiten, das soziale Miteinander wieder stärker zu fördern und versuchen, die Menschen nach der Pandemie und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Spaltung wieder zusammen zu bringen.

Beschreiben Sie doch bitte in ein paar Sätzen den aktuellen Zustand des Landkreises Ludwigsburg.

Aus meiner Sicht ist der Landkreis in einer stabilen Verfassung. Die wirtschaftlichen Einbrüche bei unseren Unternehmen, aber auch im Allgemeinen und in den öffentlichen Haushalten sind nicht so stark eingetroffen wie ursprünglich von uns befürchtet, gleichwohl es selbstverständlich Bereiche gibt, die unter der Pandemie sehr stark gelitten haben. Mir liegt die Inflation weit mehr im Magen. Wir wissen noch nicht wie uns die langfristigen Folgen dieser Pandemie monetär treffen und wohin wir die nächsten zwei, drei Jahre steuern. Wir sind hier alles in allem gut durch die Pandemie gekommen, leider haben wir jedoch den Tod von 600 Menschen zu beklagen, was sehr, sehr traurig ist. Zum Glück hatten wir im Landkreis keine extremen Auswüchse der Inzidenzen nach oben zu beklagen und auch keine Überbelegung der Betten im Intensivbereich. Eine negative Begleiterscheinung war allerdings, dass wir teils Berufsbereiche bis zur Belastbarkeitsgrenze führen mussten, so dass ich jetzt fürchten muss, ob wir in diesen Jobs künftig noch ausreichend Personal haben.

Was denken Sie: Haben wir den schwierigsten Teil der Pandemie jetzt hinter uns?

Ja, ich glaube schon, dass wir den schwierigsten Teil jetzt hinter uns haben, gesetzt den Fall, es kommt nicht wieder eine neue Variante. Ich halte es deshalb für richtig, der Gesellschaft jetzt wieder eine Öffnungsperspektive zu entwickeln bzw. einzuleiten. Ich appelliere dennoch an die Menschen, sich auf jeden Fall impfen und auch boostern zu lassen, da es meistens die Ungeimpften sind, die auf der Intensivstation landen. Impfstoff ist ausreichend vorhanden und jeder kann auch ohne Termin einfach kommen.

Sind Sie für eine Impflicht?

Anfangs hatte ich mich tatsächlich für eine allgemeine Impfpflicht ausgesprochen, weil ich davon überzeugt bin, dass die Impfung uns schützt. Ich halte sie nicht für eine Entscheidung eines jeden Einzelnen, sondern für eine Frage der Gesellschaft insgesamt, des Zusammenhalts und der Fürsorge denjenigen gegenüber, denen man begegnet. Doch hätte die Politik die Impfpflicht im Dezember 2021 entscheiden müssen. Jetzt ist sie den Menschen nicht mehr vermittelbar.

Sie haben eben die Politik angesprochen, die die Menschen nicht mehr erreicht. Welchen konkreten Vorwurf machen Sie den Politikern?

Meinem Gefühl nach ist das Vertrauen in die Kommunalpolitiker noch immer gegeben, weil man vor Ort eine direkte Form der Kommunikation mit den Bürgern führt. Doch in Berlin lief einiges schief. Die Bundespolitik war rückblickend betrachtet am überzeugendsten und klarsten zu Beginn der Pandemie, weil damals Entscheidungen stattgefunden haben. Später dann, als die Pandemie Gegenstand politischer, wissenschaftlicher und medizinischer Diskussion war, da entstand die Verunsicherung bei den Menschen, weil die Klarheit weg war. Ich bin immer für einen Diskussionsprozess, aber in einer Krise bedarf es Entscheidungen und nicht endloser Diskussionen.

Wen meinen Sie konkret, die Regierung in Berlin, die Länderchefs?

Wir haben ein föderales System, was grundsätzlich ein großes Gut in unserer Verfassung ist. Aber tatsächlich geht meine Kritik schon in Richtung Länderchefs, denn am Ende ist es so, dass zwischen Bund und Ländern in einer solchen Situation Klarheit für die Menschen bestehen muss. Wenn am Dienstag die Bund-Länder-Konferenz etwas verabschiedet und donnerstags zum Beispiel der bayerische Ministerpräsident erklärt, dass er seinen eigenen Weg geht, dann ist das nicht vertrauensbildend. Auch bei uns in Baden-Württemberg gibt es einige Kritikpunkte wie beispielsweise die schlechte Abstimmung zwischen Sozialministerium und den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Fragen der Aufgabenzuordnung, der Aufgabenteilung und der Übernahme von Verantwortung, das ist aus meiner Sicht nicht gut gelaufen.

Ein anderes Thema, das die Gemüter gerade erhitzt, betrifft die aktuelle Problematik der Müllabholung. Sind die Menschen zurecht wütend?

Ja, die Bürger sind zurecht enttäuscht, doch kennen sie leider die Verantwortlichkeit nicht. Weder die AVL noch der Landkreis organisieren den Müll, die AVL unterhält lediglich die Werkstoffhöfe und wickelt das Administrative ab. Für die Abholung und die Beseitigung des Mülls werden schon seit sehr vielen Jahren durch eine europaweite Ausschreibung Entsorgungsunternehmen beauftragt. Den Auftrag erhält der wirtschaftlichste Anbieter, der alle Kriterien erfüllt. Bei uns hat den das hochprofessionelle Unternehmen ALBA bekommen, es ist europaweit unterwegs und in Deutschland der Marktführer. Bereits vergangenen August hatte die AVL dem Unternehmen alle erforderlichen Daten und Informationen zur Verfügung gestellt. ALBA wusste also rechtzeitig, welche Touren an welchen Tagen gefahren werden müssen. Dass es dennoch beim Wechsel zu so einem erfahrenen Entsorger dermaßen große Probleme geben würde, konnte niemand erahnen. Das ist die eine Seite.

Und die andere Seite?

Das rein privatrechtlich organisierte Duale System ist hochkomplex, viele Menschen wissen darüber wenig Bescheid. Dieses System hat mit den Abfallgebühren nichts zu tun – weder die gelbe Tonne, noch der Glasmüll. Wir gehören zu einem von sehr wenigen Landkreisen in Deutschland, in denen der Glasmüll noch von Zuhause abgeholt wird. In allen anderen müssen die Bürger ihren Glasmüll zu Glascontainern bringen. Das wollten die Dualen Systeme auch bei uns erreichen. Das wäre durchaus umweltgerechter, weil an den Sammelplätzen der Glasmüll direkt nach Glasfarbe getrennt wird. Im Sinne unserer Bürger*innen konnten wir aber erreichen, dass wir auch die kommenden Jahre das Glas-Abholsystem beibehalten. Und dann ging es um die Entscheidung des Gefäßes – entweder die 120 Literbox für bestimmte Haushalte, was eine fünfte Tonne bedeutet hätte, oder aber die Box mit der Möglichkeit des Tausches. Wir haben uns dann bewusst für die Box entschieden, weil wir ein sehr dicht besiedelter Landkreis sind mit vielen Zwei- bis Dreifamilienhäusern in engen Straßen, so dass die Boxen ausreichen und keine fünfte Tonne benötigt wird. Abgemacht war außerdem, dass diejenigen, denen die Box dann doch nicht reicht, gegen eine Tonne tauschen dürfen. Daran wollte sich das Duale System nicht mehr erinnern und deshalb ist daraus ein Streit entstanden.

Wie wird das Müllproblem jetzt gelöst?

Wir haben gegen ALBA bereits eine hohe, sechsstellige Vertragsstrafe verhängt für das angerichtete Chaos. Alba hat sich aber sehr bemüht, die Probleme in den Griff zu kriegen. Sie sind zusätzliche Schichten gefahren, sie sind den ganzen Januar über samstags bis 21.00 Uhr gefahren, selbst am 6. Januar, und sie haben zusätzlich noch Fahrzeuge aus dem ganzen Bundesgebiet eingesetzt. Seither hat es sich deutlich verbessert und wird sich zeitnah gut einpendeln. Dem Dualen System haben wir jetzt einen Kompromiss vorgeschlagen, dem wohl alle Beteiligten zustimmen werden, um einen Prozess zu vermeiden.

Um die ganze Stimmung zu beruhigen, werden wir die Müll-Gebührenbescheide auch erst mit zweimonatiger Verspätung verschicken. Das gehört für mich zu dem Thema Vertrauen, Glaubwürdigkeit und Fingerspitzengefühl in die Politik. Niemand muss Angst haben, dass er zu viel zahlen muss. Es wird nur für die Leerungen bezahlt, die tatsächlich stattgefunden haben. Das können wir garantieren, da jede Tonne, die ausgeleert wird, durch einen Chip registriert wird. Dadurch ist jede Leerung nachprüfbar und der Gebührenbescheid korrekt. Wir werden aber jedem Gebührenbescheid ein Merkblatt beifügen, dass den Bürgern die Müllgebühren transparent macht und nochmal erklärt, dass für Glas und gelbe Tonne keinerlei Gebühren anfallen, sondern diese bereits an der Kasse im Super- oder Getränkemarkt durch den Kaufpreis erledigt sind.

Welche Themen werden von Ihnen in Angriff genommen, wenn die Pandemie vorbei ist oder sich zumindest beruhigt hat?

Ich möchte den Landkreis strategisch neu ausrichten. Dazu gehört, wie wir mit dem Wohnungsmangel hier umgehen. Das betrifft den bezahlbaren Wohnraum sowie die Überlegung, wie wir junge Familien in die Region bekommen, die wir auch als Fachkräfte für unsere Arbeitswelt benötigen. Für sie müssen wir die nötigen Infrastrukturen schaffen wie u.a. Kindergarten, Schule, gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Bedürfnisse der Wirtschaftsunternehmen spielen da natürlich auch mit rein, gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass wir unsere Landschaftsschutzgebiete erhalten. Diese spannende Frage müssen wir in den nächsten Jahren lösen.

Dann möchte ich das Thema Stadtbahn weiter vorantreiben, was momentan ganz gut aussieht.

Eine große Herausforderung wird die Finanzierung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Wir stecken heute schon über 50 Mio. Euro jährlich in den ÖPNV hinein. Und das muss ja irgendwie finanziert werden. Das Land möchte mehr 365 Euro-Tickets für Schüler und Jugendliche, die Taktungen sollen enger werden, die Mobilitätsgarantie soll gewährleistet sein. Das wird eine große Aufgabe.

Und eine weitere große Herausforderung wird die Veränderung der Kliniken-Landschaft, die unter unserer Trägerschaft ist. Wir müssen die bauliche Infrastruktur deutlich optimieren, wir müssen mit dem Pflegekräftemangel umgehen, wir müssen auf die neuen Herausforderungen in der Medizin reagieren und wir werden künftig viel mehr ambulante Behandlungen haben statt stationärer Aufnahmen. Wir brauchen eine Zentralversorgung, aber auch mehr spezielle medizinische Angebote, weil die Menschen sich je nach Erkrankung immer mehr an fachlichen medizinischen Leistungen orientieren.

Beim Thema Umwelt- und Klimaschutz sind wir schon seit 2015 auf einem guten Weg und mit vielen Projekten am Start wie zum Beispiel Energiesparmodelle an Schulen, Klima-Scouts für Azubis, mehr E-Ladesäulen in den Parkgaragen.

Worauf freuen Sie sich privat als nächsten Schritt?

Da steht ganz groß ein Familienurlaub mit Frau und Töchtern auf dem Plan. Wahrscheinlich geht es im August nach Italien oder auf eine griechische Insel. Darauf freue ich mich sehr.

Herr Allgaier, wir danken Ihnen für das Gespräch!