
Von Hendrik Paul – 13.59 Uhr
Ludwigsburg. Es ist einer dieser Orte, an denen Geschichte nicht nur ausgestellt wird, sondern noch funktioniert: das historische Schlosstheater im Residenzschloss Ludwigsburg. Originale Bühnenmaschinerie, historische Kulissen und ein nahezu vollständig erhaltener Theaterraum machen es zu einem besonderen Zeugnis europäischer Theaterkultur. Nun rückte dieser Schatz in den Mittelpunkt einer internationalen Fachtagung.
Vom 14. bis 16. Mai kamen 85 Expertinnen und Experten aus Deutschland, der Schweiz, Italien, Frankreich, Tschechien, Schweden und den USA nach Ludwigsburg. Im Mittelpunkt standen historische Theaterpraxis, Bühnenkunst und Aufführungskultur in Europa.
„Das Ludwigsburger Schlosstheater ist kein musealer Raum, sondern ein lebendiges Zeugnis europäischer Theatergeschichte“, erklärt Patricia Alberth, Geschäftsführerin der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. „Besonders beeindruckend ist, dass hier nicht nur die Architektur erhalten blieb, sondern auch die historische Bühnentechnik und originale Dekorationen bis heute erfahrbar sind.“
Ein Theater, das noch atmet
Besonderes Interesse galt dem außergewöhnlichen Bestand historischer Bühnendekorationen. Die Fachleute verglichen Ludwigsburg mit bedeutenden Theaterorten wie Versailles, Drottningholm und Český Krumlov. Dabei ging es nicht nur um Kunstgeschichte, sondern auch um die Frage, wie historische Bühnenräume heutige Inszenierungen prägen können.
Ein Höhepunkt der Tagung war die „Musikalische Bühnenwandlung“ im Schlosstheater. Mithilfe der originalen Bühnenmaschinerie veränderte sich das Bühnenbild mehrfach vor den Augen des Publikums. Studierende der Schola Cantorum Basiliensis präsentierten dazu Szenen aus Opern des 17. und 18. Jahrhunderts.
Auch die geplante Inszenierung von Niccolò Jommellis Oper „La Critica“ spielte eine wichtige Rolle. Sie soll im September 2026 in Basel und im Juli 2027 im Ludwigsburger Schlosstheater aufgeführt werden.
Ludwigsburg als europäischer Kulturort
Für Ludwigsburg ist die Tagung mehr als ein Fachtreffen. Sie zeigt, welche internationale Bedeutung das Schlosstheater innerhalb der europäischen Theatergeschichte besitzt. Während viele historische Spielstätten nur noch als Räume erhalten sind, lässt sich in Ludwigsburg auch die alte Bühnentechnik weiterhin erleben.
Die Teilnehmenden erhielten zudem seltene Einblicke hinter und unter die Bühne. Auch das Residenzschloss Ludwigsburg und Schloss Solitude waren Teil des Programms.
Konzipiert wurde die Tagung von Dr. Holger Schumacher in Kooperation mit Dr. Martina Papiro von der Schola Cantorum Basiliensis sowie Dr. Helena Langewitz von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die wissenschaftlichen Ergebnisse sollen veröffentlicht werden.

