
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer steht weiterhin zu seinen umstrittenen Aussagen. Zugleich räumt er Fehler ein, kritisiert den Umgang mit öffentlicher Empörung und setzt inzwischen sogar auf KI zur Prüfung seiner Beiträge.
Von Lea Brandt – 17.34 Uhr
Tübingen. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hält trotz wiederholter Kritik an seinen umstrittenen Aussagen fest. „Ich bereue nichts, was ich gesagt habe“, sagte Palmer dem „Spiegel“.
Zugleich räumte er ein, dass er es Kritikern teilweise leicht gemacht habe, ihn anzugreifen. „Allerdings ärgere er sich darüber, dass er es seinen Gegnern so leicht gemacht habe, ihn zu diskreditieren.“
Um künftige Kontroversen zu vermeiden, greift Palmer inzwischen zu ungewöhnlichen Mitteln: Er lässt seine Beiträge vor der Veröffentlichung von künstlicher Intelligenz prüfen. „Wenn ich mir nicht sicher bin, frage ich ChatGPT, ob ich das so schreiben kann.“ Der Chatbot sei jedoch „ziemlich woke“, fügte Palmer hinzu, „meistens sage er nein“.
Gleichzeitig zeigte sich Palmer selbstkritisch. Er habe auch „falsche Sachen“ gesagt, räumte er ein. Entschuldigungen habe er jedoch nicht immer aus Überzeugung abgegeben: „Entschuldigt habe ich mich manchmal, um weiteres Unheil von mir abzuwenden, ohne das überhaupt so zu meinen.“
Den öffentlichen Umgang mit solchen Debatten bewertet Palmer kritisch: „Ich halte es für eine Unsitte, dass man Leute so lange öffentlich mit Schlamm bewirft, bis sie Entschuldigung sagen, nur um ihren Kopf zu retten.“
Auch zur gesellschaftlichen Entwicklung äußerte er sich deutlich. Der Zeitgeist der „Wokeness“ sei aus seiner Sicht auf dem Rückzug: „Es wurde so übertrieben mit der Sprachregulierung und Moralisierung, dass mittlerweile die Mehrheit der Menschen die Nase davon voll hat.“
Palmer war in den vergangenen Jahren immer wieder durch provokante Aussagen, insbesondere in Migrationsdebatten, in die Kritik geraten. Zuletzt zeigte er sich in sozialen Netzwerken gemäßigter und gilt politisch wieder als anschlussfähiger.
Einen Ministerposten in einer möglichen baden-württembergischen Landesregierung unter dem grünen Wahlgewinner Cem Özdemir strebt Palmer nach eigenen Angaben nicht an. Eine Einbindung in die Regierungsarbeit schließt er jedoch nicht aus.

