Industrie unter Druck, Pflege stabil: So entwickelt sich der Arbeitsmarkt im Landkreis Ludwigsburg

Deutlich mehr Arbeitslose, weniger Dynamik: Der Jahresstart bringt dem Arbeitsmarkt im Kreis Ludwigsburg einen spürbaren Rückschlag. Die Kombination aus Winterflaute und konjunktureller Schwäche lässt die Arbeitslosenzahlen deutlich steigen – besonders die Industrie steht unter Druck, während andere Bereiche Stabilität zeigen.

Von Lea Brandt – 10.32 Uhr 

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Ludwigsburg. Der Arbeitsmarkt im Landkreis Ludwigsburg hat zu Jahresbeginn einen spürbaren Dämpfer erhalten: Im Januar waren 14.274 Menschen ohne Arbeit – das sind 943 mehr als im Dezember und 1.103 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,3 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent (Januar 2025: 4,2 Prozent).

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Laut Agentur für Arbeit Ludwigsburg ist der deutliche Anstieg vor allem auf die übliche saisonale Winterflaute und die anhaltende konjunkturelle Schwäche zurückzuführen.

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„Die schon seit mehr als drei Jahren andauernde stetige Zunahme der Arbeitslosigkeit ist Folge einer anhaltenden konjunkturellen Schwäche und einer strukturellen Krise im Verarbeitenden Gewerbe“, sagte Martin Scheel, Leiter der Agentur für Arbeit Ludwigsburg.

„Betriebliche Anpassungsmaßnahmen vieler Unternehmen haben zu einem spürbaren Beschäftigungsrückgang in den industriellen Schlüsselbranchen geführt. Zugleich sehen wir aber auch sichere Beschäftigungen in anderen Bereichen wie öffentlicher Verwaltung, Pflege, Gesundheitswesen oder Handwerk – mit einem weiterhin hohen Bedarf an Fach- und Arbeitskräften.“

Mehr Neumeldungen, aber auch mehr Jobaufnahmen

Im Januar meldeten sich 3.309 Personen neu oder erneut arbeitslos, darunter 1.736 direkt aus einer Beschäftigung. Gleichzeitig konnten sich 2.364 Menschen aus der Arbeitslosigkeit abmelden – rund ein Drittel davon (766 Personen) nahm eine neue Erwerbstätigkeit auf. Das sind 13 Prozent mehr als im Januar 2025.

Zusätzlich starteten 333 Personen in eine Ausbildung oder eine Qualifizierungsmaßnahme. Derzeit nehmen 1.437 Menschen an einer von der Agentur geförderten Weiterbildung teil – ein Plus von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zuwachs in fast allen Gruppen

Die Arbeitslosigkeit stieg bei allen Personengruppen. Während sie bei Ausländern nur um 1,8 Prozent zunahm, lag der Anstieg bei Deutschen bei 15,6 Prozent. Männer waren mit plus 11,5 Prozent stärker betroffen als Frauen (plus 4,5 Prozent).

Trotz der schwierigen Lage zeigt sich die Arbeitsagentur verhalten optimistisch. In vielen Branchen bleibe der Bedarf an Fachkräften hoch – insbesondere dort, wo Digitalisierung, Pflege und Verwaltung für Stabilität sorgen.

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Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg steigt auf höchsten Stand seit 2007

Die Zahl der Arbeitslosen in Baden-Württemberg ist im Januar saisonbedingt deutlich gestiegen. Wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Freitag mitteilte, waren im Südwesten 310.443 Menschen ohne Job, das sind 6,7 Prozent mehr als im Vormonat Dezember.

Damit erreichte die Arbeitslosigkeit den höchsten Wert seit dem Jahr 2007. Im Vergleich zum Januar des Vorjahres stieg die Zahl um 5,5 Prozent.

Die Arbeitslosenquote kletterte auf 4,8 Prozent.

Die Dynamik am Arbeitsmarkt bleibt nach Angaben der Behörde gering. Zwar meldeten sich im Januar rund 36.000 Menschen aus einer Erwerbstätigkeit heraus arbeitslos, was einem Anstieg von 45,1 Prozent gegenüber dem Vormonat entspricht.

Gleichzeitig konnten aber nur etwa 16.500 Personen ihre Arbeitslosigkeit durch die Aufnahme einer neuen Stelle beenden. Die saisonalen Gründe für den Anstieg seien vielfältig, etwa das Auslaufen befristeter Verträge zum Jahresende.

Besorgniserregend ist die Entwicklung bei der Langzeitarbeitslosigkeit.

Mit rund 92.300 Betroffenen wurde im Januar der höchste Stand seit Oktober 2007 erreicht. Die Geschäftsführerin Operativ der Regionaldirektion, Sabine Schultheiß, forderte Beschäftigte und Arbeitslose auf, die aktuelle Situation für Qualifizierungen zu nutzen.

Die Agenturen für Arbeit wollen ihre Ausgaben für berufliche Weiterbildung in diesem Jahr nochmals steigern und den Vorjahreswert von rund 470 Millionen Euro übertreffen. Zudem bleibe die Kurzarbeit, vor allem in der Metall- und Elektroindustrie, auf einem hohen Niveau.