
Immer mehr Krankenhäuser geraten finanziell unter Druck: Laut Branchenvertretern schreiben 80 Prozent rote Zahlen, jedes dritte Haus ist von Insolvenz bedroht. Verbände fordern nun dringend weitere Milliardenhilfen vom Bund.
Von Hendrik Paul – 06.48 Uhr
Berlin. Die finanzielle Lage vieler Krankenhäuser in Deutschland spitzt sich weiter zu. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) schreiben derzeit rund 80 Prozent der Kliniken rote Zahlen, jedes dritte Haus gilt als von Insolvenz bedroht.
„Die Lage ist ernst. Aktuell schreiben 80 Prozent der Kliniken rote Zahlen. Ein Drittel der Häuser in Deutschland ist von Insolvenz bedroht: 16 Prozent sind stark insolvenzgefährdet, weitere 21 Prozent gefährdet“, sagte DKG-Vorsitzender Gerald Gaß der „Rheinischen Post“.
Vor diesem Hintergrund fordert die Branche eine Verlängerung staatlicher Finanzhilfen. Konkret geht es um Ausgleichszahlungen in Höhe von vier Milliarden Euro, die der Bund seit November 2025 zur Stabilisierung der Krankenhäuser bereitstellt und die im kommenden November auslaufen sollen. „Wir appellieren an Bundesgesundheitsministerin Warken, diese Hilfe zu verlängern“, so Gaß.
Auch aus kommunaler Sicht ist die Lage angespannt. „Besonders betroffen sind Häuser mit kirchlichen und freigemeinnützigen Trägern. Auch den kommunalen Krankenhäusern geht es richtig schlecht, weil wir als Träger einen Defizitausgleich in der momentan erforderlichen Höhe schlicht nicht mehr leisten können“, sagte Achim Brötel, Präsident des Deutschen Landkreistages.
Die finanzielle Belastung für die öffentliche Hand ist erheblich: Allein die Landkreise hätten von 2023 bis 2025 rund 25 Milliarden Euro aufgebracht, um die Verluste ihrer Kliniken auszugleichen.
Brötel fordert daher Nachbesserungen bei der Krankenhausreform. „Wir brauchen eine fallzahlunabhängige Vorhaltevergütung. Alles andere führt nur zu einem unkontrollierten Kliniksterben gerade im ländlichen Raum“, mahnte er.

