Kein Freizeitpark, keine Plastikblumen: Bernhard Gieß erklärt im Interview, wohin er das Blühende Barock führen will

Seit Bernhard Gieß beim Blühenden Barock das Sagen hat, zeichnet sich ein neuer Kurs ab: kein Freizeitpark, keine Plastikblumen, dafür wieder mehr Garten, Blütenpracht und Erholung. Im Interview mit Ludwigsburg24 erklärt der Interimsgeschäftsführer, was für ihn die DNA des Parks ausmacht, warum Veranstaltungen auf den Prüfstand kommen und weshalb steigende Kosten auch die Frage nach höheren Eintrittspreisen aufwerfen.

Ein Interview von Ayhan Güneş

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LB24: Herr Gieß, Sie führen das Blühende Barock seit knapp drei Monaten übergangsweise. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie gefragt wurden, ob Sie diese Aufgabe übernehmen?

Bernhard Gieß: Ich hatte das Gefühl, dass meine Mitwirkung im Aufsichtsrat und später als Aufsichtsratsvorsitzender offenbar geschätzt wurde. Man hat sich wohl gern an mich erinnert.

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LB24: Was hat Sie bewogen, in dieser schwierigen Situation selbst die operative Verantwortung zu übernehmen?

Bernhard Gieß: Weil es das BlüBa wert ist. Es ist eine großartige Einrichtung und von großer Bedeutung für Ludwigsburg und die gesamte Region. Das BlüBa brauchte in dieser Situation einen Geschäftsführer, und ich habe diese Herausforderung gerne angenommen und mich in die Pflicht nehmen lassen. Das Blühende Barock ist für mich eine Herzensangelegenheit.

LB24: Was haben Sie seit Ihrem Wechsel aus dem Aufsichtsrat in die Geschäftsführung neu über den Betrieb erfahren?

Bernhard Gieß: Mir ist vor allem aufgefallen, was für ein unglaublich engagiertes Team hier arbeitet. Als Aufsichtsrat ist man vom eigentlichen Tagesgeschäft doch relativ weit entfernt. Jetzt erlebe ich unmittelbar, auf welch hohem Niveau die Gärtner, die Techniker und die Mitarbeiter in der Verwaltung arbeiten und welche Fragen täglich zu beantworten sind. Das weiß ich nach diesen drei Monaten sehr zu schätzen.

LB24: Wie wollen Sie diese Aufgabe angehen, und was ist Ihnen im Umgang mit dem Team besonders wichtig?

Bernhard Gieß: Mir ist wichtig, die Kompetenzen dieses hoch qualifizierten Teams bestmöglich zu nutzen. Ich werde den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern deshalb nicht einfach Vorgaben machen, sondern mir zuerst ihre fachkompetenten Einschätzungen und Vorschläge anhören. Am Ende muss ich als Geschäftsführer, der die Verantwortung trägt, aber die Entscheidungen treffen, die aus meiner Sicht für das BlüBa am besten sind.

LB24: Wie lange werden Sie das Blühende Barock voraussichtlich führen? Und käme für Sie auch eine dauerhafte Lösung infrage?

Bernhard Gieß: Ich bin Interimsgeschäftsführer, deshalb ist meine Zeit hier von vornherein begrenzt. Wie lange genau, weiß ich noch nicht. Jetzt beginnt wohl die Suche nach einer neuen Geschäftsführerin oder einem neuen Geschäftsführer. Mir wurde gesagt, ich solle mich ungefähr bis zum Frühsommer kommenden Jahres auf die Tätigkeit hier einstellen.

Was eine dauerhafte Lösung mit mir betrifft: Ich werde 71 Jahre alt. Damit ist, glaube ich, alles gesagt. Aber jedenfalls habe keine Lust, bis 80 zu arbeiten, auch wenn mir diese Aufgabe hier eine große Erfüllung gibt. Irgendwann sind schließlich auch meine Kräfte begrenzt.

Wirtschaftlich gesund, aber unter wachsendem Kostendruck

LB24: Wie steht das Blühende Barock wirtschaftlich derzeit da?

Bernhard Gieß: Gesund.

LB24: Welche Folgen haben der Klimawandel und die steigenden Kosten für das Blühende Barock?

Bernhard Gieß: Der Klimawandel macht uns in mehrfacher Hinsicht zu schaffen. Zum einen wird sich die Bepflanzung in den kommenden Jahren verändern. Viele Pflanzen, die für uns heute selbstverständlich sind, wird es möglicherweise bei anhaltend schneller Klimaveränderung nicht mehr geben oder sie lassen sich nur noch mit einem enormen Aufwand erhalten.

Zum anderen überlegen sich die Menschen bei großer Hitze natürlich, ob sie das Blühende Barock besuchen.

Hinzu kommen die steigenden Kosten. Durch die klimatischen Veränderungen haben wir enorme Ausgaben für Wasser. Gleichzeitig steigen der Mindestlohn und die Preise in nahezu allen Bereichen. Das gilt insbesondere für Pflanzen, die wir in sehr großer Zahl benötigen. All das führt dazu, dass wir auch über die Eintrittspreise nachdenken müssen.

Kultur kostet

LB24: Müssen sich die Besucher im kommenden Jahr auf höhere Eintrittspreise einstellen?

Bernhard Gieß:  Wir haben massive Kostensteigerungen. Angefangen von den gestiegenen Mindestlöhnen, über deutliche Preissteigerungen bei dem Pflanzeneinkauf bis zu den Energiepreisen. Natürlich könnten wir weniger Geld in die Pflege des Parks investieren. Dann würden sich die Besucher aber zu Recht über den ungenügenden Pflegezustand beschweren. Wir wollen einen Park auf höchstem Niveau erhalten und unsere Beschäftigten angemessen bezahlen. Das kostet Geld.

Garten statt Freizeitpark

LB24: Muss sich das Angebot des Blühenden Barocks künftig verändern, oder passt die bisherige Ausrichtung aus Ihrer Sicht?

Bernhard Gieß:  Natürlich werden wir das Angebot weiterentwickeln, aber das Blühende Barock wird nie ein Freizeitpark sein. Die Parklandschaft muss erhalten bleiben, ebenso der Märchengarten in seiner Grundstruktur. Das bedeutet allerdings nicht, dass dort nichts verändert werden darf. Auch im Märchengarten sind Sanierungen und Erneuerungen notwendig.

LB24: Für welchen Kurs stehen Sie persönlich?

Bernhard Gieß: Für eine eher konservative, behutsame Weiterentwicklung. Das kann auch bedeuten, dass wir über einzelne Veranstaltungen neu nachdenken und sie auf den Prüfstand stellen.

Für uns als Team bedeutet das, dass wir 2027 mit einer besonderen Blütenpracht überzeugen müssen, und zwar bereits zu Beginn der Saison. Die Menschen sollen sagen: Das ist unser Blühendes Barock. Wir gehen wegen der Pflanzen und der Gartenlandschaft dorthin, nicht wegen irgendwelcher Events.

Tradition bleibt

LB24: Welche Veranstaltungen gehören für Sie fest zum Blühenden Barock, und bei welchen Formaten sehen Sie noch Gesprächsbedarf?

Bernhard Gieß: Wir stellen derzeit den Veranstaltungskalender für 2027 zusammen. Die Planungen stehen noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch den Aufsichtsrat.

Für das gesamte Team steht fest, dass das Straßenmusikfestival bleiben soll. Es ist seit mehr als 25 Jahren eine Traditionsveranstaltung. Auch das Feuerwerk, der Lichterzauber und die Kürbisausstellung gehören für uns fest zum BlüBa.

Daneben dürfen die kleineren Veranstaltungen nicht vergessen werden. Beispielsweise das Märchenfest. Es wird in der Öffentlichkeit nicht so stark wahrgenommen wie die großen Veranstaltungen, ist aber ein echtes Highlight und bleibt selbstverständlich erhalten.

Prüfen müssen wir allerdings, ob wir weiterhin eine so große Zahl einzelner Veranstaltungen anbieten oder ob sich manche Formate zu einer größeren Veranstaltung zusammenfassen lassen.

LB24: Gibt es eine Veranstaltung, die aus Ihrer Sicht besonders zum Blühenden Barock passt?

Bernhard Gieß:  Ich kann mir sehr gut vorstellen, mit den Ludwigsburger Schlossfestspielen ins Gespräch kommen. Eine hochklassige Veranstaltung in einem kleinen, besonderen Rahmen wäre vor dieser barocken Kulisse natürlich das Nonplusultra. Daran arbeiten wir.

Kombiticket soll Schloss und BlüBa enger verbinden

LB24: Eine konkrete Neuerung unter Ihrer Leitung ist das gemeinsame Kombiticket mit dem Residenzschloss. Was genau ist geplant, und welchen Vorteil haben die Besucher davon?

Bernhard Gieß: Mit dem Kombiticket erhalten die Besucher ein umfangreiches Angebot, das sie innerhalb von drei Tagen nutzen können. Sie müssen also nicht alles an einem einzigen Tag erleben. Das Ticket berechtigt allerdings nicht dazu, das Schloss und das BlüBa mehrfach zu besuchen.

Viele Gäste, die Ludwigsburg nicht genau kennen, nehmen das Residenzschloss und das Blühende Barock ohnehin als Einheit wahr. Genau diese Einheit wollen wir gemeinsam mit unserem Nachbarn künftig stärker leben.

Zunächst soll das Kombiticket sechs Wochen lang getestet werden. Danach ziehen wir Bilanz: Wird das Angebot angenommen oder nicht? Sollte der Test erfolgreich sein, möchten wir im nächsten Schritt auch über die B27 hinausdenken und die Stadt stärker einbeziehen.

LB24: Welchen Preisvorteil bietet das Kombiticket?

Bernhard Gieß: Das Kombiticket bietet gegenüber den einzelnen Ticketpreisen einen Vorteil. Es lohnt sich auf jeden Fall.

LB24: An welchen Kriterien wollen Sie messen, ob die Testphase erfolgreich war?

Bernhard Gieß: Zunächst an den Besucherzahlen. In die Auswertung beziehen wir aber auch unsere Gastronomen ein, denn sie sind ein Teil der BlüBa-Familie. Wer ein Kombiticket besitzt, erhält einen Preisvorteil.

LB24: War das Kombiticket Ihre persönliche Idee?

Bernhard Gieß: Nein, das war eine Idee des Teams. Überhaupt sprühen wir gemeinsam vor Ideen, auch mit Blick auf den Saisonstart 2027. Eines steht zum Beispiel bereits fest: Plastikblumen wird es bei uns nicht mehr geben.

LB24: Welche weiteren Neuerungen sind geplant?

Bernhard Gieß: Eine konkrete Neuerung betrifft die Bollerwagen, diese können ab sofort auch während der Kürbisausstellung kostenlos ins BlüBa mitgebracht werden. Das ist besonders für Familien eine spürbare Erleichterung.

LB24: Was darf das Blühende Barock trotz aller Veränderungen auf keinen Fall verlieren?

Bernhard Gieß: Seine Identität verlieren, als Erholungsort für die Menschen in Ludwigsburg und in der gesamten Region wahrgenommen zu werden. Das Blühende Barock soll ein Ort der Erholung für alle bleiben. Das BlüBa ist kein Freizeitpark: das BlüBa ist ein Park in dem man seine Freizeit verbringen kann. Und ein solcher Erholungsort soll das Blüba auch sein und bleiben.

An die Spitze soll ein Manager, nicht zwingend ein Gartenexperte

LB24: Wie oft haben Sie das Blühende Barock besucht, bevor Sie selbst die Geschäftsführung übernommen haben?

Bernhard Gieß: Etwa drei- bis viermal im Jahr.

LB24: Wenn wir in drei Jahren erneut über das Blühende Barock sprechen: Was müsste bis dahin erreicht sein, damit Sie sagen können, dass die richtigen Weichen gestellt wurden?

Bernhard Gieß: Entscheidend ist, dass die richtigen Personen an den richtigen Stellen sitzen. An der Spitze braucht es aus meiner Sicht nicht zwingend einen Gartenbauspezialisten. Wir brauchen vor allem eine Managerin oder einen Manager, die oder der sich mit Zahlen auskennt und die Strukturen eines Unternehmens versteht.

LB24: Herr Gieß, wir danken Ihnen für das Gespräch.