Kinderpornografie: Ermittler lassen nach Ermittlungserfolg Missbrauchsaufnahmen im Netz

Berlin – Deutsche Ermittler lassen große Mengen sogenannter Kinderpornografie im Internet. Das zeigen Recherchen von „Spiegel“, dem NDR-Magazin „Panorama“ und dem Funk-Format „Strg_F“. Demnach wäre es technisch mit einfachen Mitteln möglich, solche Aufnahmen löschen zu lassen.

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So ließ das Bundeskriminalamt nach seinem großen Ermittlungserfolg gegen die Darknet-Plattform „Boystown“ im Frühjahr offenbar keine Bilder oder Videos entfernen, die über die Seite verbreitet wurden. Dabei lagen zahlreiche Aufnahmen auf Servern sogenannter Clearnet-Filehoster, die auf Hinweise von externen Stellen schnell reagieren. Im Zuge der Recherche meldeten Reporter sechs von Pädokriminellen häufig verwendeten Speicherdiensten, dass über ihre Server Missbrauchsabbildungen zum Download angeboten werden.

Die Unternehmen löschten daraufhin mehr als 13 Terabyte Videos und Fotos aus dem Netz. Die Strategie der deutschen Ermittlungsbehörden ist jedoch stark auf die Identifikation und Verfolgung von Tätern ausgerichtet. Das Löschen von Missbrauchsdarstellungen betrachten sie bislang kaum als ihre Aufgabe.

Die Recherche der drei Medien gibt auch Einblicke in die vermutliche größte Missbrauchsseite, die es im Darknet je gab. Auf der noch online befindlichen Plattform sind 3,7 Millionen Nutzerkonten registriert. Allein ein Unterforum mit dem Namen „Spielplatz“, in dem Pädokriminelle Missbrauchsaufnahmen von Kindern zwischen null und 14 Jahren verbreiten, wurde mehr als 1,1 Milliarden Mal angeklickt.

red / dts Nachrichtenagentur

Im Visier: Datenschutz-Aufsichtsbehörde nimmt sich Instagram, Tiktok & Co. vor

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber hat Bedenken gegen die Nutzung der sozialen Netzwerke Instagram, Tiktok und Clubhouse in Bundesbehörden geäußert. „In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) führen wir eine technische Prüfung der jeweiligen Apps durch“, sagte Kelber dem „Handelsblatt“ (Dienstagausgabe). „Es geht dabei um die Software, die auf Geräten der Bundesbehörden und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laufen.“

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Erste Erkenntnisse wiesen auf „datenschutzrechtliche Probleme“ hin, so Kelber. Die Prüfung sei aber noch nicht abgeschlossen. „Als Behörde müssen wir da sehr konkret sein.“

Kelber bekräftigte zugleich seine Kritik an den sogenannten Facebook-Fanpages. Diese Seiten könnten „wegen der unklaren geteilten datenschutzrechtlichen Verantwortung zwischen Facebook und dem Betreiber der Seite nach wie vor nicht rechtskonform betrieben werden“, sagte der Datenschützer. Von der Bundesregierung und den obersten Bundesbehörden hatte Kelber deshalb im vergangenen Jahr verlangt, ihre Facebook-Seiten bis Ende 2021 abzuschalten.

Dies ist bislang nicht geschehen. Kelber sieht aber keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. „Mein Ziel ist nicht zwingend die Abschaltung von Facebook-Fanseiten, sondern ich will eine datenschutzkonforme Kommunikation zwischen der Bundesregierung und den Bürgerinnen und Bürgern erreichen“, sagte er.

Ob dies gelingt, ist indes fraglich. „Wir haben jetzt noch einmal mit der Bundesregierung und Facebook Gespräche geführt und werden sehen, was das Ergebnis sein wird“, sagte Kelber. „Ich hoffe, dass Facebook endlich ein Einsehen hat und nicht nur die Fanpages der Bundesregierung, sondern alle Fanpages in eine Form bringt, die europäischen Datenschutzvorgaben entspricht.“

red / dts