Kriminalstatistik 2020: Straftaten in Ludwigsburg rückläufig – Polizei geht gegen Poser vor

Von Uwe Roth

Wenn Corona überhaupt etwas Gutes hat, dann schlägt sich dies in der Polizeistatistik nieder: Im Jahr 2020 ist die Zahl der gesamten Straftaten in der Stadt Ludwigsburg um knapp acht Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Wohnungseinbrüche sank im ersten Corona-Jahr um ein Viertel. Den Jahresbericht des Polizeireviers hat sein Leiter Christian Zacherle am Donnerstag Mitgliedern des Gemeinderats präsentiert. Der Polizeioberrat ist seit Mitte Februar in Ludwigsburg und kommentierte das Ergebnis als „wirklich sehr erfreulich“. Noch nie seien die Zahlen so gering gewesen, stellte er fest. Ob die Menschen besser geworden sind oder im Lockdown einfach nur die Möglichkeiten zu Straftaten fehlten, auf eine Interpretation wollte sich der Polizeichef nicht einlassen. Geschlossene Ladengeschäfte hatten sicherlich dazu beigetragen, dass 2020 fast 20 Prozent weniger Ladendiebstähle passierten, vermutete CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Herrmann.

ANZEIGE

2019 waren 503 Ladendiebstähle registriert worden, im Folgejahr immerhin hundert weniger. In den vergangenen Jahren waren in der Region Wohnungseinbrüche das große Problem. Home-Office vermasselte potenziellen Einbrechern im Berichtszeitraum die Gunst der Stunde: Die Zahl der Tageseinbrüche sank um die Hälfte – von 25 (2019) auf 13. „Es wird oft vergessen, dass Wohnungseinbrüche überwiegend tagsüber und nicht nachts passieren“, sagte Zacherle, um die Veränderung zu betonen.

Die Polizei Ludwigsburg beobachtete im ersten Corona-Jahr sogar weniger Rauschgiftdelikte. Knapp 600 waren es, 84 weniger als 2019. Zacherle will nicht ausschließen, dass Sperrstunden und eine bessere Kontrolle des öffentlichen Raums (Einhaltung der Masken-Regel durch die Polizei) dazu beigetragen haben, dass der Drogenhandel verstärkt in geschlossenen Räumen stattgefunden hat. Mehr Online-Handel könnte eine Erklärung sein, warum zwar der Ladendiebstahl zurückging, der Computerbetrug innerhalb eines Jahres dagegen um fast 60 Prozent angestiegen ist (2019: 22/2020: 35). Ladendiebstahl schädigt den Inhaber, nicht die ordentlich zahlenden Kunden. Beim Onlineshopping sind dagegen oftmals Kunden die geschädigten, die beispielsweise auf falsche Kaufportale hereinfielen oder nicht richtig auf ihre Bankdaten aufpassten.

Betrachtet man die Statistiken der Straftaten aus den vergangenen zehn Jahren, zeigt sich, dass die Pandemie keine generelle Erklärung für den Rückgang ist. Der Zahl an Straftaten in der Stadt Ludwigsburg von 5405 im Jahr 2020 steht die von 6135 im Jahr 2010 gegenüber. Das ist ein Unterschied von 730 Straftaten. Höhepunkt der Kriminalität im vergangenen Jahrzehnt war das Jahr 2014 mit 7243 registrierten Straftaten. Das waren über 1800 mehr als aktuell. Die meisten von der Polizei bearbeiteten Fälle passieren in der Innenstadt, danach folgt die Weststadt. Die Polizei hatte am wenigsten im Stadtteil Poppenweiler zu tun. Zum ersten Mal wurde in der Statistik der Bahnhofsbereich gesondert betrachtet. Es habe sich anhand der Zahlen gezeigt, so Zacherle, dass der Aufenthalt dort weniger gefährlich sei, als von vielen vermuteten. „Es ist mehr eine gefühlte Gefährlichkeit“, so der Revierleiter.

Im Jahresbericht der Polizei Ludwigsburg fällt auch die Statistik der Verkehrsunfälle erfreulich auf: Mit 1220 waren es 20 Prozent weniger als im Jahr davor (1530). Es gab einen Verkehrstoten. Im Jahr 2019 waren es 1630 polizeilich erfasste Verkehrsunfälle; rund 600 mehr als in der aktuellen Statistik. Auch die Zahl der Schwerverletzten ist minus 37 Prozent auffällig zurückgegangen. Ob sich die Einführung von Tempo 40 auf einigen Hauptverkehrsstraßen positiv auf die Unfallstatistik auswirkt, bewertete Zacherle nicht. Langsamere Geschwindigkeiten könnten Auffahrunfälle vermeiden oder zumindest die Sachschäden mindern. Die meisten Unfälle passieren im Übrigen bei der Missachtung von Vorfahrtsregeln. Und obwohl es immer mehr Radfahrer auf Ludwigsburgs Radwege und Straßen gibt, ist dort die Statistik der Unfälle ebenfalls rückläufig – wenn auch im Vergleich zu den Vorjahren nur gering. Einen deutlichen Rückgang von einem Drittel verzeichnete die Polizei-Statistik bei Unfällen mit Fußgängern.

Ein wachsendes Problem sieht die Polizei hingegen bei Autofahrern, die beispielsweise die Wilhelmstraße oder die Stuttgarter Straße nutzen, um ihr Fahrzeug lautstark der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wie Revierleiter Zacherle ankündigte, sollen die sogenannten Poser aus dem Verkehr gezogen werden. „Wir haben ein Kontroll-Team Poser eingerichtet“, berichtete er den Gemeinderäten. Das seien Beamte und Beamtinnen, die sich mit Auto-Tuning besonders gut auskennen. Denn Klappenauspuff in den Race-Modus zu stellen, sei verboten, stellte er klar. Zacherle setzt auf den neuen Bußgeldkatalog, der voraussichtlich im September kommen wird. Ein auf Krach eingestellter Auspuff kostet demnach statt 20 nun 80 Euro plus einen Punkt in Flensburg. Das Posen selbst wird von 20 auf 100 Euro verteuert.

Inzidenzwert im Landkreis Ludwigsburg kratzt an der 30er-Marke

Die kreisweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ist am Samstag leicht gesunken: Das Landratsamt teilte unter Berufung auf Angaben des Kreisgesundheitsamtes mit, dass in den vergangenen sieben Tagen kreisweit der Wert bei 30,8 Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner liegt. Gestern lag der Wert laut RKI bei 31,7. Vor genau einer Woche lag die Inzidenz bei 40. Das geht aus Zahlen von Samstagnachmittag hervor, die den Stand des Dashboards vom Landratsamt in Ludwigsburg von 16:00 Uhr vorläufig wiedergeben.

Innerhalb eines Tages wurden in der Summe 16 Neuinfektionen registriert. Vor genau einer Woche waren es 32 Fälle. Gestern waren es kreisweit 11 Corona-Fälle. Die Zahl der Corona-Toten in Kreis Ludwigsburg bleibt unverändert bei mindestens 498. Rund 25.917 (+35) Menschen haben die Infektion nach Schätzungen vom Landratsamt überstanden.

ANZEIGE

Laut der RKH-Klinik beträgt die Zahl der COVID-19 Patienten, die in stationärer Behandlung im Klinikum Ludwigsburg liegen, 12Auf der Normalstation werden 9  Patienten behandelt. 3 Patienten befinden sich auf der Intensivstation, von denen 3 beatmet werden. (Stand: 12.06.)

Aktuelle Impfzahlen für den Kreis Ludwigsburg: 

Screenshot: Landratsamt Ludwigsburg

 

Infizierte nach Gemeinde (Quelle: Landratsamt Ludwigsburg – Stand: 12.06.)

Affalterbach ( 169 | 0 )
Asperg ( 737 | 0 )
Benningen am Neckar ( 254 | 0 )
Besigheim ( 657 | 0 )
Bietigheim-Bissingen ( 2.468 | 0 )
Bönnigheim ( 545 | 0 )
Ditzingen ( 1.212 | 1 )
Eberdingen ( 301 | 0 )
Erdmannhausen ( 182 | 0 )
Erligheim ( 153 | 0 )
Freiberg am Neckar ( 608 | 3 )
Freudental ( 161 | 0 )
Gemmrigheim ( 261 | 0 )
Gerlingen ( 717 | 0 )
Großbottwar ( 345 | 1 )
Hemmingen ( 319 | 0 )
Hessigheim ( 68 | 0 )
Ingersheim ( 273 | 0 )
Kirchheim am Neckar ( 365 | 0 )
Korntal-Münchingen ( 858 | 1 )
Kornwestheim ( 2.003 | 0 )
Löchgau ( 292 | 0 )
Ludwigsburg ( 4.892 | 2 )
Marbach am Neckar ( 705 | 0 )
Markgröningen ( 769 | 0 )
Möglingen ( 693 | 1 )
Mundelsheim ( 137 | 0 )
Murr ( 253 | 0 )
Oberriexingen ( 124 | 1 )
Oberstenfeld ( 380 | 0 )
Pleidelsheim ( 306 | 0 )
Remseck am Neckar ( 1.230 | 0 )
Sachsenheim ( 1.021 | 2 )
Schwieberdingen ( 463 | 0 )
Sersheim ( 300 | 1 )
Steinheim an der Murr ( 476 | 1 )
Tamm ( 429 | 0 )
Vaihingen an der Enz ( 1.486 | 2 )
Walheim ( 143 | 0 )

red