
Die Finanzlage des Landkreises Ludwigsburg verschlechtert sich stärker als erwartet. Nach aktueller Prognose fällt das Haushaltsergebnis um rund 23,8 Millionen Euro schlechter aus als geplant. Das Defizit wächst damit von ursprünglich 16,5 auf voraussichtlich 40,2 Millionen Euro. Als Hauptgründe nennt das Landratsamt höhere Sozialausgaben und verspätete Erstattungen des Landes.
Von der Redaktion (ag)- 19.34 Uhr
Ludwigsburg. Der Landkreis Ludwigsburg muss für 2026 mit einem deutlich höheren Defizit rechnen als bislang angenommen. Darüber wurde der Verwaltungsausschuss am Montag informiert.
Nach Angaben von Finanzdezernentin Bettina Beck werden rund 2,4 Millionen Euro weniger Einnahmen erwartet, gleichzeitig steigen die Ausgaben um 21,4 Millionen Euro. Unter dem Strich verschlechtert sich das geplante Ergebnis damit um 23,8 Millionen Euro. Statt eines Defizits von 16,5 Millionen Euro rechnet der Landkreis inzwischen mit einem Minus von rund 40,2 Millionen Euro.
Mit den bereits beschlossenen Sparmaßnahmen hat die Entwicklung nach Worten von Landrat Dietmar Allgaier nichts zu tun. Hauptursache seien die hohen Kosten der Eingliederungshilfe, also der Leistungen für Menschen mit Behinderung, sowie verzögerte Erstattungen des Landes.
Sozialausgaben und verspätete Zahlungen des Landes
Bei den Transferaufwendungen werden Mehrkosten von rund 16,2 Millionen Euro erwartet. Ein großer Teil davon entfällt nach Angaben des Landratsamts auf Nachzahlungen für zurückliegende Jahre.
Hinzu kommen verspätete Erstattungen des Landes. Für 2026 hat der Landkreis bislang Abschlagszahlungen von rund 7,5 Millionen Euro erhalten, im Haushalt waren 25 Millionen Euro eingeplant. Mit einem Ausgleich rechnet das Landratsamt erst in den kommenden Jahren.
Landrat Allgaier fordert deshalb, dass das Land rechtzeitig zahlt. „Die Stadt- und Landkreise können für das Land in dieser Größenordnung nicht länger in Vorleistung gehen“, sagt er. Das sei angesichts der Lage der kommunalen Haushalte nicht mehr leistbar. Er appelliert an das Land, die Abschlagszahlungen künftig so zu leisten, wie es 2019 mit dem Landkreistag und dem Städtetag vereinbart worden sei.
Tatsächliche Verschlechterung im Sozialetat geringer
Sozialdezernent Christos Vavouras weist darauf hin, dass ein großer Teil der Abweichungen im Sozialetat auf zeitliche Verschiebungen bei Erstattungen und Nachzahlungen zurückzuführen sei.
Die tatsächliche Verschlechterung gegenüber dem ursprünglichen Planansatz liege dort bei rund 3,5 Millionen Euro. Grund seien vor allem stärker als erwartet gestiegene Kosten, etwa durch Tarifabschlüsse, höhere Sachkosten und vertraglich vereinbarte Kostensteigerungen.
Auch die Kasse gerät unter Druck
Neben dem Ergebnis verschlechtert sich auch die Liquidität des Landkreises. Statt des ursprünglich erwarteten Zahlungsmittelüberschusses von 3,1 Millionen Euro wird nun mit einem Zahlungsmittelbedarf von 20,7 Millionen Euro gerechnet. Für Investitionen werden zudem 5,3 Millionen Euro mehr benötigt als geplant.
Der Kreistag hatte im Juli beschlossen, die Kreditermächtigung für 2026 nicht zu nutzen. Dadurch entsteht nach Angaben des Landratsamts ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf von 4,3 Millionen Euro.
Insgesamt verschlechtert sich der Finanzhaushalt nach Angaben des Landratsamts um 39,7 Millionen Euro. Der Finanzierungsmittelbestand des Landkreises soll sich nach aktueller Prognose um 68,3 Millionen Euro verringern.


