„Lost Place mitten in der Stadt“: DEHOGA warnt vor Folgen einer Forum-Schließung

Die Diskussion um das Forum am Schlosspark entwickelt sich immer mehr zur Zukunftsfrage für Ludwigsburg. Nun warnt auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA)  eindringlich vor den Folgen einer möglichen Schließung für Hotels, Gastronomie, Innenstadt und das kulturelle Leben der Stadt.

Von Ayhan Güneş – 10.28 Uhr

Ludwigsburg. Die Debatte um die Zukunft des Forums am Schlosspark erreicht eine neue Ebene. Nachdem zuletzt vor allem Verwaltung, Techniker, Bauplaner und Kommunalpolitik über Brandschutz, Sanierungskosten und den maroden Zustand des Gebäudes diskutierten, meldet sich nun der Tourismussektor zu Wort. In einem offenen Brief an Oberbürgermeister Matthias Knecht und die Gemeinderäte warnt der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA vor den Folgen einer möglichen Schließung des Forums.

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Der Ton des Schreibens ist deutlich. „Eine Schließung des Forums und die Schaffung eines ‚Lost Place‘ mitten in der Stadt wäre in vielerlei Hinsicht eine Katastrophe“, schreibt DEHOGA-Kreisvorstand Marcos Angas.

Damit wird klar: Das Forum ist längst nicht mehr nur ein Bau- und Haushaltsthema. Es entwickelt sich zunehmend zu einer Grundsatzfrage über die Zukunft der Innenstadt, die Attraktivität der Stadt und das Selbstverständnis Ludwigsburgs als Kultur- und Veranstaltungsstandort.

Nicht nur Kultur, sondern auch Wirtschaftsfaktor

Der Verband verweist in seinem Brief ausdrücklich auf die wirtschaftliche Bedeutung des Forums. Konzerte, Musicals, Kongresse, Tagungen, Vereinsveranstaltungen oder Abibälle sorgten seit Jahren für Besucherfrequenz in Hotels, Gastronomie und Innenstadt.

„Die Wertigkeit des Forums als kultureller und wirtschaftlicher Faktor ist unbestritten“, schreibt Angas. Der Konzertsaal sei für „hochkarätige Konzerte und Opernformate oder Musicals“ wichtig, der Bürgersaal wiederum für Kongresse und Tagungen.

Die Sorge dahinter ist deutlich spürbar: Fällt das Forum langfristig weg oder verliert massiv an Bedeutung, könnte das weit über den Kulturbereich hinaus Folgen für die Innenstadt haben.

Angas warnt nicht nur vor einem Attraktivitätsverlust der Stadt, sondern auch vor Problemen im direkten Umfeld des Forums. Die Sicherheit in diesem Quartier könne „problematisch werden“, heißt es in dem Schreiben weiter. Zudem sieht der Verband die Existenz vieler Betriebe der Branche gefährdet.

134 Millionen Euro und eine schwierige Entscheidung

Die Diskussion kommt zu einem politisch heiklen Zeitpunkt. Nach aktuellen Berechnungen würde die Generalsanierung des Forums rund 134 Millionen Euro kosten. Gleichzeitig steht die Stadt wegen hoher Defizite und Sparmaßnahmen massiv unter finanziellem Druck.

Der Gemeinderat berät in den kommenden Tagen über die Zukunft des Gebäudes. Die Stadtverwaltung schlägt vor, die Generalsanierung weiter voranzutreiben. Nach aktueller Planung soll das Forum Ende Juli 2027 schließen und zum 100. Geburtstag der Ludwigsburger Schlossfestspiele im Jahr 2032 wiedereröffnen.

Die technische Lage gilt inzwischen als kritisch. Das Gebäude befindet sich im sogenannten Duldungsbetrieb. Brandschutz, Haustechnik und technische Infrastruktur entsprechen in vielen Bereichen nicht mehr heutigen Anforderungen.

Oberbürgermeister Matthias Knecht bekräftigt bereits im März das Ziel, das Forum langfristig zu sichern. „Wir stehen mit voller Überzeugung zu einem starken und zukunftsfähigen Forum – auch für die kommenden Jahrzehnte“, betont Knecht. Zugleich verweist er auf die Notwendigkeit erheblicher Fördermittel von Bund und Land. „Angesichts der angespannten Haushaltslage können wir diese Kraftanstrengung nicht allein bewältigen. Deshalb sind wir auf Fördermittel in erheblichem Umfang angewiesen.“

Die Debatte verändert sich

Bemerkenswert ist vor allem, wie sich die Diskussion in den vergangenen Monaten verändert hat. Anfangs standen vor allem technische Gutachten, Baukosten und Förderfragen im Mittelpunkt. Nun geht es zunehmend um die Rolle des Forums für das Leben in der Stadt selbst.

Der DEHOGA versucht dabei, die Diskussion bewusst zu erweitern: weg von der reinen Kostenfrage, hin zur Frage, welche Folgen eine geschwächte oder geschlossene Veranstaltungsstätte für Ludwigsburg insgesamt hätte.

Gleichzeitig signalisiert der Verband Gesprächsbereitschaft. Kreisvorstand Angas schlägt einen „runden Tisch“ vor, um gemeinsam Ideen und Nutzungsmodelle zu entwickeln. Ziel müsse es sein, die Belastung für die Stadt zu reduzieren und gleichzeitig das Forum langfristig zu erhalten.

Denn hinter der Debatte steht inzwischen eine größere Frage: Was passiert mit einer Stadt, wenn zentrale Orte für Kultur, Begegnung und Veranstaltungen verschwinden oder auf Jahre hinaus wegfallen? Genau diese Frage dürfte die Stadt in den kommenden Monaten weiter beschäftigen

Das Forum am Schlosspark

Das 1988 eröffnete Gebäude steht seit Anfang 2024 unter Denkmalschutz. Die bauliche Substanz gilt zwar weiterhin als stabil, die technische Infrastruktur ist jedoch in vielen Bereichen überaltert. Lüftungsanlagen, Wasser- und Elektroleitungen sowie die Veranstaltungstechnik stammen teilweise noch aus der Eröffnungszeit. Ersatzteile sind zum Teil nicht mehr verfügbar. Hinzu kommen erhebliche Defizite beim Brandschutz nach heutigen Standards.