Ludwigsburg vor Richtungsentscheidung: Stadtbahnstreit um „Lucie“ spitzt sich zu

Von Ayhan Güneş

Wenn der Ludwigsburger Gemeinderat am Mittwoch über das Stadtbahnprojekt LUCIE entscheidet, steht weit mehr auf dem Spiel als ein Streckenverlauf. Ein offener Brief des Zweckverbands trifft auf scharfe Kritik einer Bürgerinitiative – und im Raum steht ein Millionenrisiko. Die Fronten sind verhärtet, der Vertrauensbruch offenbar.

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Offener Brief trifft auf scharfe Replik – Entscheidung am Mittwoch

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Wenn am Mittwoch im Ludwigsburger Gemeinderat über die Zukunft der Stadtbahn entschieden wird, geht es um mehr als einen Linienverlauf: Es geht um Vertrauen, Verantwortung – und Millionenbeträge. Die Verwaltung empfiehlt in ihrer Vorlage, nur den Reaktivierungsabschnitt zwischen Markgröningen und Ludwigsburg umzusetzen. Die restlichen Ausbaupläne sollen für mindestens zehn Jahre ruhen. Der Zweckverband Stadtbahn reagiert im Vorfeld mit einem offenen Brief und warnt eindringlich vor schwerwiegenden Folgen. Die Bürgerinitiative „macht-lucie-wirklich-sinn“ widerspricht deutlich.

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Zweckverband: „Mit dieser Vorlage wird der Verbandszweck unterlaufen“

In einem ungewöhnlich deutlichen Schreiben, unterzeichnet von Landrat und Verbandsvorsitzenden Dietmar Allgaier, Markgröningens Bürgermeister Jens Hübner und Zweckverband Geschäftsführer Michael Ilk, kritisiert der Zweckverband die städtische Beschlussvorlage scharf. Die Stadt wolle sich aus der Verantwortung ziehen, ohne den Verband zu verlassen, heißt es darin. „Von Seiten des Zweckverbands Stadtbahn kann den Beschlussvorschlägen nicht zugestimmt werden“, so der offene Brief. „Die Stadt widerspricht dem Verbandszweck im Kern.“

Besonders in der Kritik steht der vorgeschlagene Endhalt am sogenannten Gleis 7 des Ludwigsburger Bahnhofs. Die Deutsche Bahn habe diesem Standort bereits mehrfach eine Absage erteilt, so der Zweckverband. Eine alternative Führung auf der Westseite des Bahnhofs – laut Verband technisch machbar und verkehrlich vorteilhaft – werde von der Stadt abgelehnt.

Auch beim Thema Abstellgleise, Trassenführungen und der barrierefreien Anbindung sieht der Verband eine systematische Verweigerung. Man spricht von einem „offensichtlichen Widerspruch“ im Verhalten der Stadtverwaltung. Sollte der Gemeinderat die Vorlage beschließen, drohten laut Zweckverband nicht nur das Scheitern des Gesamtprojekts, sondern auch Schadensersatzforderungen von mindestens 11 Millionen Euro.

Selbst das Verkehrsministerium meldet sich zu Wort:  „Die dringend erforderliche West-Ost-Verbindung von Schwieberdingen bis Pattonville weist ein beeindruckendes Potenzial auf“, so Verkehrsminister Winfried Hermann. „Wir empfehlen dringend, das Gesamtprojekt wie geplant umzusetzen.“

Bürgerinitiative: „Ludwigsburg tut, was sonst niemand ausspricht“

Am Montag reagierte die Bürgerinitiative „macht-lucie-wirklich-sinn (mlws)“ mit einem eigenen offenen Brief auf die Aussagen des Zweckverbands. Darin wird der Vorwurf, Ludwigsburg verletze den Verbandszweck, entschieden zurückgewiesen.  „Das Schreiben versucht, politische Verantwortung umzudeuten und der Stadt Ludwigsburg den schwarzen Peter zuzuschieben – obwohl die strukturellen Probleme seit Jahren bestehen“, so Kerem Icelli für die Initiative.

In neun zentralen Punkten stellt die Initiative die Projektlage infrage:

– Die Trassenführung sei weiterhin ungeklärt

– Die Fahrgastprognosen nicht plausibilisiert

– Die Anbindung des Bahnhofs offen

– Die Barrierefreiheit im Vorlaufbetrieb ungelöst

– Die Finanzierung aus Sicht der Stadt nicht darstellbar

 „Ludwigsburg tut, was sonst niemand ausspricht: Es sagt, dass der Kaiser nackt ist“, schreibt Icelli. Eine Neubewertung sei nicht Blockade, sondern verantwortliches Handeln. Auch die angedrohten Schadensersatzforderungen des Zweckverbands hält die Initiative für unbelegt.

Entscheidung am Mittwoch – Zukunft bleibt offen

Die Entscheidung über die Vorlage fällt am Mittwoch, 19. November, im Ludwigsburger Gemeinderat. OB Matthias Knecht hatte bereits vor Wochen einen „fairen und sachlichen Dialog“ eingefordert – dieser ist inzwischen eskaliert.

Klar ist: Es geht nicht nur um die Route einer Stadtbahn, sondern um die grundsätzliche Frage, ob das Großprojekt in seiner bisherigen Form noch tragfähig ist und wer am Ende für den Ausgang politische und finanzielle Verantwortung trägt.