Menschheit hat mit Abstand überlebt – in fehlender Distanz lauert schon immer Gefahr

Ein Gastbeitrag von Uwe Roth – Journalist

Körpernähe ist zu einer Form des Protests geworden. Anhänger der Querdenker-Bewegung laufen Schulter an Schulter durch die Straßen. Sie fühlen sich dabei wie heldenhafte Freiheitskämpfer. Man muss sich nicht persönlich kennen, um gegenseitig Nähe zuzulassen. Wildfremde eint die Überzeugung, dass die Forderung, in Corona-Zeiten auf Abstand zu gehen, eine staatliche Anmaßung ist. Sie schreien lauthals und verteilen dabei munter ihre Spucke in der Umgebung. Eine Maske setzen sie gleich mit Willkür und einem Herrschaftsinstrument, das sie mundtot machen soll. 

Massenproteste haben immer mit körperlicher Enge zu tun. Doch in einer Zeit der Pandemie ist bewusst gesuchter Körperkontakt eine doppelte Provokation: Sie fordert denjenigen heraus, der die Abstandsregel aufgestellt hat. Also den Staat. Sie gefährdet diejenigen, denen Abstand in diesen Zeiten besonders wichtig ist, weil sie ihr Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit gefährdet sehen. Auch das steht im Grundgesetz, nicht nur das Recht auf Meinungsfreiheit, das Querdenker vor sich hertragen.

Ist Nähe außerhalb der Familie oder der Partnerschaft tatsächlich das Normalste der Welt? Man kann das Thema Nähe und Distanz im Internet recherchieren. Darüber ist erstaunlich viel geforscht worden – und meistens mit der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass Abstand gegenüber Fremden zu halten, eine zu Natur gewordene Regel ist. In der Literatur wird das natürliche Abstandsmaß mit einem bis zwei Meter angegeben, also im Schnitt mit 1,5 Meter. Die Fundstellen sind lange vor Corona und dem Pandemie-Jahr 2020 ins Internet gestellt worden. 1,5 Meter sind kein willkürliches Maß für eine Schutzzone um den einen Körper. 1,5 Meter Abstand ist eine lang erprobte Erfahrungsregel.

Die Menschen haben über die Jahrtausende gelernt, dass Abstand überlebensnotwendig ist. Nähe setzt Vertrauen zum Gegenüber voraus und bedeutet im Zweifel Gefahr für Leib und Leben. Auch wenn die Menschen in Pestzeiten nichts über den Erreger und die Übertragungswege wussten, sie merkten dennoch, dass körperlicher Abstand ihre Überlebenschancen steigen lässt und Nähe das Gegenteil bewirkt. Diese Vorsicht wurde in gesunden Zeiten beibehalten. Man wusste ja nie, wo die nächste Gefahr droht.

Diese Vorsicht, im Zweifel besser Abstand zu halten, ist scheinbar weg. Im Fernsehen lief der Krimi „Das Geheimnis des Totenwaldes“. Die wahre Geschichte beginnt in den 1980er Jahren. Die Filmkulisse sehr authentisch. Es zeigte den 80er-Style, den ich so als junger Erwachsener mitgelebt habe. Aber eines störte mich: der Umgang der Menschen untereinander. Sie nahmen sich zur Begrüßung in den Arm und berührten die Wangen. So war das damals nicht! Man blieb über das engste Umfeld hinaus auf höflichem Abstand. Auch die neue Freundin des besten Freunds wurde mit Handschlag oder nur einem Hallo begrüßt. Auch den Kumpel in den Arm zu nehmen, war eher ungewöhnlich. Eine Männerumarmung machte verdächtig.

Heute ist das komplett anders. Nähe ist das neue Verhaltensmuster – nicht mehr der Abstand. Wann das gekippt ist, weiß ich nicht. Eine Begrüßung außerhalb des beruflichen Umfelds ohne kurze Umarmung wird beinahe als unhöflich betrachtet. Das schließt völlig Unbekannte ein. Grundsätzlich finde ich den neuen, engen Umgang gut. Ich finde das sehr in Ordnung, dass Männer untereinander körperlich vertrauter geworden sind. Das heißt aber nicht automatisch, dass die alte Vorsichtsregel überflüssig geworden ist. Man darf sie außer Kraft setzen, muss dann jedoch persönliche Verantwortung übernehmen. Denn wie der aktuelle Verlauf der Covid19-Pandemie zeigt, hat sich seit den Pesttagen, was die Ansteckungsgefahr betrifft, nicht viel geändert. Die medizinische Versorgung und damit die Überlebenschance hat sich Gottseidank verbessert. Das gibt aber keinem das Recht, die eigene Verantwortung an das Gesundheitssystem abzudrücken. 

Die Pandemie sollte Anlass sein, grundsätzlich darüber nachzudenken, ob Nähe nicht längst zu einem rein kommerziellen Geschäftsprinzip Masse statt Klasse geworden ist. Die größte Rendite gibt es für Anbieter, wenn möglichst viele Menschen sich an einem Ort versammeln und Geld für eine gemeinsame Sache ausgeben. Passagiere sind zusammengepfercht im Billigflieger, Kreuzfahrtschiffe haben mit 6000 Passagieren fast schon etwas Container-artiges. Die Stadien und Veranstaltungshallen werden immer größer. Wenn sich die Menschen gegenseitig durch die Menge schieben, ist scheinbar alles gut. Ein Fest ist nur dann erfolgreich, wenn sich dort die Menschen drängeln. Wirte jubeln, wenn Festzelte und Kneipen knallvoll sind. Normalvoll ist bereits Anlass für eine Enttäuschung. 

Mit Abstand verdienen Veranstalter kein oder nicht genug Geld. Der Verbraucher wiederum glaubt, dass er Geld spart, wenn er sich die Kosten für das Freizeitvergnügen mit möglichst vielen anderen teilt. Der Mensch wendet sich gegen die Massentierhaltung und macht bei der Massenmenschhaltung munter mit. Damit sich irgendwann Corona in anderer Form nicht wiederholt, sollte das tückische Geschäftsprinzip Masse statt Klasse zumindest in Frage gestellt oder doch besser aufgegeben werden.

 

Verkehrsbericht für Ludwigsburg: Welche Straßen diese Woche gesperrt sind

Verkehrsbericht gültig ab Montag, 27. Juni

Baltenstraße
Aufgrund von Leitungsverlegungen und Straßenbauarbeiten besteht zwischen der Vorhofstraße und Lange Straße eine Vollsperrung bis voraussichtlich Anfang August.

Bärenwiese
Datum:                           Sperrzeiten:                     Parkfläche:
27.06.2022                       7 bis 19 Uhr                      West (Vollsperrung)
28.06.2022                       6.30 bis 11.30 Uhr            Ost und West (Vollsperrung)
29.06.2022                       6.30 bis 10.30 Uhr            Ost und West (Vollsperrung)
30.06.2022                       7 bis 24 Uhr                      Ost (Vollsperrung)
02.07.2022                       7 bis 9 Uhr                        West (Vollsperrung)
02.07.2022                       7 bis 24 Uhr                      Ost (Vollsperrung)

Riesenrad: Sperrung von etwa 70 bis 80 Parkplätzen auf der Parkfläche West voraussichtlich bis Mitte August.

Bauhofstraße
Die Bauhofstraße ist voraussichtlich bis Ende September vollständig für den Fahrverkehr gesperrt. Es erfolgt eine Umleitung über den Reithausberg.

Breslauer Straße
Hier besteht zwischen der Friedrichstraße und der Bebenhäuser Straße
eine Vollsperrung in den jeweiligen Bauabschnitten bis voraussichtlich Mitte Juli.

Eduard-Spranger-Straße
Die Straße ist zwischen dem Kreisverkehr Rosenackerweg und der Kreuzung Peter-Eichert-Straße vollständig für den Fahrverkehr gesperrt bis voraussichtlich Mitte Juli.

Eugenstraße
Die Eugenstraße ist voraussichtlich bis Ende Juni zwischen der Hindenburgstraße und der Friedrichstraße vollständig für den Fahrverkehr gesperrt (Sanierung und Aufstockung der Parkgarage des Landkreises).

Frankfurter Straße (etwa ab Höhe Wendeplatte Heuweg 20)
Wegen Verlegung von Fernwärmeleitungen kommt es bis voraussichtlich Ende Juli zu einseitigen Fahrbahneinengungen und Einschränkungen.

Friedrichstraße
Auf Höhe der Friedrichstraße 6 ist der Gehweg für den Fußgängerverkehr gesperrt sowie die Fahrspur teils gesperrt bis voraussichtlich Ende September.

Gämsenbergstraße
Hier besteht zwischen der Neckarstraße und der Jugendherberge voraussichtlich bis Ende August eine Vollsperrung in den jeweiligen Bauabschnitten.

Grönerstraße
Die Grönerstraße ist voraussichtlich bis Ende Juni halbseitig gesperrt. Im Bereich der Baustelle besteht eine Einbahnstraßenregelung.

Hoferstraße
Hier besteht voraussichtlich bis Anfang Juli zwischen der Martin-Luther-Straße und der Gänsfußallee eine halbseitige Sperrung mit Einbahnstraßenregelung stadteinwärts.

Hohenzollernstraße
Auf Höhe der Hohenzollernstraße 18 besteht bis Ende Dezember eine halbseitige Sperrung.

Klopfer-Areal – Erschließung östlicher Bereich der Steinheimer Straße
Hier besteht eine halbseitige Sperrung sowie im Verlauf der Baumaßnahmen Vollsperrungen in den betroffenen Bauabschnitten – voraussichtlich bis Ende September.

Neißestraße/Pregelstraße
Wegen Errichten von Neubauten besteht hier eine Vollsperrung voraussichtlich bis Ende Juli.

Nussackerweg
Der Nussackerweg ist zwischen der Markgröninger Straße und der Teinacher Straße bis voraussichtlich bis Ende Oktober voll gesperrt.

Schillerstraße
Die Schillerstraße ist für den Fahrzeugverkehr in Richtung Westen befahrbar. Der Radverkehr bleibt in beide Richtungen aufrechterhalten. Der Fußgängerverkehr wird über den Gehweg auf der Südseite geführt. Diese Verkehrsregelung gilt für die Dauer der Bauarbeiten bis voraussichtlich Ende 2023.

Schlösslesweg
Hier besteht bis voraussichtlich Ende Juli eine Vollsperrung wegen Tiefbauarbeiten.

Steinheimer Straße
Bis voraussichtlich Ende September besteht hier eine halbseitige Sperrung.

Straßenäcker
Zwischen Straßenäcker 50 und Straßenäcker 56 besteht voraussichtlich bis Mitte Juli eine Vollsperrung.

Stuttgarter Straße/Schlossstraße/Wilhelmstraße
Abdichtungserneuerung der Unterführung Sternkreuzung bis voraussichtlich Mitte Oktober. Einrichtung eines Kreisverkehrs auf der Sternkreuzung. Es ist lediglich eine Fahrspur je Richtung nutzbar. Drei Fußgängerüberwege (Zebrastreifen) sind eingerichtet.

Quelle: Stadt Ludwigsburg