
Mit ungewöhnlich deutlichen Worten hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann vor den Folgen von Nationalismus gewarnt. Der Grünen-Politiker spricht von einem weltweiten Trend – und sieht auch die politische Kultur in Deutschland verändert.
Von Lea Brandt – 14.34 Uhr
Ludwigsburg. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat eindringlich vor den Gefahren eines wiedererstarkenden Nationalismus gewarnt.
„Der Nationalismus kehrt nicht nur im Osten oder der Bundesrepublik zurück, sondern weltweit“, sagte Kretschmann dem „Focus“. „Ich halte ihn übrigens für das gefährlichste Gift der politischen Moderne.“
Historische Parallelen und aktuelle Entwicklungen
Mit Blick auf die Geschichte verwies Kretschmann auf die Entstehung des Ersten Weltkriegs. Auch aktuelle Entwicklungen wie der Brexit seien Ausdruck dieser Tendenzen. „Die jüngste Blaupause wurde der Brexit. Für Europa ein furchtbarer Einschnitt, der bis heute vielfach unterschätzt wird.“
Kritik an politischem Klima
Zugleich äußerte sich Kretschmann kritisch über den politischen Umgangston in Deutschland. Ein „Kollateralschaden der AfD“ sei, „dass vom Landtag bis in die sozialen Netzwerke hinein heute ein destruktiver Dauerton dominiert“.
Früher habe es zwischen den demokratischen Parteien bei zentralen Fragen einen breiten Konsens gegeben, auch die Opposition habe konstruktiv gearbeitet. „Das habe sich dramatisch verändert.“
Abschied nach 15 Jahren
Kretschmann steht nach 15 Jahren an der Spitze der Landesregierung vor seinem Abschied. Sein Amt soll in Kürze sein Parteikollege Cem Özdemir übernehmen.

