Mit dem Mercedes-Benz Marco Polo auf Reisen

Selbst Skeptiker liebäugeln in Zeiten von Corona mit einem Urlaub in einem Wohnmobil. Allein im September 2020 wurden in Deutschland 165 Prozent mehr Reisemobile als im Vorjahresmonat neu zugelassen. Mercedes-Benz mischt bei den Kompakten mit dem Marco Polo mit, der auf der V-Klasse basiert und bis zu vier Schlafplätze bietet. Der Motor-Informations-Dienst (mid) ist mit dem Klassiker auf die Reise gegangen.

Man sieht es ihm nicht an. Der 5,14 Meter lange Camper mit dem Namen des italienischen Weltenreisenden kommt eher unauffällig daher. Abgesehen davon, dass er seinen Stuttgarter Stern nicht nur im Kühlergrill, sondern auf der Motorhaube gleich noch einmal trägt. Glatte Flächen erinnern an eine Großraumlimousine und eingeklappt fällt das Aufstelldach gar nicht auf. Bis die Schiebetür auf der rechten Seite mit einem leisen Surren zurückgleitet und der Blick in den Wohnbereich frei wird. Die leisen Zweifel, ob sich der helle, einer Segelyacht würdige Boden mit schlammigen Schuhen verträgt, bleiben unausgesprochen.

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Von entscheidenderer Bedeutung ist die Frage, wo und vor allem wie man sein Haupt bettet. Im Marco Polo gibt es im Heck eine Sitzbank für zwei, die man umklappt, wenn sie zum Bett für zwei werden soll. Ein etwas umständliches Unterfangen. Die Bank muss manuell nach vorne verschoben werden, die Rückenlehnen werden elektrisch in die Waagerechte versenkt. Das gelingt nach Ausprobieren der verschiedenen Knöpfe mit ihrer ganz eigenen Bedienlogik dann doch.

Für den geruhsamen Schlaf sorgt eine weiche Auflage, die aber mit ihrem Volumen Tribut beim Stauraum zwischen Rückenlehnen und Heckklappe fordert. Dort schreien auch schon die (optionalen) Campingmöbel laut “besetzt”.

Alternativ verspricht eine 2 x 1,15 Meter große Liegefläche im Obergeschoss weniger Verlust an wertvollem Stauraum. Anders als beim unteren Schlafplatz geht das Herrichten hier flotter von der Hand: Binnen 36 Sekunden erhebt sich das Dach, was über das zentrale Display intuitiv zu steuern ist. Der Weg nach oben wird allerdings zum Ziel. Über die Bedenken, ob die Armlehne des Fahrersitzes dem eigenen Gewicht standhält, ist man ja erhaben. Nach erfolgreicher Kraxelaktion auf die 5,5 Zentimeter dicke Matratze unter LED-Leseleuchten und neben USB-Anschlüssen ist der Lieblingsliegeplatz gefunden. Ultimativ wäre er, wenn man durch die beiden Luft-Luken in den Seitenwänden auch herausgucken könnte.

Neben der Wahl des Schlafplatzes ist beim Campen wichtig – die Reihenfolge ist sicherlich vom Geschlecht abhängig – was an Garderobe mit an Bord darf und wie es mit der Verpflegung aussieht. Auch in der Küchenzeile versucht der Ausbauer Westfalia, in dem schwäbischen Camper Eleganz und Funktionalität zu verbinden. Ein zweiflammiger Gasherd, versorgt von einer 2,8 Kilogramm Gasflasche im Heckschrank, regt an zu Fantasien, die in Richtung Pasta mit einer der Jahreszeit angemessenen Kürbiscremesuppe als Vorspeise wandern. Doch das Kochfeld unter der stylischen schwarzen Rauchglasabdeckung und das klein geratene Spülbecken rücken den Gedanken dann doch eher in Richtung Ravioli zurecht.

Aller Skepsis zum Trotz, Koch- und Ess-Utensilien in angemessenem Umfang kommen in Schubläden und diversen Staukästen gut unter. Zum Essen kann man mit wenigen Handgriffen aus der Küchenzeile einen Tisch herausklappen, allerdings blockiert er dann dort eine Tür. Dreht man die beiden Frontsitze um, finden bis zu vier Personen Platz.

Für die akustische Untermalung kulinarischer Highlights sorgt ein Soundsystem mit neun Lautsprechern, die Standheizung verwöhnt bei niedrigeren Temperaturen mit wohliger Wärme. Das relativiert dann auch die Frage nach der Garderobe, die allerdings morgens sorgsam ausgewählt und dann nicht ständig wieder gewechselt werden sollte. Die Schränke im Heck sind am besten von außen zugängig, weniger von der Sitzbank und schon gar nicht vom ausgeklappten Bett aus.

Trotz seiner Länge lässt sich der heckgetriebene Edeltransporter ohne zeitaufwändige Eingewöhnung leicht wie ein Pkw fahren. Der Vierzylinder-Turbodiesel mit 190 PS ist Mercedes-typisch gut gedämmt und das serienmäßige Komfort-Fahrwerk der V-Klasse lässt sich auch durch schlechtere Streckenabschnitte wenig beeindrucken. Weder klappern die Schränke im Takt der Bodenwellen, die die Fahrt durch das “Alte Land” im Norden Deutschlands begleiten, noch meldet sich das abgelegte Hubdach akustisch zu Wort. Nur bei forcierter Kurvenfahrt knarzt es im Armaturenbrett.

Der Verbrauch für den zweieinhalb Tonnen schweren Camper pendelt sich bei dem Mix von Autobahn, Landstraße und Stadt beziehungsweise Dorf bei annehmbaren acht Litern auf 100 Kilometer ein. Trotzdem bleibt es hier und heute bei den zwei Sternen für den Mercedes-Benz, denn bei einem Preis von immerhin 73.777,16 Euro darf man doch zumindest eine Toilette erwarten, von einer heißen Dusche ganz zu schweigen.

Solveig Grewe / mid

Technische Daten Mercedes-Benz Marco Polo Edition 250 d

– Länge / Breite / Höhe : 5,14 / 1,93 /1,98 Meter

– Motor: Vierzylinder Turbodiesel

– Hubraum : 1.950 ccm

– Leistung : 140 kw/190 PS

– max. Drehmoment: 440 Nm

– Getriebe: 9G-Tronic

– Beschleunigung: 0 – 100 km/h in 10,0 – 10,4 s

– Höchstgeschwindigkeit: 203 km/h

– Normverbrauch : 6,1 l / 100 km

– CO2-Emissionen : 161 g/km

– Preis: ab 65. 215 Euro

– Testwagenpreis: 73.777,16 Euro

Kreishaushalt 2021: Ludwigsburgs Landrat Allgaier kündigt schwere Jahre an

Von Uwe Roth

Der Landkreis Ludwigsburg bekommt die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie zu spüren. Die Kreisverwaltung möchte im kommenden Jahr 20 Millionen Euro neue Schulden machen, um die laufenden Ausgaben und Investitionen bewältigen zu können. Dazu soll mächtig gespart werden. Allein bei den Personalkosten eine Million Euro. Das hat Landrat am Freitag in seiner Haushaltsrede vor dem Kreistag angekündigt. Dietmar Allgaier kalkuliert 2021 mit einem Minus von 17,3 Millionen Euro, das die Kommunen aber nicht mittragen sollen: „In Anbetracht der schwierigen finanziellen Situation der Städte und Gemeinden ist es vertretbar, dass auch der Landkreis einen Teil seiner Investitionen fremd finanziert“, begründete der Landrat, warum er von einer Erhöhung der Kreisumlage absehen möchte.

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Der Haushalt steht nach seinen Worten „auf einem soliden Fundament“. Gleichzeitig warnte er: „Aber ich sage auch ganz klar: 20 Millionen Euro Kreditaufnahme sind kein Pappenstiel.“ Der Haushalt 2021 sei getragen „vom Rückenwind der letzten Boomjahre. Aber der Wind dreht sich.“ Allgaier schwor die Kreisräte auf harte Jahre ein. Die volle Auswirkung der Mindereinnahmen durch den Lockdown bekomme der Kreis erst 2022 mit voller Wucht zu spüren, warnte er. Neben den Pflichtausgaben müsse in die Kreiskliniken „im dreistelligen Millionenbereich“ investiert werden. „Diese Schuldenlast schlägt dann bei uns im Haushalt mit Zins und Tilgung durch.“ Dickster Ausgabeposten, an dem nicht gerüttelt werden kann, ist der Bereich „Jugend und Soziales“ mit 64 Prozent Anteil am Haushaltsvolumen. Das entspricht einem Betrag von rund 444 Millionen Euro. Um den Busverkehr im Landkreis finanziell nicht untergehen zu lassen, der nach dem ersten Lockdown weiter unter einem Fahrgastschwund leidet, hat die Kreisverwaltung vorsorglich 3,2 Millionen Euro eingestellt.

Ein Drittel der gesamten Ausgaben im Kreishaushalt finanzieren die 39 Städte und Gemeinden im Landkreis über diese Umlage. Würde die Kreisverwaltung auf neue Schulden verzichten, müssten die Kommunen das Haushaltsloch füllen. Der Jahresetat des Landkreises beträgt 720,8 Millionen Euro. 254 Millionen Euro finanzieren die Kommunen. Welchen Anteil jede einzelne von diesem Betrag übernimmt, wird mit einem Hebesatz berechnet. Dieser liegt bei aktuell 27,5 Prozentpunkten. Wie viel eine Kommune an den Kreis abführen muss, ist unter anderem von der dort festgestellten Steuerkraft abhängig. Je reicher eine Stadt oder Gemeinde ist, umso mehr muss sie zahlen.

Die Kreisverwaltung kann den konstant bleibenden Hebesatz deswegen hinnehmen, weil die Berechnungsgrundlage 2019 ist, in dem von Corona noch nichts zu spüren war und die kreiseigenen Gemeinden noch kräftig verdient haben. Sie steuern, weil die Einnahmen sprudelten wie selten zuvor, im nächsten Jahr zehn Millionen Euro mehr bei als im laufenden (Berechnungsgrundlage das Jahr 2018). Die Mindereinamen wegen Corona bekommt der Landkreis folglich erst 2022 zu spüren. „Dies dann aber mit voller Wucht“, warnte der Landrat. Dann komme der Landkreis um eine Anhebung des Hebesatzes für die Kreisumlage nicht herum. 2022 soll es ein Prozentpunkt mehr werden. Für die darauffolgenden Jahre kündigte Allgaier weitere Anhebungen in noch unbekannter Höhe an. Diese müssen vom Kreistag aber beschlossen werden. Da unter den Kreistagsmitgliedern zahlreiche Oberbürgermeister, Bürgermeister und Gemeinderäte sind, achten diese darauf, dass der Hebesatz möglichst gering bleibt, um den eigenen Haushalt zu schonen. Änderungen an der Kreisumlage ist meistens ein Tauziehen zwischen Kreisverwaltung und dem Kreistag.

Der Landrat versicherte in seiner Haushaltsrede, dass bei der internen Planung alles getan worden sei, die Ausgaben so gering wie möglich zu halten. So sei es gelungen, den „Fehlbetrag im Ergebnishaushalt von ursprünglich 30 Millionen Euro auf aktuell 17 Millionen Euro zu reduzieren“. In der Kreisverwaltung sei dazu eine Streichliste herumgegangen. Um die Einsparquote für die Zukunft weiter zu verbessern, möchte Allgaier die Verwaltungsarbeit effizienter gestalten. Dafür wird eine externe Beratungsagentur beauftragt. „Selbstverständlich werde ich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesen Prozess miteinbeziehen. Denn die Beschäftigten können am besten Auskunft über die Abläufe geben“, kündigte er an. In den kommenden Wochen werden die Ausschüsse und der Kreistag über den Haushaltsplan beraten und ihre Änderungswünsche einbringen. Erst danach wird Haushalt 2021 endgültig verabschiedet.