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Neueste Zahlen: Arbeitslosigkeit im Kreis Ludwigsburg nimmt geschwächt weiter zu

Die Corona-Pandemie hat in Deutschland zu einer schweren Rezession geführt. Dadurch gerät auch der Arbeitsmarkt extrem unter Druck. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind deutlich gestiegen. Die Anzeigen für Kurzarbeit steigen auf ein noch nie da gewesenes Niveau. 

Die Arbeitsmarktzahlen für den Monat Juni wurden heute präsentiert. Auch im Landkreis Ludwigsburg hat die Corona-Krise demnach deutliche Spuren hinterlassen. Nach neuesten Zahlen der Agentur für Arbeit Ludwigsburg und dem kommunalen Jobcenter Landkreis Ludwigsburg kam es infolge der Corona-Krise im Monat Juni zu einem weiteren Anstieg der Kurzarbeit sowie zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit.

Insgesamt waren im aktuellen Berichtsmonat Juni 11.880 Personen bei der Agentur für Arbeit Ludwigsburg und dem kommunalen Jobcenter Landkreis Ludwigsburg arbeitslos gemeldet. Das waren 317 Personen mehr als im Mai und 3.377 oder 39,7 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Laut Pressesprecherin Birgit Festtag von der Agentur für Arbeit in Ludwigsburg, gab es lediglich während der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 und 2010 eine noch höhere Arbeitslosigkeit im Landkreis Ludwigsburg. In der Spitze waren im Januar 2010 exakt 14.409 Menschen arbeitslos gemeldet.

2.155 Männer und Frauen meldeten sich erstmals oder erneut arbeitslos, davon 1.028 unmittelbar aus vorheriger Erwerbstätigkeit, 232 oder 18,4 Prozent weniger als im Vormonat und 14 Personen oder 1,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig gelang es 1.830 Menschen ihre Arbeitslosigkeit zu beenden, davon 717 Männer und Frauen durch Aufnahme einer Beschäftigung, 172 oder 31,6 Prozent mehr als im Vormonat und 95 oder 11,7 Prozent weniger als im Juni 2019. 353 Personen begannen im Juni mit einer Ausbildung oder sonstigen Maßnahme der aktiven Arbeitsmarktpolitik, 103 mehr als im Mai und 236 weniger als im Vorjahresmonat.

Ungeachtet der Coronakrise und deren massiven Auswirkungen auf die Wirtschaft werden in der Region weiterhin Fachkräfte gesucht und Ausbildungsplätze angeboten. Laut Sprecherin Festtag sind im Kreis Ludwigsburg viele Ausbildungsstellen noch unbesetzt.

Auch im Juni zeigten Betriebe wieder Kurzarbeit an. Seit dem letzten Stichtag am 25. Juni gingen weitere 169 Anzeigen auf Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit für insgesamt 2.474 Beschäftigte ein. Insgesamt haben sich im Zeitraum 01. März bis 25. Juni 2020 die Unternehmen im Landkreis rund 5.180 Anzeigen auf Kurzarbeit für rund 85.000 Beschäftigte angemeldet, so Pressesprecherin Birgit Festtag.

„Der Arbeitsmarkt steht noch immer stark unter dem Einfluss der Corona-Pandemie. Nach wie vor ist Kurzarbeit für viele Betriebe das Mittel der Wahl, Kündigungen zu vermeiden und ihre eingearbeiteten Arbeits- und Fachkräfte zu halten. Erfreulicherweise hat sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Landkreis Ludwigsburg zuletzt wieder deutlich abgeschwächt, weil sich einerseits weniger Personen arbeitslos melden mussten und andererseits wieder deutlich mehr Menschen als noch in den beiden Monaten zuvor wieder eine Beschäftigung aufnehmen konnten“, beschreibt Martin Scheel, der Leiter der Ludwigsburger Arbeitsagentur, die jüngsten Entwicklungen.

Arbeitsmarkt im Überblick – Berichtsmonat Juni 2020 – Ludwigsburg
Ausgewählte Merkmale Aktueller Monat (Vormonat) Veränderung zum Vorjahresmonat
Arbeitslose insgesamt
11.880 (11.563)
+ 317
Arbeitslose SGB III 6.766 (6.591) + 175
Arbeitslose SGB II 5.114  (4.972) + 142
Arbeitslosenquote in % 3,8 (3,7) + 0,1 
Gemeldete Arbeitsstellen 2.505 (2.561) 56

Quelle: Arbeitsagentur

red

Fachkräftemangel wird zur Gefahr für Baubranche im Kreis Ludwigsburg

Handwerker gesucht: Der Mangel an Fachkräften könnte für Baufirmen im Landkreis Ludwigsburg in den nächsten Jahren zu einem ernsten Problem werden. Davor warnt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach gibt es in den Bauberufen immer größere Schwierigkeiten, Personal für offene Stellen zu finden. Laut der Gewerkschaft blieben im vergangenen Jahr im Kreis Ludwigsburg 73 Stellen in der Branche länger als 90 Tage unbesetzt. 2017 waren es 57 Stellen.

„Ob es um den Bau von Wohnungen und Straßen oder die Sanierung von Brücken geht – viele Firmen arbeiten wegen der anziehenden Nachfrage längst am Limit. Und das sogar in Zeiten von Corona. Um die Aufträge zu bewältigen, müssen sie jetzt in die Fachleute von morgen investieren“, sagt Mike Paul, Bezirksvorsitzender der IG BAU Stuttgart. Die Branche müsse jedoch deutlich attraktiver werden. Das fange bei einer besseren Bezahlung an, so Paul. In der laufenden Tarifrunde für das Bauhauptgewerbe fordert die Gewerkschaft ein kräftiges Lohn-Plus. Außerdem soll die lange, bislang meist unbezahlte Fahrerei zur Baustelle entschädigt werden.

„Aktuell erleben wir einen regelrechten Facharbeiter-Schwund. Drei Jahre nach der Ausbildung haben im Schnitt zwei von drei Bauarbeitern ihre Branche verlassen. Der Trend muss unbedingt gestoppt werden“, betont Paul. Neben höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen komme es dabei auch auf ein gesundes Betriebsklima an. Beschäftigte vermissten häufig Respekt und Anerkennung für ihre Leistung. „Kein Wunder, dass sich da mancher nach einem anderen Beruf umschaut“, so Paul.

Wie sehr der Fachkräftebedarf in Zukunft anwachsen könnte, zeigt eine Studie der Sozialkassen des Baugewerbes (SOKA-BAU). Danach dürften in den nächsten zehn Jahren bundesweit 150.000 Bau-Beschäftigte in Rente gehen. Das ist jeder sechste Arbeitnehmer in der Branche.

red