NS-Verbrechen: Ludwigsburger Behörde stößt Ermittlungen gegen 105-Jährigen an

Mehr als acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ermittelt die Staatsanwaltschaft Dortmund gegen einen 105 Jahre alten früheren Wachmann eines nationalsozialistischen Kriegsgefangenenlagers. Ausgangspunkt waren Vorermittlungen der Zentralen Stelle in Ludwigsburg. Dem Mann wird Beihilfe zum vielfachen Mord vorgeworfen.

Von der Redaktion (ag) – 07.50 Uhr

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Ludwigsburg/Dortmund. Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg hat Ermittlungen gegen einen heute 105 Jahre alten früheren Wachmann des Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 (VI K) Senne auf den Weg gebracht.

Wie die „Bild“ berichtet, hatte die Ludwigsburger Behörde im Februar ein Vorermittlungsverfahren zu dem Mann an die Staatsanwaltschaft Dortmund abgegeben. Dort wird nun wegen des Verdachts der Beihilfe zum vielfachen Mord ermittelt.

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Ursprünglich hatte die Zentrale Stelle dem Bericht zufolge zwei Verfahren gegen ehemalige Wachmänner des Lagers übergeben. Einer der beiden Beschuldigten ist inzwischen gestorben.

Michael Otte, Erster Staatsanwalt und stellvertretender Behördenleiter der Zentralen Stelle in Ludwigsburg, sagte gegenüber der „Bild“: „Der Wachmann des Kriegsgefangenenlagers Senne, dessen Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Dortmund anhängig ist, ist bereits 105 Jahre alt.“

Ludwigsburger Behörde sucht bis heute nach NS-Tätern

Die Zentrale Stelle in Ludwigsburg beschäftigt sich seit mehr als 60 Jahren mit der Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen. Sie sammelt und bewertet weltweit Unterlagen und führt Vorermittlungen mit dem Ziel, noch lebende mutmaßliche Täter und Gehilfen ausfindig zu machen.

In den vergangenen Jahren gab die Behörde nach eigenen Angaben verstärkt Verfahren gegen früheres Wachpersonal von Konzentrationslagern und zuletzt auch von Kriegsgefangenenlagern an die zuständigen Staatsanwaltschaften ab.

Dabei geht es häufig nicht um den Vorwurf, selbst eine konkrete Tötung begangen zu haben. Ermittelt wird vielmehr, ob Wachleute durch ihre Tätigkeit das System der massenhaften Tötungen unterstützt und sich dadurch der Beihilfe zum Mord schuldig gemacht haben könnten.

Mord und Beihilfe zum Mord verjähren in Deutschland nicht.

Mehr als 300.000 Gefangene durchliefen das Lager

Das Stalag 326 (VI K) Senne lag nahe Schloß Holte-Stukenbrock im heutigen Kreis Gütersloh und bestand von 1941 bis 1945. Mehr als 300.000 Kriegsgefangene durchliefen das Lager, die meisten von ihnen Soldaten aus der Sowjetunion. Die Gefangenen litten unter Hunger, Krankheiten und katastrophalen hygienischen Bedingungen.

Wie viele Menschen dort starben, ist bis heute unklar. Die Gedenkstätte geht von mindestens 15.000 Todesopfern aus, einige Quellen nennen bis zu 65.000.

Ob es im Fall des heute 105-Jährigen zu einer Anklage kommt, ist noch offen. Zunächst führt die Staatsanwaltschaft Dortmund ihre Ermittlungen weiter.


Verwendete Quellen: Bild / Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg / dts Nachrichtenagentur / Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne