
Auf dem Bau wird selten bis ins hohe Alter gearbeitet. Im Landkreis Ludwigsburg sind nach Angaben der IG BAU von rund 6.270 Bauarbeitern nur etwa 250 älter als 63 Jahre. Die Gewerkschaft fordert deshalb bessere Übergänge vom Arbeitsleben in den Ruhestand.
Von der Redaktion – 12.33 Uhr
Ludwigsburg. Wer auf dem Bau arbeitet, spürt seinen Beruf oft früher als andere im Körper. Heben, tragen, knien, draußen arbeiten bei Hitze, Kälte, Regen oder Frost. Für die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt ist deshalb klar: Eine Rentendebatte darf nicht so geführt werden, als seien alle Berufe gleich belastend.
Die IG BAU Nordwürttemberg verweist auf aktuelle Angaben der Arbeitsagentur. Demnach gibt es im Landkreis Ludwigsburg rund 6.270 Bauarbeiter. Nur etwa 250 von ihnen sind älter als 63 Jahre. Für die Gewerkschaft ist das ein Hinweis darauf, dass viele Beschäftigte in körperlich harten Berufen nicht bis zur regulären Altersgrenze durchhalten.
„Für die meisten ist schon Schluss, bevor sie 60 sind. Sie packen die Arbeit auf dem Bau gesundheitlich dann einfach nicht mehr“, sagt Alexander Deh, Vorsitzender der IG BAU Nordwürttemberg.
Die Gewerkschaft kritisiert vor diesem Hintergrund die Debatte über längeres Arbeiten und mögliche Änderungen bei der Rente. Aus Sicht der IG BAU braucht es für Berufe mit hoher körperlicher Belastung flexiblere Übergänge in den Ruhestand. Deh spricht von einer Rente, die stärker dem „Härtegrad der Arbeit“ angepasst werden müsse.
Dabei geht es der Gewerkschaft nicht nur um Maurer, Dachdecker, Kanal- oder Straßenbauer. Auch Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft, in der Gebäudereinigung sowie im Garten- und Landschaftsbau seien betroffen.
Appell an Bundestagsabgeordnete aus der Region
Die IG BAU fordert die Bundestagsabgeordneten aus dem Kreis Ludwigsburg und der Region auf, sich in Berlin für Korrekturen einzusetzen. Die Gewerkschaft warnt, dass körperlich harte Berufe weiter an Attraktivität verlieren könnten, wenn Beschäftigte keine realistische Perspektive auf einen gesunden Übergang in die Rente hätten.
Kritisch sieht die IG BAU auch Überlegungen, die Rente mit 63 abzuschaffen. Besonders viele Babyboomer hätten ihre Lebensplanung darauf ausgerichtet. Nach Angaben der Gewerkschaft gehen im Landkreis Ludwigsburg in den kommenden zehn Jahren rund 80.800 Menschen dieser Generation in Rente. Die IG BAU beruft sich dabei auf Berechnungen des Pestel-Instituts.
Deh warnt vor einem Vertrauensverlust, wenn Menschen nach 45 Beitragsjahren kurz vor dem Ruhestand mit neuen Regeln konfrontiert würden. Aus Sicht der Gewerkschaft geht es deshalb nicht nur um Rentenpolitik, sondern auch um Verlässlichkeit.
Auch beim Rentenniveau fordert die IG BAU Nachbesserungen. Die Gewerkschaft verlangt eine garantierte Haltelinie und spricht sich dafür aus, das Rentenniveau langfristig wieder auf mindestens 53 Prozent anzuheben.

