OB Knecht gibt bei LUCIE die Richtung vor: Gemeinderat entscheidet im Oktober über die Zukunft

Von Ayhan Güneş

Am 22. Oktober soll im Ludwigsburger Gemeinderat über die umstrittene Stadtbahn „LUCIE“ entschieden werden. OB Knecht pocht auf politische Verantwortung – und hält an der angekündigten Abstimmung fest. Während die Grünen das Projekt als „Jahrhundertchance“ sehen, wächst der Widerstand gegen mögliche Streckenführungen. Ein Bürgerentscheid bleibt möglich – aber nur nach dem Votum des Gemeinderats.

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Ludwigsburg – Jahrelang wurde geplant, gestritten und gefeilt – nun rückt der Tag der Entscheidung näher: Am 22. Oktober will Ludwigsburgs Oberbürgermeister Matthias Knecht den Gemeinderat über die Zukunft der umstrittenen Stadtbahn „LUCIE“ abstimmen lassen. Während im Kreistag zuletzt die Grünen das Projekt als „Jahrhundertchance“ verteidigten, setzt die Stadtverwaltung auf Klarheit – und auf politische Verantwortung vor einem möglichen Bürgerentscheid.

OB Knecht: „Die Bürgerschaft ist unser wichtigster Auftraggeber“

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In einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme macht Ludwigsburgs OB Knecht deutlich: Die Entscheidung über das weitere Vorgehen bei der Stadtbahn fällt im Oktober – wie angekündigt. „Ich habe dem Gemeinderat und allen Bürgerinnen und Bürgern zugesichert, dass wir noch in diesem Herbst zu einer Entscheidung kommen werden. An diesem Versprechen halte ich fest“, erklärte  darin OB Knecht.

Zentral ist für ihn dabei die Rolle des Gemeinderats: „Der Gemeinderat ist das von den Bürgerinnen und Bürgern gewählte Organ. Es hat den Auftrag, grundlegende Entscheidungen für die Stadt zu treffen“, so Knecht. Sollte im Anschluss an den Beschluss ein Bürgerbegehren folgen, werde man dieses „sorgfältig umsetzen und begleiten“.

Vorentscheidung im Zweckverband – zentrale Fragen bleiben

Bis zur Sitzung am 22. Oktober will die Stadt in enger Abstimmung mit dem Zweckverband Stadtbahn weitere Informationen liefern – zu Streckenführung, Bewertung, Kosten, Förderung und Fahrgastzahlen. Insbesondere die Frage, ob die Stadtbahn in den Ludwigsburger Bahnhof eingeführt wird oder eine Alternativroute durch die Weststadt gewählt wird, gilt als politisch und planerisch heikel.

Der Zweckverbandsvorsitzende Michael Ilk hatte sich bereits für die Weststadt-Variante ausgesprochen – auch um betriebliche Einschränkungen durch den Bahnverkehr am Hauptbahnhof zu vermeiden. Doch die neue Route sorgt in den betroffenen Stadtteilen für Proteste, vor allem wegen möglicher Baumfällungen und befürchteter Eingriffe ins Wohnumfeld.

Grüne warnen: „Die Stadtbahn darf nicht entkernt werden“

In der politischen Debatte mehren sich die Stimmen, die einen reinen Trassenbau bis Markgröningen ablehnen. „Ein Beschluss, ausschließlich den Streckenast nach Markgröningen zu forcieren, macht aus dem Stadtbahn-Projekt einen Zubringer zur S-Bahn“, kritisierte Fabian Obenland von den Grünen im Kreistag zuletzt.

Die Grünen sehen die Stadtbahn als „wichtigsten Baustein für die Verkehrswende in der Region“ und fordern eine durchgehende Verbindung bis Pattonville. Auch eine spätere Erweiterung durch die Wilhelmstraße solle weiterhin offen geprüft werden.

Bürgerbeteiligung möglich – aber erst nach Ratsbeschluss

OB Knecht zeigt sich gegenüber einem möglichen Bürgerentscheid offen – allerdings erst nach der Entscheidung des Gemeinderats. „Die Bürgerschaft ist unser wichtigster Auftraggeber. Wir halten es jedoch für die richtige Reihenfolge, zunächst im Gemeinderat zu beraten und zu entscheiden.“

Tatsächlich hatte der Gemeinderat bereits im Juli 2022 dem Projekt grundsätzlich zugestimmt – ebenso wie die anderen Mitgliedskommunen und der Kreistag. Nun geht es um konkrete Anträge, die in der Sitzung am 22. Oktober zur Abstimmung stehen.

Millionenkosten – kein Baustart in Sicht

Die Stadtbahn bleibt ein Projekt mit vielen offenen Fragen: Die Gesamtinvestitionen belaufen sich laut bisherigen Berechnungen auf rund 137 Millionen Euro – mit Förderquoten von bis zu 95,75 Prozent bei der Reaktivierung der Strecke nach Markgröningen. Doch trotz Planung seit über 15 Jahren ist ein konkreter Baustart weiterhin nicht absehbar. Die ursprünglich für 2028 geplante Eröffnung wurde bereits auf frühestens 2031 verschoben.

Wendepunkt im Oktober

Mit der jetzt angekündigten Abstimmung am 22. Oktober ist klar: Die Stadtbahn steht an einem Wendepunkt. Eine klare Positionierung des Gemeinderats könnte Signalwirkung für das gesamte Projekt haben – aber auch für mögliche Bürgerinitiativen, Investitionsentscheidungen und die künftige Verkehrsplanung im Landkreis.

Ob „LUCIE“ als Hoffnungsträger oder als gescheitertes Prestigeprojekt in die Geschichte eingeht, entscheidet sich wohl in diesem Herbst – und zwar zuerst im Ludwigsburger Rathaus.