OB Knecht: Stadt muss sich um sozialen Zusammenhalt kümmern – Strategiepapier vorgestellt

Von Uwe Roth

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Frisch aus dem Urlaub hat Oberbürgermeister Matthias Knecht am Donnerstag mit viel Schwung das erste Pressegespräch nach der Sommerpause gestartet. Gleich am Anfang macht er deutlich, „dass die Pandemie noch nicht außen vor ist“. Zugleich bekräftigt er, dass nun wieder die Zeit gekommen sei, nicht nur Corona-Krisenmanagement zu betreiben, sondern sich um die drängenden Zukunftsaufgaben für die Stadt zu kümmern. Eine solche dringende Aufgabe ergibt sich für ihn aus der Pandemie: Trotz zunehmender Lockerungen reagierten Menschen mit wachsender Verständnislosigkeit auf verbleibende oder veränderte Regeln. Bis in Familien hinein beobachtet er „tiefe Zerwürfnisse“, wenn übers Impfen, 3 G/2G oder das Maskentragen gesprochen werde. Im tiefsten Lockdown sei die Stimmung insgesamt entspannter gewesen als aktuell, stellt er fest. Tiefe Risse gingen durch die Gesellschaft und gefährden diese sogar. Den sozialen Zusammenhalt zu stärken, Risse zu kitten, ist nach seiner Auffassung auch eine Aufgabe der Stadt.

Knecht sieht für die nächsten Jahre fünf Schwerpunktthemen, auf die sich die Verwaltung neben der Tagesarbeit konzentrieren werde. Eines davon ist die Förderung des sozialen Zusammenhalts. Unterpunkte sind für ihn bürgerschaftliches Engagement, Ausgleich von Benachteiligung, sozialer Frieden und die Arbeit der Vereine. Die weiteren vier Punkte sind eine umweltverträgliche Mobilität, eine klimaneutrale Stadt, Schaffen bezahlbaren Wohnraums insbesondere für Familien und die Bildungsgerechtigkeit. Das heißt, breite Bildungsangebote zu schaffen. Die Digitalisierung und eine lernende Verwaltung definiert Knecht als Querschnittsaufgaben. Das Erreichen der 100 000 Einwohner-Grenze gehöre dagegen nicht zu seinen Zielen, versichert er. Auch viele Bürger wollten das weitere Wachstum der Bevölkerung nicht. Die Infrastruktur sei an ihre Grenzen gelangt.

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Diese Aufgaben in den kommenden Jahren zu erfüllen, sieht der OB im Spannungsfeld mit dem Auftrag, „spätestens ab 2024 fünf Millionen Euro jährlich zu sparen“. Das stelle die Verwaltung vor die Herausforderung, unangenehme Wahrheiten zu verkünden und „deutlich zu sagen, was künftig nicht mehr geht“. Eines stehe jetzt schon fest: Es werde nicht in jedes Klassenzimmer ein Luftfilter installiert werden. Dies sei weder überall sinnvoll noch in einem normalen Rahmen bezahlbar. „Ich investiere lieber in Bildung als in technische Geräte.“

Für freiwillige Aufgaben werde weniger Geld aus dem Haushalt zur Verfügung stehen. Zu den freiwilligen Aufgaben einer Kommune zählen Ausgaben für Kultur, Sport oder die Wirtschaftsförderung. Das aber sind genau die Bereiche, aus denen hohe Erwartungen an die Stadt gestellt werden. Da müssen viele Gespräche geführt werden, um Proteste klein zu halten, weiß der Oberbürgermeister.

Von Frühjahr kommenden Jahres an sollen diese in sogenannten Zukunftswerkstätten geführt werden. Die Stadt werde dazu gezielt Personen aus der Wirtschaft, Vereinen und sonstigen Organisationen einladen. Aber auch interessierte Bürger und Bürgerinnen dürften daran teilnehmen. Knecht verspricht, dass es ein Dialog auf Augenhöhe sein werde. „Die Stadt wird den Bürgern nicht erklären, wie Stadt funktioniert.“ Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat bezeichnet Knecht „als sehr konstruktiv“. Er widerspricht der Kritik, dass die Verwaltung manchmal zu wenig selbstbewusst in den Gremien auftritt und dort Vieles zerredet werde.

Einsparpotenzial sieht der Rathauschef auch in einer engeren Zusammenarbeit mit der Nachbarstadt Kornwestheim. Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim zeigten erfolgreich, wie das geht. Die beiden Feuerwehren könnten Spezialfahrzeuge, die teuer, aber selten im Einsatz sind, gemeinsam anschaffen. Das alles seien erste Überlegungen, betont er. Pläne gäbe es dazu nicht.

So sehen die Corona-Zahlen am Dienstag aus – Inzidenz im Landkreis sinkt deutlich

Um eine Überlastung des Gesundheitssystems durch ungeimpfte Menschen zu vermeiden, gelten seit dem (16. September) in Baden-Württemberg neue Corona-Maßnahmen . Für Ungeimpfte gelten jetzt strengere Regeln.

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Die Corona-Lage in Baden-Württemberg: 

Am Dienstag gab es laut dem Landesgesundheitsamt in Baden-Württemberg weitere 1.901 (Vortag: 503) bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus und 1weitere COVID-19-Todesfälle. Die landesweite 7-Tage-Inzidenz liegt nun bei 83,8 (Vortag: 88,8).

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Screenshot: Landesgesundheitsamt BW

Nach Daten des DIVI-Intensivregisters von Krankenhaus-Standorten mit Intensivbetten zur Akutbehandlung sind mit Datenstand 21.09.2021, 16 Uhr insgesamt 203 (Vortag: 209) COVID-19-Fälle in Baden-Württemberg in intensivmedizinischer Behandlung, davon werden 101 (Vortag:106) invasiv beatmet.

Die 7-Tage Hospitalisierungsinzidenz (Hospitalisierungen bezogen auf 100.000 Einwohner in Baden-Württemberg) liegt bei 2,06 (Vortag: 1,94).

Seit Beginn der Pandemie wurden bislang insgesamt 560.442 laborbestätigte COVID-19-Fälle aus allen 44 Stadt- bzw. Landkreisen berichtet, darunter 10.577 Todesfälle. Die 7-Tage-Inzidenz beträgt landesweit 83,8 pro 100.000 Einwohner. Die 7-Tage-Inzidenz für COVID-19 Fälle mit einer abgeschlossenen Impfserie (zweimal geimpft oder mit Johnson geimpft) beträgt 18,2 (Vortag:19,5)  / 100.000 Einwohner, gegenüber 190,4 (Vortag: 200,7) / 100.000 Einwohner für Ungeimpfte, nicht vollständig geimpfte COVID-19 Fälle und Fälle ohne Angaben zum Impfstatus.

So sehen die Corona-Zahlen für den Landkreis Ludwigsburg aus:

 

Innerhalb 24 Stunden wurden in der Summe 73 Neuinfektionen registriert. Die Zahl der Corona-Toten im Kreis Ludwigsburg bleibt unverändert bei mindestens 522. Rund 28.538 (+104) Menschen haben die Infektion nach Schätzungen vom Landratsamt überstanden. Die 7-Tage-Inzidenz sinkt deutlich auf 73.

Aktuelle Impfzahlen für den Kreis Ludwigsburg: 

Screenshot: Landratsamt Ludwigsburg

Infizierte nach Gemeinde (Quelle: Landratsamt Ludwigsburg – Stand: 21.09.)

Affalterbach ( 192 | 0 )
Asperg ( 785 | 0 )
Benningen am Neckar ( 274 | 0 )
Besigheim ( 734 | 2 )
Bietigheim-Bissingen ( 2.774 | 14 )
Bönnigheim ( 594 | 1 )
Ditzingen ( 1.337 | 3 )
Eberdingen ( 332 | 0 )
Erdmannhausen ( 207 | 0 )
Erligheim ( 160 | 0 )
Freiberg am Neckar ( 666 | 1 )
Freudental ( 172 | 0 )
Gemmrigheim ( 287 | 0 )
Gerlingen ( 787 | 1 )
Großbottwar ( 385 | 1 )
Hemmingen ( 371 | 0 )
Hessigheim ( 74 | 0 )
Ingersheim ( 311 | 2 )
Kirchheim am Neckar ( 403 | 0 )
Korntal-Münchingen ( 983 | 3 )
Kornwestheim ( 2.190 | 9 )
Löchgau ( 314 | 0 )
Ludwigsburg ( 5.432 | 7 )
Marbach am Neckar ( 803 | 3 )
Markgröningen ( 832 | 2 )
Möglingen ( 772 | 0 )
Mundelsheim ( 142 | 0 )
Murr ( 301 | 1 )
Oberriexingen ( 135 | 2 )
Oberstenfeld ( 414 | 0 )
Pleidelsheim ( 351 | 0 )
Remseck am Neckar ( 1.406 | 3 )
Sachsenheim ( 1.147 | 3 )
Schwieberdingen ( 567 | 3 )
Sersheim ( 332 | 0 )
Steinheim an der Murr ( 542 | 4 )
Tamm ( 481 | 3 )
Vaihingen an der Enz ( 1.611 | 5 )
Walheim ( 157 | 0 )

red