Porsche verkauft MHP: Ludwigsburgs Erfolgsunternehmen geht an indischen IT-Konzern

Fast drei Jahrzehnte lang gehörten Porsche und MHP zusammen. Aus einer kleinen Beratung mit 37 Beschäftigten wurde ein internationaler Konzern mit rund 4.500 Mitarbeitern. Erst 2024 übernahm Porsche MHP vollständig – nun folgt der überraschende Verkauf an den indischen IT-Riesen Tata Consultancy Services. Für Ludwigsburg stellt sich damit vor allem eine Frage: Wie eigenständig bleibt das Vorzeigeunternehmen unter dem neuen Eigentümer?

Von Ayhan Güneş – 08.28 Uhr

Ludwigsburg. Fast drei Jahrzehnte lang waren die Namen Porsche und MHP eng miteinander verbunden. Porsche stieg ein, als die junge Beratung gerade einmal 37 Beschäftigte hatte, begleitete ihren Aufstieg und übernahm das Unternehmen Anfang 2024 schließlich vollständig. Gut zweieinhalb Jahre später zieht sich der Sportwagenhersteller als Eigentümer wieder zurück.

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Tata Consultancy Services, kurz TCS, soll 100 Prozent der Anteile an der Ludwigsburger Management- und IT-Beratung übernehmen. Porsche und der zur indischen Tata Group gehörende Technologiekonzern haben am Montag, 24. August, einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet, wie Porsche mitteilt.

Der Eigentümerwechsel steht noch unter dem Vorbehalt der behördlichen und kartellrechtlichen Genehmigungen. Abgeschlossen werden soll die Transaktion in den kommenden Monaten.

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MHP soll seinen Namen behalten und innerhalb von TCS als eigenständiges Beratungshaus weiterarbeiten. Auch Porsche bleibt Kunde. Parallel zum Verkauf haben Porsche und TCS eine strategische Zusammenarbeit vereinbart, die unter anderem den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Produktion, Entwicklung und weiteren Unternehmensbereichen vorantreiben soll.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll der Unternehmenswert von MHP bei der Transaktion bei rund 320 Millionen Euro liegen. Der zusätzlich vereinbarte Fünfjahresvertrag zwischen Porsche und TCS soll demnach ein Volumen von rund 1,25 Milliarden Euro haben.

Vom Fünf-Mann-Unternehmen zum internationalen Berater

Für Ludwigsburg ist der Verkauf mehr als eine Verschiebung innerhalb zweier internationaler Konzerne.

MHP gehört seit Jahren zu den bekanntesten Unternehmen der Stadt. Gegründet wurde die damalige Mieschke Hofmann und Partner GmbH am 2. Mai 1996 von Ralf Hofmann und Lutz Mieschke mit fünf Mitarbeitern in Karlsruhe.

Zwei Jahre später kam Porsche ins Spiel.

„Es war der entscheidende Meilenstein nach zweieinhalb Jahren, als Porsche 1998 in unser Unternehmen eingestiegen ist“, sagte Hofmann 2021 im großen Interview mit Ludwigsburg24. MHP habe damals 37 Mitarbeiter gehabt. Porsche sei nicht wegen des Geldes ins Unternehmen geholt worden, sondern um MHP im Automotive-Geschäft eine stärkere Marktposition zu verschaffen. (hier geht es zum Interview mit Ralf Hoffmann)

Der Plan ging auf.

2021 beschäftigte MHP bereits rund 3.000 Menschen weltweit, etwa 1.500 davon in Ludwigsburg. Heute arbeiten nach Unternehmensangaben rund 4.500 Beschäftigte für MHP.

Aus dem kleinen SAP-Berater wurde ein international tätiges Unternehmen, das längst über die Automobilindustrie hinaus arbeitet. MHP berät inzwischen auch Unternehmen aus der Fertigung, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Energie und dem öffentlichen Bereich.

Porsche baute seinen Anteil über die Jahre immer weiter aus. 1998 waren es zunächst 51 Prozent, 2011 bereits 81,8 Prozent.

Der damalige MHP-Chef Hofmann hielt die restlichen 18,2 Prozent.

Ein bemerkenswerter Satz aus dem Jahr 2021

Gerade vor dem Hintergrund des heutigen Verkaufs bekommt eine weitere Aussage Hofmanns aus dem Jahr 2021 eine neue Bedeutung.

Damals fragte Ludwigsburg24 den Unternehmensgründer, warum Porsche MHP nicht längst vollständig übernommen habe.

Hofmann antwortete, er sei sicher, dass sich MHP bei einer vollständigen Übernahme nicht genauso entwickelt hätte. Die Eigenständigkeit spielte für ihn bei der Erfolgsgeschichte des Unternehmens offenbar eine wichtige Rolle.

Drei Jahre später änderte sich die Eigentümerstruktur dennoch grundlegend.

Porsche kündigte im Sommer 2023 an, auch Hofmanns verbliebene 18,2 Prozent zu übernehmen. Bis Januar 2024 sollte MHP vollständig zum Sportwagenhersteller gehören.

Die Stoßrichtung war damals eine völlig andere. MHP sollte schneller wachsen, zusätzliche Technologiefelder erschließen und auch durch Zukäufe expandieren. „Wir haben mit MHP viel vor“, sagte der damalige Porsche-Finanzvorstand Lutz Meschke.

Gut drei Jahre später steht nun der Verkauf.

Vom Ausbau zum Verkauf in gut zweieinhalb Jahren

Dieser Kurswechsel gehört zu den auffälligsten Punkten der Transaktion.

2024 machte Porsche aus seiner langjährigen Mehrheitsbeteiligung eine hundertprozentige Tochter. Im selben Jahr übergab Unternehmensgründer Hofmann nach fast drei Jahrzehnten die operative Führung an Federico Magno und wechselte in den Strategiebeirat.

Nun folgt die vollständige Trennung auf Eigentümerebene.

Porsche-Chef Michael Leiters begründet den Verkauf mit der neuen Strategie „Sportwagenschmiede 35“. Der Hersteller will sich stärker auf sein Kerngeschäft konzentrieren. MHP soll gleichzeitig gemeinsam mit TCS weiterhin eine wichtige Rolle bei Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz für Porsche spielen.

Der Käufer selbst ist ungleich größer als MHP. Tata Consultancy Services ist in 55 Ländern aktiv und gehört zu den weltweit bedeutenden IT-Dienstleistern. Für TCS stärkt die Übernahme insbesondere das Geschäft mit deutschen und europäischen Industrie- und Automobilkunden.

Was bedeutet der Verkauf für Ludwigsburg?

Für den Standort bleibt die entscheidende Frage vorerst unbeantwortet.

Nach Angaben von Porsche und MHP soll das Unternehmen als Marke und eigenständiges Beratungshaus erhalten bleiben. Konkrete Zusagen zur Zahl der Arbeitsplätze in Ludwigsburg oder zur langfristigen Zukunft des Hauptsitzes enthalten die bisherigen Mitteilungen jedoch nicht.

Das fällt auch deshalb auf, weil der Standort für das Unternehmen über Jahre eine besondere Rolle spielte.

Im Interview mit Ludwigsburg24 hatte Hofmann 2021 einen Wegzug noch kategorisch ausgeschlossen. MHP fühle sich in Ludwigsburg wohl und sei dort stark engagiert.

Dieses Engagement ist bis heute im Stadtbild sichtbar. Seit 2012 trägt die große Veranstaltungshalle den Namen MHPArena, der Vertrag wurde 2021 vorzeitig bis mindestens 2027 verlängert. Seit 2023 trägt zudem das Stadion des VfB Stuttgart den Namen des Ludwigsburger Unternehmens.

Doch auch wirtschaftlich verliefen die vergangenen Jahre nicht ausschließlich nach oben.

Erst 2025 wurde bekannt, dass MHP mehrere Hundert Stellen in Deutschland abbauen wollte. Rund fünf Prozent der deutschen Belegschaft sollten betroffen sein, darunter Beschäftigte am Hauptsitz Ludwigsburg. Gleichzeitig wollte das Unternehmen im Zuge seiner Strategie „Turbo 2030“ neue Mitarbeiter mit anderen, stärker auf Zukunftstechnologien ausgerichteten Qualifikationen einstellen.

In diese Phase hinein platzt nun der Verkauf. MHP wechselt erstmals seit dem Porsche-Einstieg 1998 vollständig in den Besitz eines anderen Konzerns.

MHP bleibt für Porsche wichtig

Dass Porsche MHP verkauft, bedeutet allerdings keine Trennung im operativen Geschäft.

MHP soll auch unter dem neuen Eigentümer an der Digitalisierung des Sportwagenherstellers arbeiten. Gemeinsam mit TCS sollen KI-Anwendungen unter anderem für Produktion, Entwicklung und weitere Unternehmensbereiche vorangetrieben werden.

Für MHP-Chef Federico Magno eröffnet der neue Eigentümer nach eigener Darstellung zusätzliche internationale Möglichkeiten. TCS bringt eine weltweite Infrastruktur und deutlich größere Ressourcen mit.

Die Frage ist deshalb nicht nur, was MHP mit dem Verkauf verliert. Entscheidend wird sein, wie viel Eigenständigkeit das Ludwigsburger Unternehmen unter einem globalen IT-Konzern tatsächlich behält.

1998 stieg Porsche bei einer Beratung mit 37 Beschäftigten ein. Fast drei Jahrzehnte später verkauft der Sportwagenhersteller ein international aufgestelltes Unternehmen mit rund 4.500 Mitarbeitern.

Für MHP endet damit nicht die Zusammenarbeit mit Porsche. Aber die Porsche-Ära als Eigentümer ist vorbei.

Der neue Eigentümer heißt Tata Consultancy Services.


Verwendete Quelle: Pressemitteilungen Porsche AG, MHP, Tata Consultancy Services, Reuters, Ludwigsburg24-Archiv