Poser-Szene legt Ludwigsburg lahm: Polizei zählt über 800 Fahrzeuge und bis zu 2.000 Menschen

Ein riesiges Tuning-Treffen hat in Ludwigsburg für Verkehrschaos, Lärm und zahlreiche Polizeieinsätze gesorgt. Bis zu 2.000 Menschen und mehr als 800 Fahrzeuge kamen zusammen, parallel ermittelt die Polizei wegen mehrerer mutmaßlich illegaler Rennen

Von Hendrik Paul – 16.32 Uhr

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Ludwigsburg. Ein großes Treffen der Posing-, Tuning- und Eventszene hat am Samstagabend (2. Mai 2026) in Ludwigsburg für erhebliche Verkehrsprobleme, Lärmbeschwerden und mehrere Polizeieinsätze gesorgt. Auch mehrere mutmaßlich verbotene Kraftfahrzeugrennen beschäftigen nun die Ermittler.

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Ludwigsburg hatten sich die Teilnehmenden auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Heinkelstraße getroffen. Die Veranstaltung war zuvor über Soziale Medien beworben worden. Bereits gegen 20:00 Uhr waren Parkflächen und Teile eines Parkhauses nahezu ausgelastet. In der Spitze zählte die Polizei mehr als 800 Fahrzeuge und bis zu 2.000 Personen.

Auf dem Gelände und in den umliegenden Straßen kam es zu teils erheblichen Verkehrsbehinderungen. Auch unbeteiligte Verkehrsteilnehmende und der Busverkehr des ÖPNV waren betroffen. Im Verlauf des Abends kam es zudem immer wieder zu Lärm- und Geruchsbelästigungen, weil Motoren aufheulten, Reifen durchdrehten und Fahrzeuge über den Parkplatz drifteten.

Besonders laut wurde es nach Polizeiangaben auch in einem Parkhaus, in das mehrere Motorradfahrer trotz Absperrungen gelangten. Dort beschleunigten sie stark und sorgten für massiven Lärm, der auch Anwohner im Tammer Wohngebiet Hohenstange störte. Zahlreiche Beschwerden gingen bei der Polizei ein.

Elf Streifenwagenbesatzungen waren im Einsatz. Sie führten Zu- und Abfahrtskontrollen durch und ahndeten Verstöße. Dabei wurden die Maßnahmen laut Polizei teilweise erheblich behindert. Absperrmaterial sei entfernt worden, Kontrollmaßnahmen seien von größeren Gruppen lautstark kommentiert worden. Gegen 01:30 Uhr entspannte sich die Lage, etwa eine Stunde später waren nur noch einzelne Fahrzeuge und Personen vor Ort.

Die Polizei stellte zahlreiche Verstöße fest. Unter anderem wurden 13 Fahrer wegen unnötigen Lärms angezeigt. Bei sieben Fahrzeugen führten unzulässige Veränderungen zum Erlöschen der Betriebserlaubnis. Eine 17-Jährige wurde fahrend auf einem Leichtkraftrad kontrolliert, obwohl sie nicht über die erforderliche Fahrerlaubnis verfügte. Zudem war auch hier die Betriebserlaubnis erloschen. Gegen sie und den 23-jährigen Halter wurden Strafverfahren eingeleitet.

Im Umfeld des Treffens kam es außerdem zu mehreren mutmaßlich verbotenen Kraftfahrzeugrennen. Gegen 23:10 Uhr sollen zwei Autofahrer mit einem VW Golf und einem orangefarbenen BMW mit Schweizer Kennzeichen auf der A81 von Heilbronn in Richtung Stuttgart mit etwa 200 km/h unterwegs gewesen sein. Sie fuhren laut Polizei teilweise nebeneinander und versuchten, sich mit Lichthupe freie Fahrt zu verschaffen. Eine Streife stoppte den VW Golf am Parkplatz Engelberg und kontrollierte den 20-jährigen Fahrer sowie seinen 21-jährigen Beifahrer. Der BMW-Fahrer flüchtete unerkannt.

Kurz vor 01:00 Uhr beobachtete eine Zivilstreife vier Motorräder, die bei Tamm von der B27 auf die A81 in Richtung Stuttgart auffuhren. Die Fahrer beschleunigten stark, wechselten direkt auf die linke Spur und fuhren weiter Richtung Stuttgart-Zuffenhausen. Auf der B10 sollen sie bei erlaubten 80 km/h bis zu 170 km/h erreicht haben. Nachdem ein Fahrer bei geschätzten 120 km/h einen Wheelie versucht haben soll und sein Motorrad einen technischen Defekt erlitt, konnten alle vier kontrolliert werden. Gegen drei Männer im Alter von 23, 24 und 35 Jahren sowie eine 29-jährige Motorradfahrerin wird nun wegen verbotenen Kraftfahrzeugrennens ermittelt.

Ein weiterer Fall wurde am Sonntagmittag gegen 13:00 Uhr aus Murr gemeldet. Dort sollen zwei Fahrer ihre Fahrzeuge, einen Mercedes AMG und einen Porsche, in der Gottlieb-Daimler-Straße nebeneinander aufgestellt haben, um gleichzeitig in Richtung Rudolf-Diesel-Straße zu beschleunigen. Die Polizei kontrollierte kurz darauf den 30-jährigen Mercedes-Fahrer auf einem Tankstellengelände in der Robert-Bosch-Straße. Der Porsche-Fahrer konnte unerkannt entkommen.

Die Verkehrspolizeiinspektion Ludwigsburg sucht Zeugen und mögliche Geschädigte, insbesondere Personen, die durch die Fahrweise der beteiligten Fahrzeuge gefährdet wurden. Hinweise nimmt die Polizei unter Tel. 0711 6869-0 oder per E-Mail an stuttgart-vaihingen.vpi@polizei.bwl.de entgegen.

Quelle: Polizeipräsidium Ludwigsburg.