SGV Freiberg verliert in Großaspach nicht nur ein Spiel

Der SGV Freiberg unterliegt im Spitzenspiel bei Sonnenhof Großaspach deutlich mit 0:4. Nach einer außergewöhnlichen Saison, dem großen Traum von der 3. Liga und den Plänen rund um den Umzug nach Heilbronn bleibt nach dem Schlusspfiff vor allem eines: Ernüchterung.

Von Ayhan Güneş – 23.35 Uhr

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Aspach/Freiberg. Es gibt Spiele, nach denen nicht sofort gesprochen wird. Weil das Ergebnis zu klar ist. Weil die Tabelle plötzlich eine andere Sprache spricht. Und weil eine Saison, die über Monate nach Aufbruch, Mut und großer Möglichkeit klang, innerhalb von 90 Minuten eine brutale Schwere bekommt.

Der SGV Freiberg hat das Spitzenspiel der Regionalliga Südwest bei der SG Sonnenhof Großaspach am Mittwoch mit 0:4 verloren. Vor rund 6000 Zuschauern in der Wir-machen-Druck-Arena wurde aus dem erhofften Wendepunkt ein Abend der Leere. Großaspach steht vier Spieltage vor Schluss mit sechs Punkten Vorsprung und der deutlich besseren Tordifferenz an der Tabellenspitze. Für Freiberg ist der Aufstieg rechnerisch noch nicht verloren. Sportlich aber ist er in sehr weite Ferne gerückt.

Dabei ging es an diesem Abend um mehr als nur um ein Topspiel. Es ging um den großen Traum einer Mannschaft, die diese Liga über weite Strecken geprägt hatte. Es ging um ein Projekt, das längst über den Sportplatz am Wasen hinausgewachsen ist. Um eine Saison, in der Freiberg lange als Überraschung, später als ernsthafter Aufstiegskandidat und zuletzt als Getriebener unterwegs war. Und es ging auch um eine Zukunft, die sich mit dem möglichen Umzug nach Heilbronn bereits größer anfühlt als das, was der Verein in Freiberg derzeit infrastrukturell abbilden kann.

Genau deshalb wog dieses Spiel so schwer.

Freiberg kam nicht schlecht in die Partie. In der Anfangsphase tasteten sich beide Mannschaften ab, die Nervosität war beiden Teams anzumerken. Lange blieb das Spitzenspiel arm an klaren Chancen. Die Bedeutung der Partie lag wie ein Druck auf dem Rasen. Mitte der ersten Halbzeit hatte der SGV phasenweise etwas mehr vom Spiel, ohne daraus echte Torgefahr zu entwickeln.

Dann kam die 38. Minute und mit ihr der Moment, der das Spiel in eine andere Richtung riss. SGV-Torhüter Benedikt Grawe spielte den Ball im Aufbau direkt in die Füße von Fabian Eisele. Der Großaspacher Torjäger nahm das Geschenk an, blieb ruhig und hob den Ball zum 1:0 ins Tor. Es war ein schwerer Fehler in einem Spiel, in dem Fehler kaum verziehen werden.

Nur wenige Minuten später wurde es noch bitterer. Grawe kam gegen Loris Maier zu spät, der Schiedsrichter entschied auf Strafstoß. Nach kurzer Unruhe im Strafraum verwandelte Eisele sicher zum 2:0. Innerhalb weniger Minuten hatte Freiberg ein Spiel aus der Hand gegeben, das zuvor noch offen war.

Grawe wurde damit zur tragischen Figur dieses Abends. Ausgerechnet er, der in dieser Saison oft ein wichtiger Rückhalt war, erlebte im wichtigsten Spiel einen rabenschwarzen Abend. So hart der Befund ist: Diese Niederlage allein auf ihn zu reduzieren, würde dem Gesamtbild nicht gerecht. Freiberg fand nach den Rückschlägen nicht mehr die Kraft, die Struktur und die Überzeugung, um dieses Spiel zurückzuholen.

Nach der Pause war die Hoffnung auf eine Wende schnell dahin. Elias Rahn traf in der 55. Minute zum 3:0. Spätestens da war das Spitzenspiel entschieden. Großaspach spielte nun mit der Sicherheit eines Tabellenführers, der seine Chance erkannt hatte. Freiberg rannte an, aber ohne Klarheit, ohne Durchschlagskraft, ohne jene Leichtigkeit, die diese Mannschaft zu Beginn der Saison so besonders gemacht hatte.

In der Schlussphase setzte Loris Maier mit dem 4:0 den Schlusspunkt. Während die Heimfans „Spitzenreiter“ skandierten, leerte sich der Freiberger Block teilweise schon vor dem Abpfiff. Es war ein Bild, das viel erzählte: von Enttäuschung, von Ernüchterung, von einem Abend, der weh tat.

Die Zahlen sprechen nun gegen Freiberg. Sechs Punkte Rückstand, dazu die deutlich schlechtere Tordifferenz, nur noch vier Spiele. Großaspach hat die Tür zur 3. Liga weit geöffnet. Freiberg braucht nun nicht nur eigene Siege, sondern auch Ausrutscher des Konkurrenten. Aus eigener Kraft ist der Aufstieg kaum noch erreichbar.

Und doch wäre es zu einfach, diese Saison nur an diesem Abend zu messen. Freiberg hat über Monate gezeigt, was mit harter Arbeit, klarer Idee und sportlichem Mut möglich ist. Der Verein führte lange die Tabelle an, spielte sich in eine Rolle, die ihm vor der Saison viele kaum zugetraut hätten. Gleichzeitig wuchs mit jedem Sieg die Fallhöhe. Der Traum wurde größer, die Fragen rund um Infrastruktur, Zukunft und den möglichen Umzug nach Heilbronn konkreter.

Gerade deshalb ist die Leere nach diesem 0:4 so groß.

Denn es geht nicht nur um ein verlorenes Spiel. Es geht um den Moment, in dem eine Mannschaft spürt, dass ihr großer Lauf an eine Grenze gestoßen sein könnte. Um den Unterschied zwischen „alles ist möglich“ und „jetzt braucht es ein Wunder“. Um den Schmerz, wenn man so lange oben war und plötzlich nicht mehr selbst bestimmt, wohin die Saison geht.

Für Freiberg bleibt nun nur eines: Haltung bewahren. Am kommenden Spieltag wartet Mainz 05 II. Sportlich zählt nur ein Sieg. Mental aber geht es um mehr. Es geht darum, ob diese Mannschaft nach einem solchen Abend noch einmal aufstehen kann.

Der Traum von der 3. Liga lebt rechnerisch weiter. Aber nach dieser Nacht in Aspach klingt er leiser.