
Die Bundesregierung will Bäckereien und Konditoreien sonntags länger öffnen lassen. Handelsverbände gehen nun deutlich weiter und fordern eine komplette Freigabe der Sonntagsöffnungszeiten im Einzelhandel. Sie verweisen auf lebendige Innenstädte, das Online-Zeitalter und rechtliche Unsicherheit für Kommunen.
Von Lea Brandt – 07.30 Uhr
Nach der Ankündigung der Bundesregierung, die Sonntagsöffnungszeiten für Bäckereien und Konditoreien zu verlängern, fordern Handelsverbände eine völlige Freigabe der Öffnungszeiten an Sonntagen.
„Einkaufen ist auch Freizeiterlebnis, daher setzen wir uns für Sonntagsöffnungen im Einzelhandel ein, um Innenstädte attraktiv und lebendig zu halten“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Stefan Genth, der „Bild-Zeitung“ (Montagausgabe).
Der Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, sagte demselben Blatt: „Wir sollten endlich einen Schritt voran machen und den Sonntag in das Ermessen der Kaufleute und Kunden stellen.“ Wer in Deutschland sonntags ein Hemd verkaufe, mache sich strafbar. Das sei im Online-Zeitalter von vorgestern.
Auch Sachsens Handelsverbandschef René Glaser sprach sich für eine Freigabe der Sonntagsöffnungszeiten aus. „Nach aktuellem Recht bedarf es stets eines besonderen Anlasses für Sonntagsöffnungen.“ Die Anforderungen seien teils undurchsichtig. Den Kommunen seien rechtssichere Genehmigungen kaum möglich. Es bedürfe dringend einer Gesetzesänderung.
Hintergrund der Forderungen ist ein Entwurf des Bundesarbeitsministeriums, den der Koalitionsausschuss am Mittwoch (1. Juli) in Berlin verabschiedet hatte. Die neuen Regeln sollen zum 1. Januar 2027 greifen. Das Gesetz muss allerdings noch durch den Bundestag.

