Spatenstich fürs LIZ: In Ludwigsburg entsteht ein neuer Hightech-Campus

Auf dem früheren MANN+HUMMEL-Gelände in Ludwigsburg hat der Bau eines neuen Industrie- und Gewerbe-Campus begonnen. Das Projekt ist groß, teuer und für die Stadt wirtschaftlich wie städtebaulich von besonderer Bedeutung.

Von Ayhan Güneş – 08.20 Uhr

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Ludwigsburg. Auf dem ehemaligen Werksgelände von MANN+HUMMEL in der Ludwigsburger Weststadt haben die Bauarbeiten für das Ludwigsburg Industriezentrum (LIZ) begonnen. Mit dem symbolischen Spatenstich fiel am Donnerstag (23. April) der offizielle Startschuss für eines der größeren Gewerbeprojekte der Stadt.

Auf dem rund 51.000 Quadratmeter großen Areal soll ein neuer Industrie- und Gewerbe-Campus mit knapp 100.000 Quadratmetern Mietfläche entstehen. Die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen. Nach Angaben der Projektbeteiligten wird ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag investiert.

Industriefläche wird neu gedacht

Dem Baustart ging bereits die Umgestaltung des früheren Industrieareals voraus. Ein erheblicher Teil der Bestandsflächen konnte erhalten und modernisiert werden. Rund 44.500 Quadratmeter wurden technisch und energetisch aufgewertet.

Einen Großteil dieser modernisierten Flächen nutzt MANN+HUMMEL weiterhin als Mieter. Auch das Raumfahrt-Startup ISPTech ist bereits auf dem Gelände vertreten und hat seine Flächen nach Angaben der Projektpartner inzwischen erweitert.

Gleichzeitig wurden rund 30.000 Quadratmeter nicht mehr erhaltungsfähiger Gebäude zurückgebaut. Teile der dabei gewonnenen Materialien sollen in den Neubau einfließen.

Neubauten in Holz-Hybridbauweise

Geplant sind mehrere neue Gebäude mit rund 50.000 Quadratmetern zusätzlicher Mietfläche. Diese sollen in Holz-Hybridbauweise entstehen und vor allem für sogenannte Light-Industrial-Nutzungen ausgelegt sein – also für Bereiche wie Forschung, Entwicklung und ergänzende Büroflächen.

Nach Angaben der Projektpartner sollen die Einheiten flexibel nutzbar sein, um unterschiedliche Anforderungen von Unternehmen abzudecken.

Nachhaltigkeit als zentrales Element

Das Projekt wird von den Initiatoren Patron Capital und INBRIGHT mit einem klaren Nachhaltigkeitsanspruch beschrieben. Vorgesehen sind unter anderem Photovoltaikanlagen, der Anschluss an das Fernwärmenetz, Grünstrom sowie Dach- und Geländebegrünungen.

Angestrebt wird eine DGNB-Gold-Zertifizierung, also ein Nachhaltigkeitsstandard für besonders energieeffiziente und nutzerfreundliche Gebäude.

Wirtschaftlich wichtiger Standort

Für Ludwigsburg ist das Projekt auch deshalb relevant, weil Industrie- und Gewerbeflächen in der Region Stuttgart seit Jahren knapp sind. Der Standort in der Weststadt gilt durch seine Lage zwischen Schlieffenstraße, Grönerstraße und Wilhelm-Fein-Straße als verkehrlich attraktiv.

Zum Mobilitätskonzept gehören laut den Projektbeteiligten der öffentliche Nahverkehr, Fahrradinfrastruktur und Shared-Mobility-Angebote. Perspektivisch wird zudem auf die geplante Stadtbahnlinie Lucie verwiesen.

Oberbürgermeister Matthias Knecht sagte zum Baustart: „Industrie- und Gewerbeflächen sind in der Region Stuttgart knapp. Wir sind stolz, dass mit dem LIZ ein wegweisendes Bauvorhaben in Ludwigsburg entsteht und dabei ein bestehender Standort nach hohen Nachhaltigkeitsstandards an die Anforderungen moderner Nutzer angepasst wird. Die Stadt Ludwigsburg hat zudem gerade unter dem Titel ‚LIZZY‘ einen Wettbewerb ausgerufen, bei dem innovative Start-up-Unternehmen einen attraktiven Mietkostenzuschuss für die Bestandsflächen gewinnen können.“

Einordnung

Mit dem LIZ entsteht in Ludwigsburg nicht einfach nur ein neues Gewerbegebiet. Das Projekt steht auch für einen größeren Trend: Alte Industrieflächen werden nicht aufgegeben, sondern neu aufgeladen – mit Forschung, technologieorientierten Nutzungen und dem Versuch, wirtschaftliche Entwicklung mit Nachhaltigkeit zu verbinden.

Ob das Gelände am Ende tatsächlich die Strahlkraft eines echten Hightech-Campus entfaltet, wird sich daran zeigen, welche Unternehmen dort langfristig einziehen – und wie stark der Standort über die Region hinaus wahrgenommen wird.