Stabil in einem Jahr voller Umbrüche – Kreissparkasse Ludwigsburg legt Bilanz 2025 vor

Wenn die Kreissparkasse Ludwigsburg ihre Jahresbilanz präsentiert, ist das weit mehr als ein Blick in die Bücher eines regionalen Finanzinstituts – es ist ein Seismograph für die wirtschaftliche Lage im Landkreis. Denn wie eine Radarstation spürt die Sparkasse Veränderungen in der Region oft früher auf als jeder Konjunkturbericht.

Von Ayhan Güneş – 11.42 Uhr

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Ludwigsburg. Die wirtschaftliche Flaute macht auch vor dem Landkreis nicht Halt: steigende Insolvenzen, schwache Investitionsbereitschaft, Druck auf Industrie und Mittelstand. Doch während viele Unternehmen auf Sicht fahren, bleibt die Kreissparkasse Ludwigsburg ein verlässlicher Gradmesser der regionalen Wirtschaft und zeigt in ihrer Bilanz 2025, dass Stabilität in unsicheren Zeiten möglich ist. Denn wie eine Radarstation spürt das Institut Entwicklungen in der Region oft früher auf als jeder Konjunkturbericht: Aufträge, Kredite, Insolvenzen, Investitionen – all das spiegelt sich hier zuerst.

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Stabilität in bewegten Zeiten

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Nach zwei Jahren der Rezession befindet sich die deutsche Wirtschaft weiterhin in einer Phase der Stagnation. Strafzölle aus den USA, geopolitische Risiken und eine schwache Nachfrage aus dem Ausland bremsen die exportorientierte Industrie im Land. Besonders Baden-Württemberg spürt die Folgen – allein in der Automobilbranche gingen im vergangenen Jahr mehr als 48.000 Arbeitsplätze verloren. Auch der Landkreis Ludwigsburg, als Teil des industriellen Speckgürtels von Stuttgart, steht unter Druck.

Umso bemerkenswerter fällt die Bilanz der Kreissparkasse Ludwigsburg aus. Das Institut legte 2025 trotz der schwierigen Rahmenbedingungen ein solides Ergebnis vor: Die Bilanzsumme stieg auf 13,3 Milliarden Euro – ein Plus von 408 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Die Kundeneinlagen wuchsen auf 9,5 Milliarden Euro, das Kreditvolumen auf 7,4 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss blieb mit 18,1 Millionen Euro nahezu konstant.

„Durch unsere Kompetenz, Resilienz und Kontinuität haben wir auch das Jahr 2025 wieder zufriedenstellend abschließen können und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt“, sagte Vorstandsvorsitzender Dr. Heinz-Werner Schulte am Mittwoch im Rahmen der Bilanzkonferenz. „Wann und wo immer Sie uns brauchen – viele Wege führen zur Kreissparkasse.“

Investitionen in Standorte

Schulte kündigte an, die Sparkasse werde weiter in ihre Filialen investieren – trotz digitaler Transformation. In den vergangenen drei Jahren flossen rund 63 Millionen Euro in Gebäude und weitere acht Millionen in technische Ausstattung. Die energetische Sanierung der Hauptstelle in Ludwigsburg sei nahezu abgeschlossen, die Filialen in Gerlingen, Ditzingen und Markgröningen modernisiert.

Besonders betonte Schulte die Kooperation mit der VR-Bank Ludwigsburg: „Inzwischen betreiben wir 16 Filialen gemeinsam. So können wir die Bargeldversorgung sichern und bei Problemen, wie zuletzt in Asperg, schnell reagieren.“

Das Vertrauen der Kundinnen und Kunden spiegelt sich auch digital wider: Rund 100.000 Menschen nutzen inzwischen die Sparkassen-App, über 10.000 den neuen europäischen Bezahldienst „Wero“.

Mittelstand unter Druck

„Für Unternehmen sind die Zeiten alles andere als rosig“, sagte Vorstandsmitglied Thomas Raab, verantwortlich für das Firmenkundengeschäft. Im Landkreis Ludwigsburg sei die Zahl der Unternehmensinsolvenzen deutlich gestiegen – von 34 im Jahr 2022 auf 79 im Jahr 2024 und bereits 117 bis Ende des dritten Quartals 2025.

Trotz dieser Entwicklung bleibt die Sparkasse zuversichtlich – auch wenn, wie Raab betonte, die politischen Rahmenbedingungen besser sein könnten. Die aktuellen globalen Krisen und politischen Unsicherheiten seien für den Mittelstand eine enorme Herausforderung, so das Vorstandsmitglied.

Das Kreditvolumen sei stabil, die zugesagten Fördermittel seien von 32 auf 40,5 Millionen Euro gestiegen. „Wir helfen unseren Firmenkunden, die Transformation zu meistern – mit Finanzierung, Beratung und Innovationsförderung“, sagte Raab. Die Kreissparkasse sei weiterhin Marktführer bei Business-Konten und halte mit rund 32 Prozent den größten Anteil im Landkreis.

Menschen, Ausbildung, Zukunft

Vorstandsmitglied Thomas Geiger hob die Entwicklung im Personalbereich hervor. 2025 stellte die Sparkasse 157 neue Mitarbeitende ein – ein Rekordwert. 168 junge Menschen absolvieren derzeit eine Ausbildung oder ein duales Studium. „Trotz Fachkräftemangel und Ruhestandswelle konnten wir alle offenen Stellen besetzen“, sagte Geiger.

Mit 1.529 Beschäftigten gehört die Kreissparkasse Ludwigsburg zu den größten Arbeitgebern der Region. Für Geiger ist das kein Zufall: „Gute Dienstleistung lebt von gut ausgebildeten Menschen. Der Beruf des Sparkässlers hat an Attraktivität gewonnen.“

Digitalisierung und Nähe 

Wie sich Tradition und Zukunft verbinden lassen, zeigte Vorstandsmitglied Marco Beckbissinger. Mit digitalen Services, KI-Lösungen und neuen Filialkonzepten wolle die Sparkasse näher an die Kundschaft rücken. In Gerlingen wird derzeit ein Bargeldkonzept getestet, bei dem Mitarbeiter keinen Zugriff mehr auf Bargeld haben – mehr Sicherheit, weniger Risiko.

Beckbissinger präsentierte zudem neue Anwendungen: den Avatar „KIM“, der in 20 Sprachen Auskunft gibt, den KI-Chatbot „Linda+“ sowie eine Video-Stele für Fernberatung. „Wir kombinieren digitale Innovation mit persönlicher Nähe. Das ist unser Weg in die Zukunft“, sagte Beckbissinger.

Engagement und Verantwortung

Auch gesellschaftlich bleibt die Kreissparkasse präsent: 2025 unterstützte sie 595 Projekte mit insgesamt 4,71 Millionen Euro. Das Stiftungskapital stieg auf 43 Millionen Euro. Gefördert wurden unter anderem Sprachprogramme an Schulen, Naturschutzprojekte und Jugendarbeit. „Um helfen zu können, muss man wirtschaftlich erfolgreich sein“, betonte Schulte.

Baufinanzierungen legen zu

Die Bauwirtschaft in der Region zeigt wieder leichte Erholungstendenzen. „Unser Bestand an Wohnungsbaukrediten ist 2025 um rund 53 Millionen Euro auf 3,76 Milliarden Euro gestiegen“, sagte Vorstandsmitglied Marco Beckbissinger.

Trotz hoher Nachfrage bleibt das Angebot an Immobilien knapp. „Als größter Makler im Landkreis hätten wir noch mehr Objekte vermitteln können“, so Beckbissinger. 2025 wechselten 282 Immobilien den Eigentümer, das Verkaufsvolumen lag bei über 115 Millionen Euro. Der Schwerpunkt lag auf Bestandsimmobilien, der Bereich Neubau verlaufe derzeit „schleppend“, erklärte Beckbissinger.

Ausblick

Für 2026 erwartet der Vorstand anhaltende Unsicherheiten – aber auch Chancen. „Wir brauchen wieder eine Willkommenskultur für Unternehmen in Baden-Württemberg“, sagte Schulte. „Eine starke Wirtschaft sichert Arbeitsplätze und trägt unseren Sozialstaat.“