Stadtgründungsfeier in Ludwigsburg wird zum Abend der offenen Worte

Ein Abend zwischen Glanz und Klartext: Bei der Stadtgründungsfeier im Ludwigsburger Residenzschloss trafen rund 300 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zusammen. Oberbürgermeister Matthias Knecht warb angesichts knapper Kassen für ein neues Miteinander von Verwaltung, Wirtschaft und Bürgerschaft. Der mit der Bürgermedaille ausgezeichnete Unternehmer Detlef Weimann griff diesen Gedanken auf und forderte verlässliche Rahmenbedingungen für einen Mittelstand, der Ludwigsburg treu bleibt und Verantwortung übernimmt.

Von Ayhan Güneş – 19.48 Uhr

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Ludwigsburg. In Zeiten leerer Kassen, wachsender Unsicherheit und hitziger Debatten über Sparzwänge bekam die Stadtgründungsfeier im Ludwigsburger Residenzschloss am Freitagabend eine besondere politische Note. Es ging nicht nur um Tradition und Ehrung. Es ging um Vertrauen, Zusammenhalt und die Frage, wie viel Zuversicht sich eine Stadt in schwierigen Zeiten noch leisten kann.

Glanzvoller Rahmen im Ordenssaal

Im festlich beleuchteten Ordenssaal verlieh am Freitag Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht die Bürgermedaille 2026 an den Unternehmer Detlef Weimann, Geschäftsführer der Goetze KG Armaturen. Rund um die Auszeichnung entwickelte sich dabei ein Abend, der deutlich über eine klassische Ehrungszeremonie hinausging.

Denn sowohl Knecht als auch Weimann nutzten ihre Reden für ungewöhnlich offene Worte über die wirtschaftliche Lage, die Herausforderungen der Kommunen und das Verhältnis zwischen Stadt und Mittelstand.

Knecht spricht über leere Kassen und Vertrauen

Der Oberbürgermeister zeichnete das Bild einer Stadt, die wie viele Kommunen unter massivem finanziellem Druck steht. „Wir werden in den nächsten Jahren miteinander den Gürtel etwas enger schlagen müssen“, sagte Knecht. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Sparen allein keine Zukunftsstrategie sein könne. Ludwigsburg brauche ein neues Miteinander zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Stadtgesellschaft.

Knecht sprach von gemeinsamen Lösungen „auf Augenhöhe“ zwischen Land, Kommunen und Wirtschaft. Es gehe um Herausforderungen, die keine Seite allein bewältigen könne: Klimawandel, Wirtschaftskrise, Wohnen, Mobilität, sozialer Zusammenhalt, Sport und Kultur. Gerade deshalb warb er für Vertrauen und Offenheit. „Wir dürfen uns heute Abend nicht in die Tasche lügen, nicht anlügen. Wir müssen offen sein miteinander. Das schafft Vertrauen“, sagte Knecht.

Immer wieder schlug er dabei den Bogen zur wirtschaftlichen Stärke der Stadt. Die Entscheidung von Goetze KG Armaturen für den derzeit entstehenden Neubau in der Weststadt bezeichnete er als „klares Bekenntnis zum Standort Ludwigsburg“. Für Knecht wurde Weimann damit auch zu einem Beispiel für das, was die Stadt in schwierigen Zeiten braucht: Unternehmer, die investieren, Verantwortung übernehmen und Ludwigsburg nicht nur als Standort, sondern als Teil ihrer eigenen Identität verstehen.

Weimann setzt ein Zeichen für den Standort

Weimann griff diesen Gedanken in seiner Dankesrede auf und verband ihn mit einem deutlichen Appell an Politik und Verwaltung. „Für uns ist das Glas immer halbvoll“, sagte der Unternehmer. Der Neubau seines Unternehmens im Waldäcker sei bewusst ein Zeichen für Ludwigsburg und den Standort Deutschland.

Zugleich sprach Weimann offen über die Lage vieler mittelständischer Unternehmen. Internationale Konkurrenz, Produktionsdruck und fehlende Planungssicherheit beschäftigten auch die Firmen in Ludwigsburg. „Umso wichtiger sind verlässliche und belastbare Planungshorizonte und keine rückwärtsgewandten Entscheidungen“, sagte er.

Dabei blieb Weimann nicht bei Kritik stehen. Vielmehr formulierte er ein Angebot an die Stadt: „Reden Sie mit uns.“ Er lobte ausdrücklich, dass Knecht und die Wirtschaftsförderung die Gewerbetreibenden aus der Weststadt an einen Tisch gebracht hätten. Offenheit und gegenseitige Wertschätzung trügen dieses Format. Verwaltung und Wirtschaft müssten sich nicht misstrauisch gegenüberstehen, sondern könnten gemeinsam nach Lösungen suchen.

Besonders deutlich wurde das, als Weimann erklärte, Unternehmer wollten nicht nur über ihren Anteil an der Gewerbesteuer definiert werden. Sie seien Teil der Stadtgesellschaft, Förderer von Kultur, Sport, Bildung und sozialen Projekten. „Wir brauchen eine verlässliche Stadt und wir sind die verlässlichen langfristigen Partner, die zur Verfügung stehen und Verantwortung mittragen“, sagte er sinngemäß in seiner Rede.

Mit Blick auf die wirtschaftliche Struktur der Weststadt beschrieb Weimann die dort ansässigen Mittelständler und Familienbetriebe als Stärke der Stadt. „Wie an eine Perlenschnur sind diese Mittelständler und Familienbetriebe aufgereiht“, sagte er. Diese Mischung, so seine Botschaft, halte Ludwigsburg stabiler als andere Städte.

Ein Abend mit gemeinsamer Botschaft

So wurde aus der Ehrung eines Unternehmers auch ein Signal an die Stadt: Ludwigsburg kann seine Herausforderungen nur lösen, wenn Verwaltung, Wirtschaft und Stadtgesellschaft einander nicht als Gegenspieler begreifen. Knecht sprach von einer Verwaltung, die ermöglichen statt nur kontrollieren müsse. Weimann wiederum erinnerte daran, dass Unternehmen mehr sein können als Steuerzahler: Partner, Ideengeber und Mitgestalter einer Stadt.

Gerade in diesem Zusammenspiel lag die eigentliche Botschaft des Abends. Die Stadt braucht verlässliche Unternehmen. Die Unternehmen brauchen eine verlässliche Stadt. Und beide brauchen eine Gesellschaft, die trotz knapper Kassen nicht vergisst, was sie zusammenhält.

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