Studie: Firmen riskieren beim Messenger-Einsatz hohe Strafen

Karlsruhe (dts) – Unternehmen in Deutschland gehen hohe Risiken ein, wenn sie ihre Mitarbeiter bestimmte Messenger-Dienste nutzen lassen, die als besonders datenhungrig gelten. Das ist das Ergebnis einer rechtswissenschaftlichen Studie des FZI Forschungszentrums Informatik in Karlsruhe, über die die „Welt am Sonntag“ berichtet. „Unternehmen, Verbände oder Behörden riskieren hohe Sanktionen, wenn sie bei der internen oder externen Kommunikation die Datenschutzvorgaben verletzen“, sagte die Leiterin der Studie.

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„Zahlreiche gerade für den privaten Gebrauch entwickelte Instant-Messenger genügen den im Unternehmenskontext relevanten rechtlichen Anforderungen an Daten- und Geschäftsgeheimnisschutz in der Europäischen Union kaum oder gar nicht.“ Die Studie war vom Schweizer Messenger-Anbieter Threema in Auftrag gegeben worden – der damit wohl auch Werbung für den eigenen Dienst machen will, der als besonders sicher gilt. Vielen, vor allem kleineren Firmen, sei gar nicht bewusst, dass sie gegen die Datenschutzvorgaben verstoßen, heißt es in der Analyse.

So werden Nutzer von WhatsApp beispielsweise aufgefordert, ihr Adressbuch freizugeben. Ein Einverständnis der Personen, die darin verzeichnet sind, wird dabei nicht eingeholt. Einige Unternehmen haben inzwischen Konsequenzen gezogen – und ihren Mitarbeitern die Nutzung beispielsweise des Nachrichtendienstes WhatsApp untersagt.

Zuletzt hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seinen Angestellten den Gebrauch von WhatsApp verboten. Für Unternehmen können Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung teuer werden. Geldbußen von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des weltweiten Vorjahresumsatzes sind hier vorgesehen.

Die Studie weist außerdem auf eine neue Rechtslage hin. Demnach genießen Geschäftsgeheimnisse nur dann rechtlichen Schutz, wenn die Informationen mit angemessenen Maßnahmen geschützt werden. Wer sich daran nicht hält, kann Schwierigkeiten bekommen, seine Ansprüche geltend zu machen. „Das kann den Unternehmenswert reduzieren und für Firmen im schlimmsten Fall sogar existenzbedrohend sein“, sagte Studienleiterin Wagner. Zur Vorsicht raten die Experten vor allem beim Einsatz von Diensten, deren Betreiber nicht in Europa sitzen.

 

Kinderpornografie: Ermittler lassen nach Ermittlungserfolg Missbrauchsaufnahmen im Netz

Berlin – Deutsche Ermittler lassen große Mengen sogenannter Kinderpornografie im Internet. Das zeigen Recherchen von „Spiegel“, dem NDR-Magazin „Panorama“ und dem Funk-Format „Strg_F“. Demnach wäre es technisch mit einfachen Mitteln möglich, solche Aufnahmen löschen zu lassen.

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So ließ das Bundeskriminalamt nach seinem großen Ermittlungserfolg gegen die Darknet-Plattform „Boystown“ im Frühjahr offenbar keine Bilder oder Videos entfernen, die über die Seite verbreitet wurden. Dabei lagen zahlreiche Aufnahmen auf Servern sogenannter Clearnet-Filehoster, die auf Hinweise von externen Stellen schnell reagieren. Im Zuge der Recherche meldeten Reporter sechs von Pädokriminellen häufig verwendeten Speicherdiensten, dass über ihre Server Missbrauchsabbildungen zum Download angeboten werden.

Die Unternehmen löschten daraufhin mehr als 13 Terabyte Videos und Fotos aus dem Netz. Die Strategie der deutschen Ermittlungsbehörden ist jedoch stark auf die Identifikation und Verfolgung von Tätern ausgerichtet. Das Löschen von Missbrauchsdarstellungen betrachten sie bislang kaum als ihre Aufgabe.

Die Recherche der drei Medien gibt auch Einblicke in die vermutliche größte Missbrauchsseite, die es im Darknet je gab. Auf der noch online befindlichen Plattform sind 3,7 Millionen Nutzerkonten registriert. Allein ein Unterforum mit dem Namen „Spielplatz“, in dem Pädokriminelle Missbrauchsaufnahmen von Kindern zwischen null und 14 Jahren verbreiten, wurde mehr als 1,1 Milliarden Mal angeklickt.

red / dts Nachrichtenagentur