Theoretische Führerscheinprüfung: Das sind die neue Regeln

Fahrschüler aufgepasst: Wer die theoretische Führerscheinprüfung nach dem 1. Oktober 2022 ablegt, wird nach einem neuen amtlichen Fragenkatalog geprüft. Auf die Kosten von mindestens rund 2.000 Euro für einen Führerschein haben die neuen Regeln keinen Einfluss. Insgesamt geht es um über 50 Fragen, die überarbeitet wurden; auch Video- und Bildfragen gehören dazu.

Verkehrs-Experten des Versicherungskonzern ARAG geben einen Überblick über die Änderungen, auf die sich jährlich knapp zwei Millionen Prüflinge in einer zunehmend digitalen Fahrausbildung einstellen müssen.

Alle Klassen sind betroffen

Die Änderungen im Fragenkatalog für die Theorieprüfung ziehen sich durch alle Klassen. So gibt es sowohl neue Fragen im Grundwissen für alle Fahrzeugklassen als auch neue Fragen im Wissen rund um das Mofa.

Fahrausbildung 2.0

Bisher war es nur in der Corona-Pandemie möglich: digitaler Theorieunterricht in der Fahrschule. Nun soll es auch künftig in Ausnahmefällen möglich sein, einen Teil des Unterrichts auch digital anzubieten. Das könnte vor allem für Fahrschüler von Vorteil sein, die in ländlichen Regionen wohnen, wo die nächste Fahrschule weit entfernt ist.

Auch die praktische Prüfung ist von der Digitalisierung betroffen: Fahrschüler werden bereits seit Sommer 2022 auch in der Nutzung moderner Assistenzsysteme, die die Fahrer unterstützen und die Sicherheit erhöhen, geprüft. Nötig wird die Digitalisierung, weil nach Auskunft von ARAG seit Juli eine Verordnung der Europäischen Union (EU) in Kraft getreten ist, nach der Assistenzsysteme für Geschwindigkeit, Notbremsung, Spurhalten oder Rückwärtsfahren bei Neuwagen verpflichtend zur Ausstattung gehören. Nach einer zweijährigen Übergangszeit dürfen Neuwagen, die nicht über diese Tools verfügen, ab 2024 in der gesamten EU nicht mehr zugelassen werden. Betroffen sind Pkw, Lkw, Transporter und Busse.

Höhere Strafe bei Täuschungsversuchen in der Prüfung

Auch das macht die Technik möglich: Es gibt immer häufiger Fahranwärter, die bei der theoretischen Prüfung tricksen und täuschen. Dabei gibt es zwei Betrugsarten: Den Technikbetrug und die Stellvertreterprüfung. Bei erster Masche sind die Fahrschüler in der Prüfung mit teilweise professioneller Übertragungstechnik ausgestattet und tragen kleine Kameras in Kleidung oder an Brillengestellen und winzige Kopfhörer.

Bei der zweiten Art der Manipulation legt ein ähnlich aussehender Stellvertreter unter falscher Identität die Prüfung für den Fahranwärter ab. Laut Polizei sind diese Betrugsversuche in den letzten Jahren um das Siebenfache gestiegen: Rund 3.000 Täuschungsversuche sind aufgeflogen, doch die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher. Seit Februar müssen tricksende Prüflinge bis zu neun Monate warten, bis sie erneut zur theoretischen Prüfung zugelassen werden (Fahrerlaubnis-Verordnung, Paragraf 18 I 2).

Schon mit 16 ans Steuer

Seit Jugendliche im Rahmen des begleiteten Fahrens ab 17, kurz BF17, schon frühzeitig ans Lenkrad dürfen, ist das Unfallrisiko bei Fahranfängern signifikant gesunken. So ist das begleitete Fahren bereits seit 2011 im deutschen Recht verankert. Um den Lernzeitraum für junge Autofahrer zu verdoppeln, könnte künftig das Mindestalter für begleitetes Fahren auf 16 Jahre herabgesetzt werden, so sieht es zumindest der Koalitionsvertrag vor.

Fahrschule mit Elektroauto

Wer die Führerscheinprüfung mit einem Elektroauto absolviert, darf nach Auskunft der ARAG Experten ausschließlich Fahrzeuge mit Automatikgetriebe fahren. Seit April 2021 gibt es aber die Möglichkeit, sich nach mindestens zehn weiteren Fahrstunden in einem Schaltfahrzeug und einer 15-minütigen Testfahrt mit dem Fahrlehrer die Schlüsselzahl 197 im Führerschein eintragen zu lassen. Damit dürfen dann auch Fahrzeuge mit Schaltgetriebe gefahren werden.

Führerscheinklassen und Anhänger

Mit Führerscheinklasse B dürfen bis zu acht weitere Personen mitgenommen werden und das Fahrzeug darf nicht mehr als 3,5 Tonnen aufweisen. Für einen Anhänger muss kein separater Führerschein gemacht werden, er darf aber nicht schwerer als 750 Kilogramm sein. Auch damit darf das Gesamtgewicht von 3.500 kg nicht überschritten werden. Wer mehr Gewicht ziehen muss, beispielsweise, wenn er Pferde transportiert, benötigt entweder die Klasse BE, dann darf der Anhänger allein bis 3.500 kg wiegen oder er lässt sich ohne weitere Prüfung die Schlüsselzahl 96 im Führerschein eintragen. Hiermit darf ein zulässiges Gesamtgewicht von bis zu 4.250 kg bewegt werden.

mid/jub

So bereitet man sich auf die MPU vor

Der Albtraum eines jeden Autofahrers ist ein Führerscheinentzug. Doch das kann ganz schnell gehen. Das Überschreiten von acht Punkten in Flensburg, wiederholte Auffälligkeiten in der Probezeit oder das Fahren unter Alkoholeinfluss – schon ist der Führerschein weg.

Die Anordnung einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) ist nicht zu unterschätzen. Wichtig ist hier, die Ursachen für das Fehlverhalten zu analysieren und eine Änderung herbeizuführen. Denn ein Ziel haben alle Betroffenen vor Augen: Den Führerschein möglichst schnell wieder zurückzuerlangen.

Thomas Wicke, Verkehrspsychologe bei TÜV Süd Pluspunkt, rät dazu, sich vorab umfassend zu informieren. „Um die MPU auf Anhieb zu bestehen, empfehlen wir Betroffenen, sich im Vorfeld umfangreich über die Möglichkeiten der Vorbereitung aufklären zu lassen“, so der Experte. „Seriöse Institute informieren betroffene Fahrerinnen und Fahrer vorab im Rahmen einer kostenfreien Informationsveranstaltung. Hier werden sowohl Ablauf und Inhalt der MPU als auch die verschiedenen Optionen der Vorbereitung erklärt.“

TÜV Süd Pluspunkt bietet diese Infoabende online an und ermöglicht so die flexible und ortsunabhängige Teilnahme. Im Rahmen der etwa einstündigen, kostenlosen Online-Informationsveranstaltung lernen die Teilnehmenden einen erfahrenen Verkehrspsychologen und MPU-Experten persönlich kennen, werden mit hilfreichen Informationen versorgt und können Fragen stellen. Damit beginnt die anschließende Vorbereitung auf die MPU mit einem sicheren Gefühl. Die Teilnahme an den Infoabenden ist anonym und kurzfristig an zahlreichen Terminen möglich.

Die Anmeldung erfolgt unkompliziert über die Webseite des TÜV Süd wie Thomas Wicke erklärt: „Interessenten wählen einfach einen Termin aus und registrieren sich für diesen. Ist die Registrierung erfolgt, erhalten sie rechtzeitig vor der Veranstaltung die Zugangsdaten per E-Mail.“

Die Informationsveranstaltungen finden über die Plattform Microsoft Teams statt. Teilnehmende können mit jedem beliebigen Gerät (Desktop-PC, Notebook, Tablet oder Smartphone) beitreten, Voraussetzung ist lediglich ein Internet-Zugang. Mehr Informationen gibt es auf www.tuvsud.com/de.

Der beste Ratgeber ist, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen. mid/jub

red